Home
http://www.faz.net/-gqg-74c7g
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER
easyfolio

Aufsichtsräte Brüssel einigt sich auf Frauenquote

EU-Justizkommissarin Reding sichert sich die notwendige Rückendeckung, am Mittwoch wird Brüssel eine Frauenquote für Europas börsennotierte Unternehmen auf den Weg bringen. Bis 2020 sollen Aufsichtsratsposten zu 40 Prozent mit Frauen besetzen sein.

© dpa Vergrößern Der Richtlinienvorschlag würde den Firmen vorschreiben, bis 2020 Aufsichtsratsposten zu 40 Prozent mit Frauen zu besetzen

Nach heftigem internen Streit wird Brüssel am Mittwoch eine Frauenquote für Europas börsennotierte Unternehmen auf den Weg bringen: EU-Justizkommissarin Viviane Reding sicherte sich am Dienstag die notwendige Rückendeckung ihrer Kollegen, wie die Nachrichtenagentur dapd aus Diplomatenkreisen erfuhr.

Ihr Richtlinienvorschlag würde den Firmen vorschreiben, bis 2020 Aufsichtsratsposten zu 40 Prozent mit Frauen zu besetzen - also bei gleicher Qualifikation Bewerberinnen den Vorzug zu geben. Wer sich daran nicht hält, soll mit Geldbußen bestraft werden - oder die Besetzungen sollen annulliert werden. „Der Deal steht“, sagte ein Diplomat.

Mehr zum Thema

Die notwendige Mehrheit im Kreis der 27 Kommissar sei dafür. Erst vor drei Wochen war Reding mit ihrem Vorstoß noch im Kollegium abgeblitzt, gerade bei mehreren Kolleginnen. Um sich die Zustimmung zu sichern kam Reding ihren Kritikern entgegen: So sei die Androhung vom Tisch, auch für Vorstände eine Quote vorzuschreiben, hieß es aus Kommissionskreisen.

Zudem sei der Sanktionskatalog entschärft und präzisiert worden, den die Regierungen anwenden sollen. Außerdem sollen Länder, die schon „effiziente Regelungen“ zur Förderung von Frauen haben, von der Quotenpflicht ausgenommen werden. Damit die Quote EU-Gesetz wird, müsste sie vom EU-Parlament und von den Mitgliedsstaaten angenommen werden.

EU-Justizkommissarin Viviane Reding hat die Rückendeckung der Kollegen © AFP Vergrößern „Geschafft“: EU-Justizkommissarin Viviane Reding hat die Rückendeckung der Kollegen

Während das Parlament hinter Redings Vorstoß steht, regt sich in den Hauptstädten großer Widerstand. Briten und Schweden haben schon eine Gruppe von Quotengegnern um sich geschart. Auch die Bundesregierung ist bisher gegen die gesetzliche Einmischung aus Brüssel - weil sie sich auch intern nicht einigen kann.

Allerdings hatte der Bundesrat Ende September Druck gemacht und für eine Quote in Aufsichtsräten gestimmt, mit dem Ziel, bis 2023 auf einen Frauenanteil von 40 Prozent zu kommen Für Reding gibt es aber keine Alternative zum Gesetz: Alle bisherigen Zusagen oder Selbstverpflichtungen der Unternehmen haben „im Grundsatz gar nichts bewegt“, meint sie.

Wer sich daran nicht hält, soll mit Geldbußen bestraft werden - oder die Besetzungen sollen annullie © dapd Vergrößern 40 Prozent Frauen: Wer sich daran nicht hält, soll mit Geldbußen bestraft werden - oder die Besetzungen sollen annulliert werden

In den letzten zwölf Monaten stieg der Frauenanteil in den Vorständen börsennotierter Unternehmen aller Appelle zum Trotz nur minimal auf 13,5 Prozent, in Deutschland liegt er unter 16 Prozent. Kritiker bemängeln allerdings, eine Quote für Aufsichtsräte habe allenfalls eine symbolische Aussage - weil diese nicht in das operative Geschäft eingreifen.

Quelle: FAZ.NET mit Material von dapd

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Trotz Kritik aus der Union Merkel beharrt auf Frauenquote in Firmen

Kanzlerin Merkel hat Forderungen aus Union zurückgewiesen, die gesetzliche Frauenquote in Aufsichtsräten und Vorständen von Unternehmen zu verschieben: Es ist so beschlossen, und nun wird es auch so gemacht. Mehr

15.10.2014, 15:07 Uhr | Politik
Frauen-Modefirma Comma wächst rasant

Die deutsche Bekleidungsindustrie hat es nicht leicht. Doch in der Provinz, in der Nähe von Würzburg, gibt es ein Unternehmen, das sich erfolgreich gegen den Trend stemmt. Comma gehört zu den am schnellsten wachsenden Modemarken weltweit. Mehr

15.10.2014, 11:58 Uhr | Wirtschaft
Umfrage Mehrheit der Frauen fühlt sich im Job benachteiligt

In einer repräsentativen Umfrage sagen 72 Prozent der deutschen Frauen: Wir müssen uns im Job mehr abstrampeln als die männlichen Kollegen. Die meisten Männer sehen das ganz anders. Mehr

19.10.2014, 10:37 Uhr | Wirtschaft
Pakistan Frauen wagen sich in Männerberufe

Die Frauen in Pakistan trauen sich, aus ihren Schranken auszubrechen. Friedensnobelpreisträgerin Malala Yousafzai hat das gezeigt, indem sie den Taliban die Stirn bot. Im pakistanischen Teil des Himalayas wagen die Frauen sich jetzt auch an Berufe, die eigentlich nur für Männer sind - zum Beispiel als Zimmerleute oder Bergführer. Mehr

23.10.2014, 13:26 Uhr | Gesellschaft
Überarbeitung gewünscht Betriebsräte rebellieren gegen Gesetz zur Frauenquote

Michael Brecht, Gesamtbetriebsratschef des Autoherstellers Daimler, warnt Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel vor den Folgen der Frauenquote. Doch nicht nur Brecht ist für eine Überarbeitung des Gesetzes zur Frauenquote. Mehr Von Dietrich Creutzburg, Berlin

23.10.2014, 18:44 Uhr | Wirtschaft
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 13.11.2012, 18:19 Uhr

Indonesiens unerfahrener Hoffnungsträger

Von Christoph Hein, Singapur

Gerade wurde Indonesiens neuer Präsident Joko Widodo eingeschworen. Die Erwartungen an ihn sind riesig. Aber ist er seinem Amt gewachsen? Mehr


Die Börse
Name Kurs Änderung
  Dax --  --
  F.A.Z.-Index --  --
  Dow Jones --  --
  Euro in Dollar --  --
  Gold --  --
  Rohöl Brent --  --

Grafik des Tages Wie wichtig ist die Raumfahrt für Deutschland?

Dass die Raumfahrernation Amerika viel in die Erforschung des Weltraums investiert, ist keine Überraschung. Aber selbst in Italien, Japan und Frankreich hat die Raumfahrt einen höheren Stellenwert als hierzulande. Mehr 4

Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden