Home
http://www.faz.net/-gqe-74c7g
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 13.11.2012, 18:19 Uhr

Aufsichtsräte Brüssel einigt sich auf Frauenquote

EU-Justizkommissarin Reding sichert sich die notwendige Rückendeckung, am Mittwoch wird Brüssel eine Frauenquote für Europas börsennotierte Unternehmen auf den Weg bringen. Bis 2020 sollen Aufsichtsratsposten zu 40 Prozent mit Frauen besetzen sein.

© dpa Der Richtlinienvorschlag würde den Firmen vorschreiben, bis 2020 Aufsichtsratsposten zu 40 Prozent mit Frauen zu besetzen

Nach heftigem internen Streit wird Brüssel am Mittwoch eine Frauenquote für Europas börsennotierte Unternehmen auf den Weg bringen: EU-Justizkommissarin Viviane Reding sicherte sich am Dienstag die notwendige Rückendeckung ihrer Kollegen, wie die Nachrichtenagentur dapd aus Diplomatenkreisen erfuhr.

Ihr Richtlinienvorschlag würde den Firmen vorschreiben, bis 2020 Aufsichtsratsposten zu 40 Prozent mit Frauen zu besetzen - also bei gleicher Qualifikation Bewerberinnen den Vorzug zu geben. Wer sich daran nicht hält, soll mit Geldbußen bestraft werden - oder die Besetzungen sollen annulliert werden. „Der Deal steht“, sagte ein Diplomat.

Mehr zum Thema

Die notwendige Mehrheit im Kreis der 27 Kommissar sei dafür. Erst vor drei Wochen war Reding mit ihrem Vorstoß noch im Kollegium abgeblitzt, gerade bei mehreren Kolleginnen. Um sich die Zustimmung zu sichern kam Reding ihren Kritikern entgegen: So sei die Androhung vom Tisch, auch für Vorstände eine Quote vorzuschreiben, hieß es aus Kommissionskreisen.

Zudem sei der Sanktionskatalog entschärft und präzisiert worden, den die Regierungen anwenden sollen. Außerdem sollen Länder, die schon „effiziente Regelungen“ zur Förderung von Frauen haben, von der Quotenpflicht ausgenommen werden. Damit die Quote EU-Gesetz wird, müsste sie vom EU-Parlament und von den Mitgliedsstaaten angenommen werden.

EU-Justizkommissarin Viviane Reding hat die Rückendeckung der Kollegen © AFP Vergrößern „Geschafft“: EU-Justizkommissarin Viviane Reding hat die Rückendeckung der Kollegen

Während das Parlament hinter Redings Vorstoß steht, regt sich in den Hauptstädten großer Widerstand. Briten und Schweden haben schon eine Gruppe von Quotengegnern um sich geschart. Auch die Bundesregierung ist bisher gegen die gesetzliche Einmischung aus Brüssel - weil sie sich auch intern nicht einigen kann.

Allerdings hatte der Bundesrat Ende September Druck gemacht und für eine Quote in Aufsichtsräten gestimmt, mit dem Ziel, bis 2023 auf einen Frauenanteil von 40 Prozent zu kommen Für Reding gibt es aber keine Alternative zum Gesetz: Alle bisherigen Zusagen oder Selbstverpflichtungen der Unternehmen haben „im Grundsatz gar nichts bewegt“, meint sie.

Wer sich daran nicht hält, soll mit Geldbußen bestraft werden - oder die Besetzungen sollen annullie © dapd Vergrößern 40 Prozent Frauen: Wer sich daran nicht hält, soll mit Geldbußen bestraft werden - oder die Besetzungen sollen annulliert werden

In den letzten zwölf Monaten stieg der Frauenanteil in den Vorständen börsennotierter Unternehmen aller Appelle zum Trotz nur minimal auf 13,5 Prozent, in Deutschland liegt er unter 16 Prozent. Kritiker bemängeln allerdings, eine Quote für Aufsichtsräte habe allenfalls eine symbolische Aussage - weil diese nicht in das operative Geschäft eingreifen.

Quelle: FAZ.NET mit Material von dapd

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Vorstände in Rhein-Main Mehr Frauen rücken in die Chefetagen auf

Eine Bastion ist gefallen: Im Vorstand der Deutschen Bank sind Männer nicht mehr unter sich. Ein Zeichen, dass im Rhein-Main-Gebiet mehr und mehr Frauen auf Führungspositionen vorrücken – wenn auch nur langsam. Mehr Von Manfred Köhler, Frankfurt

05.02.2016, 08:33 Uhr | Rhein-Main
Filmkritik Suffragette Das größte Selbstopfer

Sarah Gavrons Film "Suffragette" zeigt den Kampf der Frauen ums Stimmrecht. Mehr

03.02.2016, 16:33 Uhr | Feuilleton
Wer in Frankfurt Aktien kauft Die Aktionärs-Hochburg am Rande der Stadt

In Zeiten niedriger Zinsen werden Aktien wichtiger denn je. In Frankfurt sind Sparer der Aktie gegenüber aufgeschlossener als andernorts. Wer glaubt, dies sei besonders im Westend so, irrt aber. Mehr Von Thorsten Winter, Frankfurt

30.01.2016, 17:03 Uhr | Rhein-Main
Berlin Politische Konsequenzen nach Kölner Übergriffen

Parteiübergreifend hat der Bundestag am Mittwoch ein schärferes Sexualstrafrecht und einen besseren Schutz von Frauen gefordert. Mehr

13.01.2016, 17:55 Uhr | Politik
Erfolgsrezepte von Jack Ma Junge Leute an die Macht

Er wird als neuer Steve Jobs gefeiert: Der Chinese Jack Ma, Gründer des Internetkonzerns Alibaba. Er hat eine beispiellose Karriere gemacht und sagt: Nicht die Leute mit den Einser-Abschlüssen schaffen es nach oben, sondern die mit den verrücktesten Ideen. Mehr Von Bettina Weiguny

25.01.2016, 06:01 Uhr | Beruf-Chance

Wachstum ohne Schulden

Von Gerald Braunberger

Die Finanzkrise hat die Staaten dazu bewogen, durch höhere Schulden die Weltwirtschaft zu stabilisieren. Dass Wachstum auch ohne Schulden möglich ist, zeigt ein Blick ins Silicon Valley. Mehr 34 7


Die Börse
Name Kurs Änderung
  Dax --  --
  F.A.Z.-Index --  --
  Dow Jones --  --
  Euro in Dollar --  --
  Gold --  --
  Rohöl Brent --  --

Abonnieren Sie den Newsletter „Wirtschaft“

Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden

Grafik des Tages Unser Gold ist etwas weniger wert

Die Bundesbank verwaltet das Gold der Deutschen. Es geht um mehr als 100 Milliarden Euro. Vor vier Jahren war der Wert sogar noch viel größer. Mehr 0