Home
http://www.faz.net/-gqe-76dge
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Atomunglück Frankreich berechnet die Katastrophe

Ein schwerer Atomunfall im Ausmaß der Katastrophe von Fukushima würde Frankreich 430 Milliarden Euro kosten. In verschiedenen Szenarien wurden zwischen 10.000 und 100.000 Flüchtlinge unterstellt.

© dapd Das französische Atomkraftwerk Cattenom

Wenn Frankreich ein Atomunglück im Ausmaß der Katastrophe von Fukushima heimsuchen würde, beliefen sich die Kosten auf rund 430 Milliarden Euro. Dies entspräche fast einem Viertel der jährlichen Wirtschaftsleistung des Landes. Selbst ein Unfall mit geringeren Folgen würde immer noch Schäden in Höhe von etwa 120 Milliarden Euro verursachen. Das ergab eine am Mittwoch im Atomforschungszentrum Cadarache vorgestellte Untersuchung des französischen Instituts für Strahlenschutz und nukleare Sicherheit (IRSN).

Christian Schubert Folgen:

Das Institut untersuchte unter anderem den hypothetischen Fall, dass in einem Reaktor mit einer Leistung von 900 Megawatt eine Kernschmelze stattfände. Es bezog die Auswirkungen auf die Wirtschaft, darunter die Landwirtschaft und Tourismus, mit ein. In verschiedenen Szenarien wurden zwischen 10.000 und 100.000 Flüchtlinge unterstellt. Solche Katastrophen seien aber „sehr unwahrscheinlich“, sagte Patrick Momal, ein Ökonom des IRSN.

Mehr zum Thema

Frankreich will den Anteil der Nuklearenergie an der Stromerzeugung von 75 Prozent auf 50 Prozent senken. Deutschland will von 25 Prozent auf null kommen. „Wir liegen also etwa im gleichen Ausmaß“, sagte Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) am Donnerstag bei einem Treffen mit seiner französischen Amtskollegin Delphine Batho in Paris. Die beiden Länder wollen künftig beim Ausbau der erneuerbaren Energien enger zusammenarbeiten.

Eine seit 2011 bestehende Koordinierungsstelle soll daher zu einem „Deutsch-französischen Büro für Erneuerbare Energien“ mit erweiterten Kompetenzen ausgebaut werden. Frankreich bemüht sich besonders, im Bereich der Windenergie seinen Rückstand gegenüber den Nachbarländern Deutschland und Großbritannien aufzuholen. Bis Ende 2016 soll das Atomkraftwerk Fessenheim an der deutschen Grenze, das die beiden ältesten Reaktoren des Landes enthält, geschlossen werden.

In Kreisen der französischen Atomindustrie gilt dieser Zeitplan als ehrgeizig, Ministerin Batho hält ihn jedoch für realisierbar. Altmaier erinnerte in Paris daran, dass Deutschland in zwei Jahren acht Kernkraftwerke stillgelegt habe. Ihre Klimaziele werde die Bundesregierung dennoch einhalten. Nach eigenen Worten bedauert es Altmaier aus heutiger Sicht jedoch, dass Deutschland den Ausstieg aus der Atomenergie nicht von Anfang an mit seinen europäischen Nachbarn abgestimmt habe.

Quelle: F.A.Z.

 
()
Permalink

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Deutschland und Frankreich Ein neuer Blick auf den Nachbarn

Ob Griechenland oder Haushaltsdisziplin: Die deutsch-französischen Beziehungen galten in den vergangenen Jahren als angeschlagen. Beim Thema Flüchtlinge sprechen Berlin und Paris nun wieder mit einer Stimme. Mehr Von Michaela Wiegel, Paris

01.09.2015, 22:09 Uhr | Politik
Landesweiter Protest Japan nimmt wieder Atomkraftwerk in Betrieb

In Japan geht zum ersten Mal nach der Fukushima-Katastrophe wieder ein Atomkraftwerk in Betrieb. Nach der Katastrophe im März 2011 waren alle Atomkraftwerke im Land schrittweise abgestellt worden. Gegen die Wiederaufnahme des Betriebs gab es landesweiten Protest. Mehr

11.08.2015, 09:59 Uhr | Wirtschaft
Flüchtlingskrise Merkel und Hollande für verbindliche Flüchtlingsquoten

Kanzlerin Merkel und Frankreichs Staatspräsident François Hollande sind sich einig: Sie fordern verbindliche Quoten für die Aufnahme von Flüchtlingen in der EU. Mehr

03.09.2015, 19:26 Uhr | Politik
Flugzeugabsturz Schwierige Suche nach Ursache der Germanwings-Katastrophe

Nach dem Absturz der Germanwings-Maschine in den französischen Alpen suchen Ermittler vor Ort nach Indizien für die Ursache. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), Frankreichs Staatschef François Hollande und der spanische Ministerpräsident Mariano Rajoy kamen zum Ort des Absturzes. Der bereits gefundene Stimmenrekorder wird von Experten in Paris untersucht. Mehr

27.03.2015, 14:19 Uhr | Gesellschaft
Budapest und Berlin streiten Ein Verstoß gegen das europäische Regelwerk?

Budapest schimpft auf Berlin, Berlin auf Budapest. Wer verletzt im Streit über die Flüchtlingswanderungen von Ungarn nach Deutschland die europäischen Regeln? Mehr Von Eckart Lohse, Berlin

04.09.2015, 18:20 Uhr | Politik

Veröffentlicht: 08.02.2013, 07:40 Uhr

Co wie?

Von Gerald Braunberger

Bayer will seine Kunststoffsparte noch in diesem Jahr unter dem Namen „Covestro“ an die Börse bringen. Was hat das Unternehmen für Anleger zu bieten? Mehr 0

Umfrage

Wolfgang Schäuble will das Betreuungsgeld nicht in die Kitas stecken. Was meinen Sie?

Alle Umfragen

Bitte aktivieren Sie ihre Cookies.


Die Börse
Name Kurs Änderung
  Dax --  --
  F.A.Z.-Index --  --
  Dow Jones --  --
  Euro in Dollar --  --
  Gold --  --
  Rohöl Brent --  --
Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden

Grafik des Tages Im Winter wird weniger mit dem LKW transportiert

Immer mehr Lastwagen fahren auf deutschen Straßen. Aber der Güterverkehr unterliegt einer jahreszeitlichen Schwankung. Mehr 0