Home
http://www.faz.net/-gqg-us0m
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Atomkraft Gabriel lehnt längere Laufzeit für Brunsbüttel ab

22.06.2007 ·  Niederlage für Vattenfall: Der Bundesumweltminister hat einen Antrag auf Laufzeitverlängerung des Atomkraftwerks Brunsbüttel abgelehnt. Doch Vattenfall lässt nicht locker. Um Brunsbüttel doch noch am Netz zu halten, hat der Konzern noch einen zweiten Trumpf in der Tasche.

Artikel Bilder (1) Lesermeinungen (0)

Die großen Energiekonzerne beißen bei Bundesumweltminister Sigmar Gabriel mit ihren Anträgen auf eine längere Laufzeit für Atomkraftwerke auf Granit. Nach RWE beim Reaktor Biblis A scheiterte auch Vattenfall Europe am Freitag mit einem Ersuchen auf längere Laufzeit für das Akw Brunsbüttel. In beiden Fällen sollte die Lebensdauer der Kraftwerke durch eine Übertragung von einem Stromkontingent des stillgelegten Reaktors Mülheim-Kärlich verlängert werden. Beide Unternehmen haben aber jeweils einen weiteren Antrag für eine Übertragung von einem moderneren Reaktor auf die älteren Kraftwerke gestellt. Darüber ist noch nicht entschieden.

Nach dem auch in der Regierung umstrittenen Atom-Ausstiegsbeschluss muss das letzte deutsche Atomkraftwerk um das Jahr 2020 vom Netz. Den Kraftwerken wurden so genannte Reststrommengen zugeteilt. Die deutschen Versorger versuchen nun mit den Anträgen, die Abschaltung älterer Reaktoren in dieser Wahlperiode zu verhindern. In der Branche wird darauf spekuliert, dass im Falle eines stärkeren Gewichts der Union nach einem möglichen Regierungswechsel der Ausstiegsbeschluss geändert werden könnte.

Vier Wochen für eine Stellungnahme

Das Umweltministerium erklärte, man gebe Vattenfall nun vier Wochen Zeit, Stellung zu nehmen. Danach werde unter Berücksichtigung der Reaktion des Unternehmens der endgültige Bescheid erlassen. Vattenfall erklärte, man halte an dem Antrag fest. Eine Ablehnung sei aus Sicht des Konzerns rechtswidrig. Dieser Auffassung seien auch Wirtschaftsministerium und Kanzleramt. Bleibe die Ablehnung bestehen, werde man dagegen klagen, kündigte ein Sprecher an.

Das Kraftwerk Brunsbüttel müsste regulär 2009 vom Netz. Mit dem Antrag sollte die Laufzeit bis Ende 2011 verlängert werden. Der Reaktor stand bereits häufiger wegen Störfällen in der Kritik. Der Konzern hatte seinen Antrag mit dem Klimaschutz begründet. Atomkraftwerke stoßen kein Treibhausgas Kohlendioxid aus. Mit längeren Laufzeiten könne man Zeit gewinnen, um für Kohleanlagen eine CO2-freie Technologie zu entwickeln, wurde argumentiert.

Letzter Trumpf Krümmel

Nach dem zweiten Vattenfall-Antrag sollen nun Strommengen vom moderneren Reaktor Krümmel auf Brunsbüttel übertragen werden. Damit könnte das Kraftwerk ebenfalls bis Ende 2011 am Netz bleiben. Krümmel müsste so statt 2016 dann Mitte 2014 abgeschaltet werden. Da das Kraftwerk je zur Hälfte Vattenfall und Eon gehört, habe man sich mit dem Partner vorher verständigt, hatte Vattenfall erklärt. Über die Konditionen wollte sich das Unternehmen nicht äußern.

Neben RWE und Vattenfall will auch EnBW sein Kraftwerk Neckarwestheim länger laufen lassen. Für eine theoretisch mögliche Strommengenübertragung von jüngeren auf ältere Kraftwerke brauchen die Unternehmen die Einwilligung des Umweltressorts.

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen

Barrosos Verantwortung

Von Werner Mussler, Brüssel

Die EU-Kommission schaut den EU-Staaten auf die Finger: Sind ihre Haushalte in Ordnung? Wie sie diese Kontrolle ausübt, wird sich in der Politik entscheiden - abhängig davon, ob sich der französische Weg oder der deutsche Weg zur Krisenbekämpfung durchsetzt. Mehr 2 4

30.05.2012 17:45 Uhr
  Vortag
Dax 6.280,80 −1,81%
 OK
NameKursProzent
FAZ-INDEX 1.368,84 −1,82%
Dow Jones 12.442,20 −1,10%
EUR/USD 1,2406 −0,66%
Rohöl Brent Crude 103,44 $ −3,19%
Gold 1.579,50 $ 0,00%
Umfrage

Anonym bewerben? Ist das gut?

Alle Umfragen

Bitte aktivieren Sie ihre Cookies.