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Bahntechnologie Ultimatum für Transrapid in Deutschland

18.09.2006 ·  Thyssen-Krupp droht mit der Weitergabe der Transrapid-Technologie an China, falls binnen achtzehn Monaten nicht klar ist, ob die Schwebebahn auch in Deutschland fahren wird. Mit Partner Siemens hat sich Thyssen aber nicht darüber abgesprochen.

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Thyssen-Krupp droht mit der Weitergabe der Transrapid-Technologie an China, falls es binnen achtzehn Monaten immer noch keine Klarheit darüber gebe, ob die Schwebebahn auch in Deutschland zum Einsatz komme. „Wir kämpfen dafür, diese Spitzentechnologie in Deutschland zu halten. Aber wenn die Diskussion so weitergeht, müssen wir eine unternehmerische Entscheidung treffen“, sagte Olaf Berlien, im Vorstand von Thyssen-Krupp für den Transrapid zuständig, am Rande einer Werftbesichtigung in Skaramanga nahe Athen. „Es gibt viele Leute, die diese Spitzentechnologie gerne haben wollen. Einer der möglichen Käufer ist China.“

Thyssen-Krupp baut den Transrapid gemeinsam mit Siemens. Bisher wird diese Bahntechnologie nur in China kommerziell genutzt. In Deutschland soll der Transrapid künftig zwischen der Münchener Innenstadt und dem Flughafen der bayerischen Landeshauptstadt fahren. Die Finanzierung dieses 1,8 Milliarden Euro teuren Infrastrukturprojekts ist allerdings längst noch nicht gesichert. Nach dem Aus für die frühere Pilotstrecke Hamburg–Berlin und für den „Metrorapid“ im Ruhrgebiet fürchten die Transrapid-Bauer offenbar, daß auch das Münchener Projekt scheitert oder endlos aufgeschoben wird.

Uneinigkeit bei Betreibern

Man brauche eine Referenzstrecke im Heimatland, um den Transrapid erfolgreich im Ausland vermarkten zu können, sagte Berlien. Wenn die Referenzstrecke nicht komme, habe man zwei Möglichkeiten: „Entweder machen wir die Bücher für diese Technologie zu. Dann ist der Zug im wahrsten Sinne des Wortes abgefahren. Oder wir vermarkten den Transrapid künftig in Partnerschaft mit den Chinesen.“ Dies bedeute, daß Thyssen-Krupp das Know-how für diese Technologie an China weitergebe und in der Folge die Arbeitsplätze in Deutschland verlorengingen. Thyssen und Siemens beschäftigen hierzulande rund 450 Menschen mit dem Transrapid. Die Chinesen hätten ein enormes Interesse an der Magnetschwebebahn; sie wollten mit dieser Technologie zum „World Champion“ werden. Überall in China gebe es Transrapid-Forschungszentren. „Wenn wir nichts machen, werden die Chinesen in fünf bis sieben Jahren auf dem gleichen Stand sein.“

Der Vorstoß von Thyssen-Krupp ist nicht mit dem Konsortialpartner Siemens abgesprochen. „Die eigentliche Magnetbahntechnologie kommt von uns. Darüber können wir alleine entscheiden“, sagte Berlien. Siemens liefert unter anderem die Steuerungselektronik und die Leittechnik. Ein Siemens-Sprecher sagte, daß man die Haltung von Thyssen-Krupp nicht kommentieren wolle.

Vertrag mit China ist „unterschriftsreif“

Losgelöst von den Hürden in Deutschland, zeigte sich Berlien zuversichtlich, noch vor Ende dieses Jahres einen Anschlußauftrag in Schanghai zu bekommen. Bei seinem jüngsten Besuch in Deutschland habe Chinas Ministerpräsident Wen Jiabao signalisiert, daß die Ampeln auf Grün stünden. Jetzt fehle noch die Zustimmung des Staatsrats. „Die Verträge sind unterschriftsreif“, sagte Berlien mit Blick auf die neuen Strecken. Geplant sind eine Kurzverbindung zum Gelände der Expo, die 2010 in Schanghai stattfindet, sowie die Verlängerung der Flughafenstrecke in das 178 Kilometer entfernte Hangzhou. Bei diesen großen Folgeaufträgen wird die lokale Wertschöpfung deutlich höher ausfallen als bei der Flughafenlinie. Also müssen die Deutschen schon in Kürze zumindest einen Teil der Technologie und des Baus an die Chinesen abgeben.

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Von Werner Mussler, Brüssel

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