08.11.2007 · Noch rollen sie, die Personenzüge. Wie lange? Die Bahn hat erklärt, dass sie den Lokführern weiter kein neues Angebot machen will. Für diesen Fall hat die GDL mit Streiks im Fern-, Regional- und Güterverkehr gedroht. Schon am Freitag könnte darüber die Entscheidung fallen. Inzwischen bestreiken die Lokführer eifrig den Güterverkehr - und die Wirtschaft leidet.
Die Bahn will auf den Streik im Güterverkehr nicht mit einem neuen Angebot an die Lokführergewerkschaft GDL reagieren. „Es wird absehbar kein neues Angebot geben“, sagte Bahn-Transportvorstand Norbert Bensel am Donnerstag in Düsseldorf. Die Bahn bemühe sich, die Auswirkungen des Streiks so gering wie möglich zu halten. Züge für die Automobilindustrie, die Mineralölwirtschaft und die Stahlhütten sollten vorrangig fahren.
Der Chef der GDL, Manfred Schell, reagierte postwendend: „Mit dieser sturen Haltung wird niemand die GDL und ihre Mitglieder in die Knie zwingen“, sagte er der Nachrichtenagentur DPA. Damit werden in der nächsten Woche weitere Streiks wahrscheinlicher. Die GDL hatte schon am Mittwoch angekündigt, dass sie plane, die Ausstände auszuweiten, falls es kein neues Angebot gebe. Auch die Reisenden müssen also wieder Streiks fürchten. Denn es war schon die Rede davon, dass kommende Woche neben dem Güterverkehr auch Fernverkehrszüge und Regionalzüge betroffen sein sollen.„Es kann sein, dass wir schon an diesem Freitag darüber entscheiden“, sagte Schell am Donnerstag.
Streik im Güterverkehr läuft
Die Lokführergewerkschaft GDL begann am Donnerstag wie geplant um 12.00 Uhr mit ihren bundesweiten Streiks im Bahn-Güterverkehr. „Wir haben keinen Schwerpunkt, wir streiken im Güterverkehr bundesweit“, sagte Schell. Der Streikbeginn am Mittag sei „so gewählt, dass die meisten Güterzüge an ihren Ausgangsbahnhöfen verbleiben können“. Die Hauptverkehrszeit bei der Güterverkehrstochter Railion beginne „erst am späteren Nachmittag, da diese Züge überwiegend nachts fahren, weil da die Trassen dann nicht vom Personenverkehr belegt sind“. Erste spürbare Folgen wurden daher erst für Freitag erwartet. Der Personenverkehr war laut Bahn nicht betroffen.
Wieviele der 5400 Lokführer bei der Bahntochter Railion sich an dem Ausstand beteiligten, konnten zunächst weder Unternehmen noch Gewerkschaft sagen. Den Angaben zufolge sind zwischen 2000 und 2200 Lokführer bei der GDL organisiert und streikberechtigt. Seibert sagte, die Züge sollten möglichst in den Depots bleiben und nicht Gleise oder Bahnhöfe blockieren.
Die Wirtschaft leidet
Bahnreisende haben nach Angaben des Unternehmens noch nichts von den Ausständen zu spüren bekommen. „Bislang gab es noch keinerlei Auswirkungen“, sagte eine Bahnsprecherin. Künftige Beeinträchtigungen seien aber nicht auszuschließen.
Obgleich die Reisenden weniger leiden, als bei den letzten Streiks, ist dafür diesmal die Wirtschaft umso stärker betroffen. So richtig abschätzen, wie hoch die Kosten durch den 42-Stunden-Ausstand sein werden, mag kaum jemand.
Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) hat zwar vor den Kosten und wirtschaftlichen Verlusten durch den Bahnstreik gewarnt. „Länger anhaltende Störungen werden über kurz oder lang zum Stillstand in vielen Unternehmen führen. Die Schäden für Unternehmen und Wirtschaft wären immens“, erklärte BDI-Chef Jürgen Thumann. Eine echte Prognose wollte man beim BDI aber lieber nicht wagen. Zu unsicher sei es wie weit der Streik seine Kreise ziehe. Staus auf den Straßen, stillstehende Schiffe in den Häfen, verderbliche Lebensmittel, deren Transport sie an Wert verlieren lässt - es gibt beinahe unzählige Faktoren, die zusammenzurechenen sind, um auf eine Zahl zu kommen.
Der Industrieverband appelliere allerdings an die GDL, gemeinsam mit der Deutschen Bahn eine Lösung auf dem Verhandlungsweg zu suchen. „Der Tarifkonflikt zwischen Deutscher Bahn AG und GDL darf nicht auf dem Rücken von Industrie und Wirtschaft ausgetragen werden“, sagte Thumann.
Längere Streiks könnten zum Problem werden
Nach einer Prognose des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung wäre vor allem ein Streik von über drei Tagen ein Problem für die Wirtschaft. „Übers Jahr gesehen wird der Streik die Wirtschaft nicht wirklich treffen. Zieht er sich aber länger als drei Tage hin, könnten einige Bereiche leiden“, sagte DIW-Transportexpertin Claudia Kemfert. Nach einer früheren Schätzung des DIW liegt der volkswirtschaftliche Schaden eines Streiks im Güterverkehr bei bis zu 50 Millionen Euro pro Tag.
Nach Einschätzung des Vorsitzenden der Verkehrsministerkonferenz der Bundesländer, Karl Heinz Daehre (CDU), würde ein längerer Streik im Güterverkehr die Volkswirtschaft hingegen sogar dreistellige Millionenbeträge pro Tag kosten. Ein solcher Streik werde in wenigen Tagen zu einem „Verkehrschaos auf den Straßen führen“, sagte Daehre am Donnerstag im Südwestrundfunk. Er appellierte an Bahn und Lokführergewerkschaft GDL, sich zu einigen. „Die haben eine Verantwortung und der müssen sie nachkommen.“
Nicht nur auf der Straße werden Staus befürchtet. Auch der Zentralverband der Deutschen Seehäfen befürchtet gravierende Auswirkungen des Streiks. „Wir haben nicht die Areale, um Güter in den Häfen zwischenzulagern“, sagte Hauptgeschäftsführer Klaus Heitmann. Fast jede dritte in deutschen Seehäfen umgeschlagene Tonne werde auf der Schiene weitertransportiert. „Da wird es sicher zu brenzligen Situationen kommen.“ Nach Angaben des Verbands Deutscher Reeder kündigten einige größere Reedereien bereits an, Schiffe umlenken zu wollen.
Schell: Keiner verhungert oder erfriert
GDL-Chef Schell wies Befürchtungen zurück, der Streik im Güterverkehr werde das gesamte Land lahmlegen. „Tatsache ist: Es wird weder einer verhungern noch wird einer erfrieren in Deutschland“, sagte er in Frankfurt.
Sollte es kommende Woche zu weiteren Streiks kommen, werde die GDL auch hier die Verhältnismäßigkeit wahren. Nach Schells Worten sind in allen drei Sparten der Bahn rund 80 Prozent der Lokführer bei der GDL organisiert. Der Wirtschaft warf Schell vor, Horrorszenarien zu verbreiten.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.368,84 | −1,82% |
| Dow Jones | 12.429,30 | −1,20% |
| EUR/USD | 1,2401 | −0,70% |
| Rohöl Brent Crude | 103,45 $ | −3,18% |
| Gold | 1.579,50 $ | 0,00% |
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