Die amerikanischen Regulatoren haben neue Vergütungsvorschläge erarbeitet, mit denen die gescholtene Finanzwirtschaft zu mehr Vorsicht und Nachhaltigkeit gezwungen werden soll. Die Einlagensicherung FDIC legte am Montag Pläne vor, wonach die größten amerikanischen Finanzinstitute ihren Spitzenkräften die Hälfte der Boni erst mit einer Verzögerung von drei Jahren ausbezahlen dürfen und dann auch nur, wenn das Unternehmen finanziell solide dasteht.
Betroffen wären demnach Geldhäuser mit einer Bilanzsumme von mindestens 50 Milliarden Dollar wie Bank of America, Goldman Sachs, J.P. Morgan Chase & Co und Morgan Stanley. Im Vergleich zu den bereits beschlossenen strengeren Vorschriften in Europa blieben die amerikanischen Empfehlungen allerdings blass.
Die Vorschläge der Einlagensicherung gehen auf den Vorwurf zurück, dass die Bonus-Modalitäten vieler Finanzinstitute zu einer Jagd nach kurzfristigem Gewinn führen, während die langfristigen Folgen für Unternehmen und Märkte ignoriert würden. Nach der FDIC müssen aber noch sechs weitere Behörden den Einschränkungen bei der Vergütung zustimmen, darunter die Börsenaufsicht SEC und die Notenbank Fed. Die FDIC-Vorsitzende Sheila Bair rechnet damit, dass das Okay binnen weniger Wochen kommt, und die Regelung dann in Kraft tritt. „Ich stehe voll dahinter“, sagte sie.
Mehr Spielraum für attraktive Gehaltspakete an Wall Street
In Europa hingegen werden die Banken mittlerweile gedrängt, die Leistungszulagen zu Anteilen von bis zu 60 Prozent drei bis fünf Jahre lang verzögert sowie überdies weniger als die Hälfte in bar auszuzahlen. Im Wettstreit um Top-Manager konnten die amerikanischen Banken deshalb zuletzt wieder fettere Köder auslegen als die europäische Konkurrenz. Unter dem Eindruck der Finanzkrise wurde der Branche zwar weltweit größere Bescheidenheit auferlegt. Aber an der Wall Street haben die Geldhäuser inzwischen wieder mehr Spielraum für attraktive Gehaltspakete als in der Londoner City und Frankfurt.
J.P.Morgan-Chef Jamie Dimon zog sich jüngst noch in Davos eine verbale Watsche von Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy ein, als er forderte, die Bankerschelte müsse nun ein Ende haben. Dagegen hält sich in Amerika die Aufregung über satte Einkommenszuwächse inzwischen wieder sehr in Grenzen.
So steckt Goldman-Chef Lloyd Blankfein einen Bonus von 12,6 Millionen Dollar ein und verdreifachte damit sein Einkünfte. Die Großbank hat aber bereits vorsorglich reagiert. So bekommt Blankfein seinen Bonus für das Jahr 2010 in Aktien, die er nicht vor 2016 verkaufen darf.
Thomas Montag, der das Investmentbanking der Bank of America leitet, kann sich sogar über eine Sondervergünstigung von 14,3 Millionen Dollar freuen. Ingesamt zahlen die fünf führenden amerikanischen Banken für das vergangene Jahr 119 Milliarden Dollar an ihre Beschäftigten (siehe auch Trend zur stärkeren Entlohnung : Rekordboni an der Wall Street ). Das ist ein Zuwachs von vier Prozent bei allerdings gestiegener Mitarbeiterzahl.
