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Bahn-Streik im Güterverkehr Die letzte Chance

08.11.2007 ·  Der Tarifkonflikt eskaliert: Die Lokführer werden 42 Stunden lang den Güterverkehr lahmlegen. Das setzt die Bahn gehörig unter Druck. Mehdorn verfolgt ehrenwerte Ziele, aber vielleicht sind die kleinen Spartengewerkschaften gar nicht so schwer zu integrieren. Heike Göbel kommentiert.

Von Heike Göbel
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Der Tarifkonflikt um die Bahn eskaliert. Die Lokführergewerkschaft nutzt die wiedergewonnenen Spielräume zum Streik aus, um den Güterverkehr auf der Schiene lahmzulegen. Sie setzt darauf, dass die damit verbundenen Schäden für die Wirtschaft die Bahn zu mehr Kompromissbereitschaft zwingen. Bahn-Chef Mehdorn begeht nun schon den zweiten taktischen Fehler.

Weil sein Versuch, den Konflikt viel zu früh mit Hilfe der Gerichte zu lösen, gescheitert ist, sucht er nun den Beistand der Bundeskanzlerin. Doch die ist klug genug, Mehdorn einen Korb zu geben. Denn möglicherweise lag es bislang gerade an den juristisch gebremsten Streikmöglichkeiten der Lokführer, dass der notwendige Einigungsdruck nicht entstanden ist und Kompromisse nicht mit letztem Ernst angestrebt worden sind.

Mehdorn muss abwägen

Das dürfte sich ändern, wenn die Lokführer, weil sie anderer Leute Arbeitsplätze gefährden, um die öffentliche Unterstützung fürchten müssen und wenn Mehdorn merkt, dass er die Suppe allein auslöffeln muss. Bisher haben beide, der Gewerkschaftsführer Schell und Mehdorn, nicht den Eindruck erweckt, sie hielten die Tarifautonomie für ein hohes Gut. Sie haben eine letzte Chance, das Gegenteil unter Beweis zu stellen.

Lokführer streiken im Güterverkehr ab Donnerstag

Mehdorn verfolgt zwei ehrenwerte Ziele: die Kosten der Tarifeinigung für den subventionierten Börsenaspiranten tragbar zu halten und die Tarifeinheit im Betrieb zu wahren. Er sollte abwägen, was wichtiger ist. Ist es wirklich so gefährlich, eine dritte Gewerkschaft mit einem eigenen Tarifvertrag im Unternehmen zu haben und damit vielleicht weiterer Zersplitterung der Gewerkschaften Vorschub zu leisten? Dann muss er eben doch mit viel Geld locken – auf Kosten der Wettbewerbsfähigkeit der Bahn.

Regeln für ein gedeihliches Miteinander

Vielleicht aber sind die kleinen Spartengewerkschaften gar nicht so schwer zu integrieren wie befürchtet. Ein eigenständiger Tarifvertrag könnte durchaus Regeln enthalten, die ein gedeihliches Miteinander auf Dauer ermöglichen. Die Sorge vor dem weiteren Vordringen der Spartengewerkschaften bekämpft man im Übrigen am besten mit mehr Wettbewerb. Je stärker der Konkurrenzdruck, desto größer die Disziplin aller Beteiligten bei den Lohnforderungen. Auch deswegen ist es bedauerlich, dass die Privatisierung der Bahn vor dem Scheitern steht. Hier einzugreifen stünde der Kanzlerin gut an.

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Jahrgang 1959, verantwortliche Redakteurin für Wirtschaftspolitik, zuständig für „Die Ordnung der Wirtschaft“.

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