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Atomenergie Südkorea will weiter Atomkraftwerke bauen

Südkorea möchte trotz der Katastrophe in Japan das Geschäft mit der Atomenergie ankurbeln. Es soll der lukrativste Markt nach Autos, Halbleitern und Schiffen werden. Dabei geht es auch um die Minderung von Abhängigkeiten.

© dpa Vergrößern Für Südkorea die Technologie der Zukunft: In Busan wird an einem neuen Atomkraftwerk gebaut

Südkorea hält trotz der Katastrophe im 1500 Kilometer entfernten japanischen Atomkraftwerk Fukushima an seinem ehrgeizigen Atomprogramm fest. Das Land bleibe ohne Einschränkung auf seinem Atomkurs, hat der zuständige Minister für Bildung und Wirtschaft, Choi Joong-kyung, immer wieder bekräftigt. Die Ereignisse in Japan würden den Standpunkt Südkoreas zur Atomenergie in keiner Weise beeinflussen. Im Gegenteil: Bis 2030 will Südkorea zu einem der größten Exporteure von Atomtechnik in der Welt werden. Fast jedes dritte in der Welt gebaute Atomkraftwerk soll dann „made in South Korea“ sein.

Südkorea ist ein technikgläubiges Land. Erst Anfang 2010 beschloss die Regierung, bis 2024 insgesamt 14 neue Atomkraftwerke bauen zu lassen. 33,2 Billionen Won (22 Milliarden Euro) Investitionen sind dafür eingeplant. Derzeit verfügt das Nachbarland Japans bereits über 20 Atomkraftwerke mit einer Kapazität von 18,4 Gigawatt. Bis 2024 soll sich diese Kapazität nahezu verdoppeln auf 35,9 Gigawatt. Bis 2030 wird nach dem Nuklearprogramm der Regierung, das 2010 beschlossen worden ist, der Anteil der Atomkraft an der Stromerzeugung von derzeit 31,4 auf rund 59 Prozent steigen. Das Land mit einer rasant wachsenden Industrie und damit ebenso rasant steigendem Energieverbrauch will damit seine Abhängigkeit vom Öl mindern.

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Doch ganz hat auch die südkoreanische Regierung nicht ignorieren können, dass sich nach Fukushima neue Fragen an die Sicherheit der Atomenergie stellen. Staatspräsident Lee Myung-bak hat deswegen angeordnet, dass alle vor 1980 gebauten Atomreaktoren des Landes einem Sicherheitstest unterzogen werden.

Atomenergie als wichtige Exportbranche

Für Südkoreas Regierung und Wirtschaft geht es nicht nur um die heimische Atompolitik. Choi Kyung-hwan, der Minister, der die Atomkraft fördern und gleichzeitig kontrollieren soll, hat es vor der Katastrophe in Japan deutlich gesagt: „Das Geschäft mit der Atomenergie wird der lukrativste Markt nach dem Markt für Autos, Halbleiter und Schiffe.“ Südkorea werde Atomtechnik deswegen zu einer weiteren wichtigen Exportbranche machen. Bei Autos ist die Industrie des Landes schon stark, beim Schiffbau und bei der Halbleiterproduktion ist sie führend in der Welt, bei Atomenergie will sie es werden. Die Regierung hat die Erreichung dieses Ziels durch staatliche Industrieförderung vorangetrieben. Bereits 2009 lag das Land weltweit auf Rang sechs der installierten Atomkraftwerkskapazitäten nach Amerika, Frankreich, Japan, Russland und Deutschland. Noch in den 70er und 80er Jahren waren es ausländische Firmen, die in Südkorea Atomkraftwerke errichteten.

Heute hat das Land ein technisches Knowhow, dass mehr als 90 Prozent eines Atomkraftwerks in Südkorea produziert werden können. Atomkraftwerke in dem Land werden von der Korea Hydro and Nuclear Power betrieben. Die Planung liegt in den Händen der Korea Electric Power Corporation (KEPCO). Die Brennstoffversorgung sichert Korea Nuclear Fuel, und die Reaktoren werden von Doosan Heavy Industries geliefert. Für den Bau verfügt das Land über mehrere größere Unternehmen, die Kenntnisse und Kapazitäten dafür haben.

Atomkraft gegen Rohstoffe

„Die Koreaner bieten alles aus einer Hand an“, erklärte ein Marktbeobachter. Das macht Atomkraftwerke für potentielle Kunden preiswert, und sie können zudem schnell gebaut werden. Die staatlichen und privaten Akteure, die unter Aufsicht des Erziehungs- und Wirtschaftsministeriums eng zusammenarbeiten, sind die treibenden Akteure der südkoreanischen Atomstrategie. Ihr Ziel, das vom Ministerium Anfang 2010 vorgegeben wurde: Bis 2030 sollen 80 Atomkraftwerke im Wert von umgerechnet rund 400 Milliarden amerikanischen Dollar im Ausland gebaut werden. Finanzschwache Länder sollen südkoreanische Atomkraftwerke im Tausch gegen Rohstofflieferungen für die südkoreanische Industrie erhalten.

Den ersten Großauftrag hat Südkorea Ende 2009 aus den Vereinigten Arabischen Emiraten erhalten. Dort bauen die südkoreanischen Unternehmen vier Atomkraftwerke für knapp 19 Milliarden Dollar. Wie wichtig dieser Auftrag für das Land ist, lässt sich daraus ersehen, dass Staatspräsident Lee Myung-bak wenige Tage nach der Katastrophe in Fukushima selbst den Grundstein für die neuen Kraftwerke legte. Im Gegenzug sicherte sich Südkorea, das stark von Erdöllieferungen aus Arabien abhängig ist, den Zugriff auf Ölvorkommen. Unternehmen des Landes bekamen die Zugriffsrechte auf drei noch nicht entwickelte Ölfelder.

Quelle: F.A.Z.

 
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