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Automobilindustrie : Millionen Rückrufe von Autos in Deutschland

  • -Aktualisiert am

Anfällig: In den vergangenen fünf Jahren mussten fast 6,5 Millionen Autos zurückgerufen werden. Bild: Felix Seuffert

Nach F.A.Z.-Informationen hat sich innerhalb von fünf Jahren die Zahl der Auto-Rückrufe verdreifacht. Verkehrspolitiker sind sauer, die Autoindustrie verteidigt sich. Was steckt dahinter?

          Das neue Jahr fängt für einige Autofahrer nicht gut an: Wegen möglicherweise defekter Airbags des Zulieferers Takata müssen Autohersteller viele ihrer Fahrzeuge zurückrufen. Nun zeigt eine detaillierte Aufstellung des Kraftfahrt-Bundesamts (KBA), die der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vorliegt, dass in den vergangenen fünf Jahren fast 6,5 Millionen Fahrzeuge in Deutschland zurückgerufen wurden. Innerhalb von fünf Jahren hat sich die Zahl der Rückrufe verdreifacht. Verkehrspolitiker und Verbraucherschützer kritisieren das heftig.

          „Die Zahl hat eine besorgniserregende Größenordnung erreicht“, sagt Stefan Bratzel, Chef des Centers of Automotive Management an der Wirtschafts-Fachhochschule in Bergisch Gladbach. „Die Autos sind nicht unsicherer geworden, aber anfälliger.“ Das liege an der komplizierten Technik in den Fahrzeugen. Und da diese im Baukastenprinzip gebaut und von internationalen Zulieferern ausgestattet würden, könne ein Fehler Millionen Rückrufe auslösen. Außerdem sei der Wettbewerbsdruck intensiver geworden. „Und der Kostendruck wird auf die Zulieferer ausgeübt“. „Das sorgt für unausgereifte Produkte, wodurch der Konsument zunehmend zum Beta-Tester der Fahrzeuge wird“, pflichtet ihm Herbert Behrens bei, Verkehrspolitiker der Linkspartei.

          Mechanische Mängel sind Hauptursache

          Die Zahl der Rückrufe in Deutschland hat sich vom Jahr 2010 (1.171.212), über 2011 (560.627), 2012 (823.682), 2013 (767.910), 2014 (1.465.160) auf über 1,6 Millionen im Jahr 2015 gesteigert. Die Liste der relevanten Herstellern führt Opel an (rund 1,1 Millionen), vor BMW (860.906), Toyota (668.003) und Mercedes (542.314). Dahinter folgen Volkswagen (410.089), Honda (378.804), Nissan (315.738), Renault (302.336) und Audi (187.307). Die Gründe für die Rückrufe variieren von „Panorama Glasdach kann brechen“ (Audi) bis „Die Beweglichkeit des Gaspedals kann so schwergängig werden, dass es sich nicht mehr selbsttätig zurückstellt und auch in der Vollgasstellung verharren kann“ (Toyota).

          „Rückrufe werden von Herstellern durchgeführt, um Produktmängel zu beseitigen“, sagt Stephan Immen vom KBA. Rückruflisten, die nach Marken aufgeschlüsselt seien, gäben nur die halbe Wahrheit wieder. Wichtig sei auch die Gesamtzahl verkaufter Autos eines Herstellers. Nach Angaben des Amtes treten mit fast 70 Prozent mechanische Mängel nach wie vor am häufigsten in der Statistik auf. Die Elektrik/Elektronik ist in 20 Prozent der Fälle die Ursache des Rückrufs. Durch die zunehmend komplexen Systeme seien auch mechanische oder hydraulische Probleme miteinzubeziehen. Schutzeinrichtungen wie Airbags und Sicherheitsgurte, Bremsanlage sowie Fahrwerk und Karosserie seien häufig Schwachpunkte in der Sicherheit.

          Der verkehrspolitische Sprecher der CDU/CSU-Fraktion, Ulrich Lange, sagt: „Die Praxis zeigt, dass es Rückrufaktionen aus ganz unterschiedlichen Gründen gibt. Zumeist geht es dabei aber um sicherheitsrelevante Bauteile. So aufwendig Rückrufaktionen auch sein mögen, ich sehe darin auch einen Beleg, dass unsere Sicherheitsarchitektur funktioniert.“ Die Autoindustrie verteidigt sich: „Die Qualität der Fahrzeuge deutscher Hersteller und Lieferanten ist nach wie vor erstklassig“, sagt Matthias Wissmann, Präsident des Branchenverbands. „So finden sich im aktuellen TÜV-Report 2016 auf den obersten drei Plätzen ausschließlich Modelle deutscher Premiumhersteller, und das trotz teils sehr hoher Laufleistungen.“ Rückrufaktionen spiegelten die hohe Verantwortlichkeit der Industrie für ihre Kunden auch bei komplexer werdenden Fahrzeugen wider. „Oft handelt es sich dabei um eine Vorsorgemaßnahme und stellt eine Serienstandsverbesserung dar.“

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