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Bahn-Gewerkschaften Streit zwischen den Eisenbahnern

03.07.2007 ·  Der Streik der Eisenbahner ist auch ein Streit zwischen Gewerkschaften. Transnet und GDBA stehen der Gewerkschaft Deutscher Lokführer gegenüber. Und dann mischt auch noch der DGB mit.

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Der Streik der Eisenbahner ist auch ein Streit zwischen den Gewerkschaften. Auf der einen Seite stehen die Gewerkschaften Transnet und GDBA, die seit dem 1. August 2005 eine Tarifgemeinschaft bilden und 7 Prozent höhere Löhne für die Beschäftigten durchsetzen wollen. Auf der anderen Seite steht die Gewerkschaft Deutscher Lokführer (GdL), die wie die GDBA zum Deutschen Beamtenbund gehört.

Sie beteiligt sich nicht an der laufenden Tarifrunde, sondern strebt - ähnlich wie der Marburger Bund für die Ärzte oder die Pilotenvereinigung Cockpit für die Flugzeugführer - einen eigenen Spartentarifvertrag für die rund 30 000 Lokführer und Zugbegleiter an. Für einige Lohngruppen hat sie Steigerungen von bis zu 30 Prozent verlangt. Die Bahn will eine einheitliche Vergütungsstruktur im Konzern behalten und lehnt daher bis jetzt Gespräche mit der GdL ab.

Transnet verliert Mitglieder

Transnet ist die sechstgrößte der acht Einzelgewerkschaften, die sich im Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) zusammengeschlossen haben. Ende 2006 organisierte sie noch 248 983 Mitglieder, das war mit einem Minus von 4,2 Prozent der zweitgrößte Rückgang nach der Baugewerkschaft (minus 5,8 Prozent) und lag deutlich über dem DGB-Schnitt von minus 2,8 Prozent. An der Transnet-Spitze steht mit Norbert Hansen ein pragmatischer, reformorientierter Gewerkschaftsführer, der 1999 mit 96,6 Prozent der Stimmen zum Vorsitzenden gewählt und in den Jahren 2000 und 2004 mit 99,4 und 93,1 Prozent bestätigt wurde.

Er besitzt ein Parteibuch der SPD und kann dem rechten Flügel der Sozialdemokraten zugerechnet werden. Sein jugendliches Auftreten hat der hochgewachsene Norddeutsche aus Husum, der am Montag 55 Jahre alt wurde, freilich mit den Jahren verloren. Zuletzt erlitt er im Frühjahr im DGB-Bundesvorstand eine herbe Schlappe, als sich die übrigen Gewerkschaften in einem bis dato einmaligen Vorgang über das Transnet-Votum hinwegsetzten und gegen die Bahn-Privatisierung votierten.

Eine große Verkehrsgewerkschaft?

Ursprünglich hatte Transnet einmal erwogen, an der Fusion der Gewerkschaften ÖTV, HBV, DAG, DPG und IG Medien zur Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft (Verdi) teilzunehmen, nahm dann aber von dem Vorhaben wieder Abstand. Seither bemüht sich Hansen um eine enge Kooperation mit der GDBA. Gerüchte, beide Organisationen wollten zu einer großen Verkehrsgewerkschaft fusionieren, hatten zuletzt innerhalb des DGB für erhebliche Unruhe gesorgt.

Die beiden größten Einzelgewerkschaften IG Metall und Verdi wollen verhindern, dass Transnet ihren Vertretungsanspruch ausweitet. Für den Verkehrssektor fühlen sich beide mindestens ebenso zuständig - Verdi als Nachfolgerin der Gewerkschaft Öffentliche Dienste, Transport und Verkehr, die Bus- und Straßenbahnfahrer, Binnenschiffer, Flughafenpersonal und Flugzeugbesatzungen organisiert, die IG Metall als Vertreterin der in der Produktion beschäftigten Arbeitnehmer, vom Automobil-, Eisenbahn- und Flugzeugbau bis hin zu den Werften.

Kooperation ohne Fusion

Eine Fusion zwischen Transnet und GDBA gilt vorerst aber als ausgeschlossen, weil beide Organisationen unterschiedlichen Dachverbänden angehören. Die Transnet-Mitglieder sind nicht bereit, den DGB zu verlassen, die GDBA hat umgekehrt keinerlei Ambitionen, zum DGB überzulaufen. Damit bleibt eine enge Kooperation - beispielsweise in der Bildungsarbeit oder in der politischen Lobbyarbeit - auf absehbare Zeit die einzige Handlungsoption.

Quelle: F.A.Z., 03.07.2007, Nr. 151 / Seite 12
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