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Aktualisiert: 24.06.2016, 11:30 Uhr

Brexit-Reaktion Bank von England stellt 250 Milliarden bereit

Der Brexit erschüttert die Finanzmärkte weltweit. Der britische Notenbankenchef versucht, zu beruhigen: Die Bank of England sei bereit zum Eingreifen. Dasselbe signalisiert die EZB.

© dpa Die Bank of England in London

Heftige Finanzmarkt-Verwerfungen nach dem Briten-Votum für einen EU-Ausstieg rufen Notenbanken weltweit auf den Plan. Die Bank von England stellte zusätzliche Mittel zur Geldversorgung der Finanzbranche des Landes bereit. Die Zentralbank stehe bereit, das Funktionieren der Märkte zu garantieren, sagte der Chef der Bank von England, Mark Carney am Freitag in London. Großbritannien stehe eine Zeit der Unsicherheit bevor.  Zur Geldversorgung der Finanzwirtschaft könnten zusätzliche 250 Milliarden Pfund abgerufen werden.

Wenn notwendig, könne die britische Notenbank auch erhebliche Liquidität in Fremdwährung bereitstellen. Die Bank von England will zudem prüfen, ob sie weitere Schritte in den kommenden Wochen einleiten wird.

Die internationalen Finanzmärkte hatten auf die Nachricht vom Ausstieg Großbritanniens aus der Europäischen Union mit Kursstürzen reagiert. Das Pfund Sterling erreichte den tiefsten Stand seit 1985. Der Dax sank am Vormittag um etwa acht Prozent und der Londoner FTSE brach um sieben Prozent ein. Experten befürchten eine Wirtschaftskrise, Jobverluste und einen Währungsverfall.

Die EZB steht bereit

Auch die Europäische Zentralbank ist nach eigenem Bekunden zum Eingreifen bereit. Sie könne notfalls Liquidität in Euro und anderen Währungen bereitstellen, teilte die EZB am Mittag mit. Sie stehe in engem Kontakt mit anderen Zentralbanken. Der Bankensektor sei gut gerüstet, fügte die EZB hinzu.

Die Geschäftsbanken haben sich bereits mit einem neuen supergünstigen Langfristkredit Geld besorgt. 514 Geldhäuser haben sich bei dem ersten von vier längerfristigen Kreditgeschäften, die im Fachjargon „TLTRO II“ genannt werden, insgesamt 399 Milliarden Euro gesichert, wie die EZB am Freitag mitteilte. Die Banken hatten ihre Gebote dafür allerdings schon bis gestern Vormittag einreichen müssen, also lang vor Bekanntwerden des Ausstiegsvotums. Die dicken Geldsalven sind Teil des im März beschlossenen umfassenden Maßnahmenpakets, mit dem die Währungshüter unter anderem die Kreditvergabe in der Euro-Zone anschieben wollen. Das Geld muss am 24. Juni 2020 zurückgezahlt werden.

40851877 © AFP Vergrößern Das Pfund Sterling erreichte den tiefsten Stand seit 1985.

Auch Schweizer Notenbank greift ein

Auch die Schweizer Notenbank hat nach dem Votum für den Brexit an den Finanzmärkten eingegriffen, um den Kurs des Schweizer Franken zu stabilisieren.  Der Franken war am Freitagmorgen zum Euro auf den höchsten Stand seit Sommer 2015 gestiegen. Es war der stärkste Zuwachs an einem Tag seit der Aufhebung des Mindestkurses Anfang 2015.

„Die Schweizerische Nationalbank hat am Devisenmarkt eingegriffen, um die Situation zu stabilisieren und wird am Markt aktiv bleiben“, teilte die Notenbank in einer Stellungnahme per E-Mail mit. Nach dem Votum für den Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union sei der Schweizer Franken unter Aufwertungsdruck gekommen.

Schockwellen auch in Asien

In Fernost griffen Händlern zufolge mindestens zwei Notenbanken auf dem Devisenmarkt ein. Laut Börsianern verkaufte die Zentralbank Südkoreas Dollar, um den Fall der Landeswährung Won zu begrenzen. Indiens Notenbank hat Händlern zufolge ebenfalls Dollar über staatseigene Banken verkauft, um einen Kursrutsch der Landeswährung Rupie zu begrenzen.

Die Zentralbank Japans stimmt sich nach den Worten ihres Vize-Chefs, Hiroshi Nakaso, eng mit heimischen und ausländischen Behörden ab. Sie werde sicherstellen, dass Schritte zur Beruhigung der Märkte eingeleitet würden. Dazu zählte Nakaso auch bestehende Devisen-Swap-Vereinbarungen mit anderen Notenbanken. Mit solchen Abkommen stellen sich die Währungshüter gegenseitig Liquidität in Fremdwährung zur Verfügung. Damit wollen sie unter anderem sicherstellen, dass ihre heimischen Geschäftsbanken im Notfall ausreichend Zugang zu Devisen haben.

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