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Axel Weber Scharfe Kritik an IWF-Haltung zu höherer Inflation

25.02.2010 ·  Nachdem der IWF-Chefökonom Olivier Blanchard unverblümt dafür plädiert hat, dass Zentralbanken eine höhere Inflationsrate anstreben sollen, rumort es unter Ökonomen: „Der IWF spielt mit dem Feuer“, schimpft Bundesbank-Präsident Axel Weber.

Von Philip Plickert
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Mit scharfen Worten hat der Präsident der Deutschen Bundesbank, Axel Weber, gegen einen Vorstoß des Internationalen Währungsfonds (IWF) protestiert, der deutlich höhere Inflationsziele von 4 Prozent statt der bislang üblichen 2 Prozent angeregt hatte. „Der IWF spielt mit dem Feuer“, warnte Weber. Der Vorschlag überzeuge ihn inhaltlich nicht. „Von der Form her, das heißt zum jetzigen Zeitpunkt und als Anstoß des IWF für eine breitere Diskussion, halte ich ihn für grob fahrlässig und schädlich“, kritisierte Weber in einem Beitrag für die Zeitung „Financial Times Deutschland“.

Der Chefökonom des IWF, Olivier Blanchard, hatte vor zwei Wochen einen Aufsatz mit dem Titel „Die makroökonomische Politik neu denken“ veröffentlicht (siehe Geldpolitik: Mehr Inflation wagen). Darin legte Blanchard den Notenbanken nahe, höhere Inflationsraten anzustreben, damit sie in schweren Krisen mehr Spielraum hätten, den realen Leitzins (also abzüglich der Inflationsrate) unter null Prozent zu drücken. Weber bestritt, dass die Geldpolitik an der Nullzinsgrenze handlungsunfähig sei. Er verwies dazu auf die „unkonventionellen Maßnahmen“ der Notenbanken, die in der Krise viele hundert Milliarden Euro an Liquidität in das Finanzsystem gepumpt hatten. Durch höhere Inflation könne keine bessere Stabilisierungsfähigkeit der Volkswirtschaften erzielt werden.

„Höhere Inflation richtet weit mehr Schaden an, als sie Nutzen bringt“, betonte Weber. Er erwähnte auch die Sorgen vieler Menschen vor Inflationsgefahren durch die krisenbedingten Defizite und Schulden der Staaten. Die Bürger verlangten von den Notenbanken einen glaubwürdigen Stabilitätskurs. „Gespensterdebatten um ein höheres Inflationsziel“ könnten als „Umkippen“ der Notenbanken interpretiert werden, warnte Weber.

Zuvor hatte Lorenzo Bini Smaghi, Direktoriumsmitglied der Europäischen Zentralbank, ein höheres Inflationsziel als „teuflischen Irrtum“ bezeichnet. Dagegen sind viele Ökonomen aus Frankreich – Blanchard ist wie der IWF-Direktor Dominique Strauss-Kahn Franzose – einem höheren Inflationsziel nicht abgeneigt (siehe Frankreichs Ökonomen sind für mehr Inflation).

Hierzulande überwiegen große Bedenken gegen den Vorschlag. „Offenbar kommen die Ideen der siebziger Jahre wieder, das ist schon extrem spannend“, sagte der Wirtschaftsprofessor Karl-Heinz Paqué von der Universität Magdeburg auf einem Symposion der Herbert-Giersch-Stiftung in Frankfurt.

Sein Kollege Gerhard Schwödiauer erinnerte daran, dass auch der angesehene frühere IWF-Chefökonom Kenneth Rogoff jüngst für eine höhere „kontrollierte Inflation“ von 4 bis 6 Prozent plädiert hat. „Ein starkes Motiv ist derzeit sicherlich, durch Geldentwertung die enorm gewachsenen Staatsschulden abzubauen“, sagte Schwödiauer. „Das ist die Verlockung, die hinter dem Blanchard-Vorschlag steht.“

Der Makroökonom Ansgar Belke von der Universität Duisburg-Essen warnte, es sei gefährlich, „Rettungsaktionen über höhere Inflation zu bezahlen“. Im Euro-Raum könnte es zu großen Spannungen kommen.

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Jahrgang 1979, Redakteur in der Wirtschaft.

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