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Australische Migrationsforscherin „Die Sprachkenntnisse sind entscheidend am Arbeitsmarkt“

22.08.2010 ·  Anspruchsvolle Sprachkurse, Praktika und ein spezielles Punktesystem machen die Integration in Australien erfolgreich. Lesleyanne Hawthorne von der australischen Universität von Melbourne rät den Deutschen, Perspektiven für Zuwanderer zu schaffen.

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Worin besteht Australiens Erfolgsgeheimnis der Zuwanderungspolitik?

Wir haben unser System kontinuierlich weiterentwickelt. Vor 30 Jahren hatten wir Kanadas Punktemodell übernommen. Mitte der neunziger Jahre war die Arbeitsmarktbilanz gemischt: Nur 60 Prozent der qualifizierten Zuwanderer hatten nach einem halben Jahr einen Job. Wir haben also nicht immer die Leute ins Land geholt, die am Arbeitsmarkt gefragt waren. Deshalb hat die Regierung 1999 das System dahin gehend reformiert, dass Zuwanderer möglichst schnell unabhängig werden und nicht jahrelang auf staatliche Unterstützung angewiesen sein sollen.

Was haben Sie gemacht?

Es waren vor allem vier Punkte: Erstens haben wir die Anforderungen an die Sprachkenntnisse von Migranten erhöht. Zweitens entscheiden nun Fachgremien über die Anerkennung der Qualifikationen von Antragstellern und nicht mehr die Regierung. Früher musste ein Arzt aus China mitunter Jahre auf eine Antwort warten, jetzt geschieht das innerhalb von drei Monaten. Drittens haben wir mit großem Erfolg die Aufenthaltsbedingungen für ausländische Absolventen verbessert. Nach vier Jahren waren schon 50 Prozent aller qualifizierten Migranten ehemalige Studenten. Und die vierte wichtige Veränderung war, dass wir weitere Bonuspunkte für Schlüsselqualifikation vergeben, welche in Australien selten sind.

Video: Deutsche Unternehmen suchen Fachkräfte aus aller Welt

Und das hat geholfen?

Ja, diese Veränderungen waren sehr wirksam. Die Beschäftigungsquote unter Migranten stieg innerhalb von fünf Jahren um 23 Punkte auf 83 Prozent.

Australien steht mit 2 Kindern je Frau im Vergleich zu Deutschland mit 1,4 noch recht gut dar. Warum brauchen Sie überhaupt viele Zuwanderer?

Weil der Bedarf nur mit Einheimischen nicht gedeckt werden kann. Wir holen jedes Jahr allein rund 6500 Mediziner ins Land. Sie sind oft flexibler und vor allem in den ersten Jahren dazu bereit, in abgelegene Gebiete des Landes zu gehen, was viele Australier nicht wollen.

Was hat sich mit Blick auf die Herkunftsländer verändert?

Vor zwanzig Jahren kamen die meisten Leute aus dem englischen Sprachraum und aus Europa. Heute liegen neun der zehn stärksten Herkunftsländer in Asien. Neben China und Indien sind das Nachbarn wie Malaysia, Indonesien und die Philippinen.

Was verändert sich dadurch?

Viele sprechen kaum oder gar nicht Englisch. Wir wissen, dass die Sprachfähigkeiten darüber entscheiden, ob ein qualifizierter Zuwanderer schnell Arbeit findet. Außerdem haben Menschen aus armen Ländern oft technische Defizite, etwa Ingenieure, die noch nie am Computer gearbeitet haben. Arbeitgeber stellen die Leute so nicht ein.

Was tun Sie dagegen?

Neuankömmlinge werden getestet und bei Bedarf wird ein individuelles Lernprogramm erstellt. Eine Krankenschwester bekommt dann erst einmal einen halbjährigen Sprachkurs und später ein Praktikum in einem Krankenhaus, um die Arbeitsweisen zu lernen. Die meisten Programme werden vom Staat vorfinanziert und müssen dann später vom Einkommen zurückbezahlt werden. Die Grundidee ist, dass jeder sich weiterbilden kann. Der Ansatz funktioniert: Vor zwanzig Jahren hatten wir bei den Aufnahmetests für Krankenschwestern unter den Migrantinnen eine Durchfallquote von 89 Prozent. Heute bestehen 88 Prozent den Test.

Was raten Sie Deutschland?

Qualifizierte Arbeitskräfte werden künftig eine Menge Auswahl haben, wenn sie in ein anderes Land gehen wollen. Sie werden sich für das Gesamtpaket entscheiden, dass für sie und ihre Familien die besten Perspektiven bietet. Deshalb darf eine Regierung nicht nur überlegen, wie sie Arbeitskräfte schnell ins Land holt, sondern muss auch passende Integrationsangebote machen. Das fängt bei Sprachkursen an und geht bis zur Frage, nach wie vielen Jahren die Staatsbürgerschaft erlangt werden kann. Und die eigene Bevölkerung muss davon überzeugt werden, dass qualifizierte Zuwanderung ein Gewinn ist.

Das Gespräch führte Sven Astheimer.

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