12.11.2008 · Wenn es um Obst und Gemüse geht, war Brüssel in der Vergangenheit sehr penibel. Jetzt aber streicht die Europäische Union detaillierte Auflagen für 26 Sorten. Die Bürger freut's, Landwirte und Händler weniger: Die wollen weiterhin klare Vorgaben.
Von Hendrik Kafsack und Michael StabenowRichtlinien für Lesermeinungen
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Nachdem jetzt auch wieder gesundes, nahrhaftes Obst und Gemüse verkauft werden darf, das nicht den Design-Richtlinien der Bürokraten entspricht, könnte man als nächstes die Straßenverkehrsordnung um von der EU erzwungene Änderungen bereinigen. Ich denke dabei an die Beschränkung der Personen im Fahrzeug, wo bis vor kurzem nur das zulässige Höchstgewicht maßgeblich war. Ein meßbarer Anstieg der Verkehrssicherheit ist durch diese Änderung nämlich nicht zu verzeichnen.
Die Einteilung in Handelsklassen sind voll in Ordnung. Was nicht in Ordnung ist, ist, wenn Lebensmittel, die nicht den Handelsklassen entsprechen, überhaupt nicht in den Handel gelangen dürfen, nur weil sie optisch nicht gefallen. Diese Lebensmittel mussten vernichtet werden. Das ist der Skandal dieser Gesetzgebung, daß es eine protektionistische Maßnahme ist zum Schaden der Kunden. Wochenlang haltbare Betontomaten und wässriges, aber normgerecht fettfreies "Fleisch" sind zwei Konsequenzen daraus
Bei Ihnen kommt also noch der Gurkenverkäufer zum Gurkenbauer und sagt (vermutlich beim Verkaufsgespräch im Dorfwirtshaus): "Ein paar gerade Gurken hätte ich gern!" Wir leben allerdings in einem Zeitalter der industrialisierten Landwirtschaft. Die Handelsketten kaufen Gurken in großen Mengen ein und möchten gewisse Qualitätsstandards gewahrt haben. Natürlich kann man individuelle Verträge abschließen, aber wenn Aldi solche, Lidl sone und Edeka wieder andere Gurken fordert, ist das ja wohl sehr viel bürokratischer und aufwendiger als wenn der Staat oder die EU einfach eine Norm für eine ordentliche Gurke festsetzten. Dabei geht es übrigens nicht nur um Krümmung sondern auch um Länge und Dicke. Da Gurken meist zum Stückpreis verkauft werden, würde es sehr wohl in Wühltische ausarten, wenn kleine Kümmerlinge in der gleichen Kiste mit groß gewachsenen Gurken lägen.
Für die Abschaffung der EU-Gurken !
Ich bin statt der Abschaffung der Verordnungen über landwirtschaftliche Produkte im grenzüberschreitenden Handel der Europäischen Union (oder wie das halbwegs political correct ausgedrückt sich auch schimpft) für die Abschaffung der Gurken, die wir in der Europäischen Kommission, dem Europäischen Parlament und sonstigen Gremien sitzen haben. Die EU in ihrer jetztigen Form ist so überflüssig wie ein Kropf und verdient ihren Namen nicht einmal. Zollunion ist ja noch in Ordnung, aber mir wäre es lieber gewesen, wir hätten unsere D-Mark behalten und unsere Normen und Vorschriften, als uns aus Brüssel von diesen Gurken etwas vorschreiben zu lassen. Deswegen: Für die Abschaffung der EU ! Endlich wieder mehr Demokratie!
Kein Supermarkstand verkommt zum Wühltisch wenn der Gurkenverkäufer zum Gurkenbauer sagt: "Ich hätte gerne gerade Gurken." Kommt der mit krummen, dann gibt es kein Geschäft. Voilà... Ich für meinen Teil erwarte von einer Gurke *nicht*, daß sie auf 10 cm Strecke maximal 10 mm gekrümmt ist, das erwarten eher die, die Gurkensalat industriell herstellen... Ich kann per Hand drumherumschälen, eine Maschine eher nicht. Dämmert's? J.T.
Da kann man den Stammtisch-Populisten und ihren Volksvertretern, insbesondere Herrschaften wie Herrn Stoiber, ja nur gratulieren. Erst nutzen Sie Regelungen, die von der nationalen Wirtschaft gefordert und durchgesetzt wurden, als billiges Instrument, um gegen das achso böse Europa zu wettern (der übliche äussere Feind als Ablenkung von hauseigenen Problemen...), und dann schrecken Stoiber & Co. nichtmal davor zurück, sich als Retter der Bürger feiern zu lassen, obwohl sie faktisch hohen wirtschaftlichen Schaden damit verursachen. Gerade der letzte Schritt wird an den Stammtischen eh nicht wahrgenommen werden, weil Herr Stoiber ja schon dafür gesorgt hat, dass das dummgehaltene Volk mit Europa nur noch Negatives verbindet und Positives grundsätzlich ausblendet.
EU konzentriert sich auf Lappalien
Es ist nichts "vermeintlich" an der EU-Regulierwut. Sie ist und bleibt lächerlich. Den internationalen Spott verdient sie weidlich. Im ersten halben Jahrhundert hat sie sich vor allem auf leicht durchführbare Lappalien konzentriert, Verkehrszeichen und Flaschengrößen vereinheitlicht und Briefumschläge normiert. An sich lobenswerte Einrichtungen, doch noch immer fehlt die Vereinheitlichung aller wichtigen Vorkehrungen auf dem Wege zu einem vereinten Europa. Oder hat man diese Idee inzwischen ganz aufgegeben? Die Finanzkrise zeigte erneut, wie hoffnungslos unser Euroland in der Welt dasteht, das zwar einen Zentralbanker, aber mehr als zwanzig Finanzminister besitzt.
Hier hat man also dem Stammtisch nachgegeben und die Gurkenverordnung abgeschafft. Und das, obwohl diejenigen, die es wirklich betrifft (Handel und Produzenten) gut damit leben konnten. Selbst hiesige Politiker waren sich nicht zu schade anhand dieser und anderer Verordnungen die EU der Lächerlichkeit preiszugeben, anstatt mit ruhigen Worten zu erläutern, wozu gewisse Regelungen gut sind. Selbst erfundene Normen, wie die des angeblich festgelegten Krümmungsgrads der Banane, durften fröhliche Urstände feiern. Ich bin gespannt, ob wir zur anstehenden Europawahl eine Rückbesinnung auf die Errungenschaften der EU erleben werden, oder ein weiteres "Europa-Bashing".
Der Normierungswahn hat der E.U. viel an
Akzeptanz genommen. Tausende von Normen, mit tausenden von Ausnahmereglungen - ein Aberwitz. Ich finde die E.U. sollte sich endlich auf ihre originäre Aufgabe kümmern: gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik.
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