16.11.2007 · Nach drei Tagen Streik ist am Wochenende Pause. Ob bald verhandelt wird, ist ungewiss. Sollte die kolportierte Zahl von 15 Millionen Euro in der Streikkasse der GDL stimmen, könnte die Gewerkschaft einen Streik noch bis Februar finanzieren.
Von Kerstin SchwennDer Arbeitskampf der Lokführergewerkschaft GDL hat auch am Freitag zu starken Behinderungen im Schienenverkehr geführt. Während im Westen nach Angaben der Deutschen Bahn rund die Hälfte aller Regionalzüge verkehrte, waren es im Osten Deutschlands nur 20 Prozent. Bei den S-Bahnen in Berlin, Hamburg, München, Frankfurt, Stuttgart sowie Dresden und Halle/Leipzig verkehrten knapp ein Drittel der Züge, in Nordrhein-Westfalen rund 50 Prozent. Im Fernverkehr fuhren rund zwei Drittel der Züge, vor allem ICE. Der Schienengüterverkehr sei weiter deutlich beeinträchtigt, teilte die Bahn mit.
Nach wie vor gebe es eine Grundversorgung in Westdeutschland und nur eine Minimalversorgung in Ostdeutschland mit „versorgungsrelevanten Zügen“. Die Sympathie für die Streikenden in der Bevölkerung sinkt derweil. Nach einer Umfrage des Instituts Allensbach haben nur noch 54 Prozent Verständnis, deutlich weniger als vor zwei Monaten. Die Gewerkschaft will Anfang nächster Woche über weitere Streiks entscheiden.
„Geheimdiplomatie“
Am Freitag blieb ungewiss, ob es am Wochenende zu Gesprächen zwischen Bahn und GDL kommen werde. Von „Geheimdiplomatie“ zwischen den Tarifparteien war die Rede. Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) forderte beide Seiten auf, noch am Wochenende über eine Lösung zu verhandeln. Der „Eiertanz rund um den Verhandlungstisch“ mit wechselseitigen Aufforderungen, Angebote auf den Tisch zu legen, müsse aufhören, sagte er in der ARD.
Basis der Gespräche zwischen Bahnchef Hartmut Mehdorn und GDL-Chef Manfred Schell müsse das Ergebnis der Moderation im August sein. FDP-Verkehrspolitiker Horst Friedrich forderte, da Streit über die Auslegung des Moderationsergebnisses bestehe, sollten Kurt Biedenkopf und Heiner Geißler von ihrer Schweigepflicht entbunden werden.
Der Arbeitskampf hat die GDL nach Schätzungen des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) bisher rund 1 Million Euro gekostet. Allein der derzeitige Ausstand von Mittwoch bis Samstag koste rund 500.000 Euro, sagte der IW-Tarifexperte Hagen Lesch in Köln. Weitere 500.000 Euro seien für die anderen Streikaktionen seit Ende der Friedenspflicht am 30. September zu veranschlagen.
Das IW kalkuliert mit rund 60 Euro Streikgeld je Tag und Lokführer. Die GDL rechnet mit 45 Euro, so käme man auf insgesamt 750.000 Euro. Sollte die kolportierte Zahl von 15 Millionen Euro in der Streikkasse der GDL stimmen, was nach Leschs Ansicht plausibel ist, könnte die GDL einen täglichen Streik noch bis Februar finanzieren.
Wenig Probleme an den Häfen
Trotz des Streiks im Güterverkehr geht der Betrieb in den deutschen Häfen weiter. Eine Sprecherin der Hamburger Hafenbehörde sagte, zwar würden nur etwa halb so viele Güterzüge be- und entladen wie sonst, es gebe aber keine Kapazitätsprobleme. Sie rechne aber mit Auswirkungen auf den Güterumschlag noch mindestens vier bis fünf Tage nach Streikende. Auch in Bremen und Bremerhaven sei der Hafenbetrieb nicht sehr gestört.
| Name | Kurs | Prozent |
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| FAZ-INDEX | 1.368,84 | −1,82% |
| Dow Jones | 12.429,30 | −1,20% |
| EUR/USD | 1,2401 | −0,70% |
| Rohöl Brent Crude | 103,45 $ | −3,18% |
| Gold | 1.579,50 $ | 0,00% |
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