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Ausbildung 50.000 Jugendliche sind ohne Lehrstelle

11.10.2006 ·  Die schlechteste Lage seit der Wiedervereinigung verzeichnet derzeit der deutsche Lehrstellen- und Ausbildungsmarkt. Trotz des Ausbildungspaktes fehlen rein rechnerisch 34.000 Lehrstellen.

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Die Lage am deutschen Lehrstellen- und Ausbildungsmarkt ist so schlecht wie seit der Wiedervereinigung nicht mehr. Wie die Bundesagentur für Arbeit (BA) am Mittwoch in Nürnberg bekanntgab, waren Ende September fast 50.000 Bewerber noch nicht vermittelt, das sind 9000 Jugendliche oder rund 18 Prozent mehr als vor einem Jahr. Auch die „Lehrstellenlücke“ – die rechnerische Differenz zwischen der Zahl nicht vermittelter Bewerber und offener Stellen – stieg um 6200 auf 34.100.

Heinrich Alt, Vorstandsmitglied der BA, zeigte sich jedoch zuversichtlich, diese Lücke durch Nachvermittlungen in den kommenden Wochen noch zu schließen. Einen Grund zur Entwarnung gebe es allerdings nicht. Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) appellierte an die Partner des Ausbildungspaktes von Politik und Wirtschaft: „Alle Beteiligten müssen ihre Anstrengungen nochmals intensivieren.“ Im vergangenen Jahr konnte die Lücke zwischen Oktober und Januar um 59 Prozent auf 11.500 verkleinert werden.

Zwangsabgaben für Unternehmen gefordert

Scharfe Kritik kam von den Gewerkschaften. Die IG Metall geht davon aus, daß die Daten der Bundesagentur nur die Spitze des Eisbergs sind. „Wir rechnen damit, daß 100.000 Jugendliche in diesem Herbst noch eine Ausbildungsstelle suchen. Sie werden jetzt in unsinnige Warteschleifen abgedrängt“, sagte Vorstandsmitglied Regina Görner. Der stellvertretende Vorsitzende der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi, Frank Werneke, sprach von einem „weiteren verlorenen Jahr für viele Jugendliche“.

Langfristig sei ein konjunkturunabhängiges System zur Schaffung von Ausbildungsplätzen notwendig. Statt des freiwilligen Paktes, dessen Laufzeit Bundesarbeitsminister Franz Müntefering (SPD) und die Partner im Januar um drei Jahre verlängert hat, forderte Werneke erneut eine Zwangsabgabe für Unternehmen, die nicht ausbilden.

Wirtschaftsverbände: Unternehmen haben Ausbildungspakt erfüllt

Im Zeitraum von Oktober 2005 bis September 2006 wurden der Bundesagentur knapp 460.000 Lehrstellen gemeldet, auch hier ein Rückgang um 12.000 gegenüber dem Vorjahr. Vor allem nahm die Zahl der betrieblichen Plätze ab (minus 7700). Gleichzeitig stieg die Zahl der suchenden Jugendlichen gegenüber der Vorperiode um 22.000 auf knapp 763.000, von denen wiederum 94 Prozent erfolgreich vermittelt wurden. Diesen Anstieg führt die Bundesagentur vor allem darauf zurück, daß sich zuletzt mehr Abgänger früherer Jahrgänge („Altbewerber“) an die Berufsberatung gewandt haben. Die Arbeitsmarktreform Hartz IV habe dazu geführt, daß sich diese Personen nun melden müßten, um staatliche Leistungen zu beziehen.

Gestiegen ist nach Angaben der Wirtschaftsverbände die Zahl der abgeschlossenen Ausbildungsverträge von Industrie und Handel um 4 Prozent auf 303.000 und des Handwerks um 1,6 Prozent auf fast 144.000. „Das Engagement aller Partner des Ausbildungspakts schlägt sich in diesem Ergebnis ebenso nieder wie die anziehende Konjunktur“, kommentierte Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt die Zahlen. Die Wirtschaft habe ihre Zusagen für den im Jahr 2004 vereinbarten Ausbildungspakt mit knapp 56.000 neuen Stellen und 33.000 zusätzlich ausbildenden Unternehmen mehr als erfüllt. Zusätzlich wurden fast 30.000 Einstiegsqualifizierungen für Jugendliche (EQJ) geschaffen. Etwas weniger als die Hälfte davon erlangte im Anschluß einen Ausbildungsplatz.

Hundt bemängelt Schulausbildung

Im neuen Ausbildungsjahr wird die Zahl der EQJ-Maßnahmen auf 42.000 erhöht. Schwer vermittelbare Jugendliche sollen durch diese staatlich finanzierten Praktika an Unternehmen herangeführt werden, um im Anschluß gegebenenfalls eine Ausbildung zu erhalten. Die Bundesagentur zahlt jedem Teilnehmer 192 Euro sowie Sozialversicherungsbeiträge von 102 Euro. Die maximale Dauer dieser Maßnahme beträgt ein Jahr.

Hundt bemängelte, daß zu viele Jugendliche die Schule ohne die notwendige Ausbildungsreife verließen. „Hier hat sich eine beträchtliche Bugwelle an Jugendlichen ohne echte Beschäftigungsperspektiven gebildet.“ Leistungsschwächere Jungen und Mädchen müßten bereits in der Schule konsequent auf eine Ausbildung vorbereitet werden. Das Modell der Kooperationsklassen, die Lernen in der Schule mit Praxisphasen im Betrieb verknüpfen, müsse insbesondere an den Hauptschulen flächendeckend eingeführt werden, forderte Hundt.

Heike Maria Kunstmann, Geschäftsführerin des Arbeitgeberverbandes Gesamtmetall, wies darauf hin, daß ein Fünftel der Ausbildungsabgänger „nicht ausbildungsfähig“ sei. Sie forderte deshalb von der Politik, die Förderung zweijähriger, praxisnaher Ausbildungsgänge, etwa zum Maschinen- und Anlageführer, zu stärken. Damit habe die Metall- und Elektroindustrie gute Erfahrungen gemacht.

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