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Atomenergie Ökonomen fordern längere Laufzeiten für Kernkraftwerke

28.12.2008 ·  Führende Wirtschaftsforschungsinstitute fordern Korrekturen am geplanten Atomausstieg - allen voran Ifo-Präsident Sinn. Auch die anderen Institute sehen Vorteile im „Ausstieg aus dem Ausstieg“. Allerdings müssten Sicherheitsaspekte beachtet und die Präferenzen der Gesellschaft respektiert werden.

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Führende Wirtschaftsforschungsinstitute fordern Korrekturen am geplanten Atomausstieg. Der Präsident des Münchner Ifo-Instituts, Hans-Werner Sinn, kritisierte am Sonntag in einem Interview mit der Nachrichtenagentur DDP, der Ausstieg schade sowohl der Wirtschaft als auch den Verbrauchern über höhere Strompreise. Auch der Präsident des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung (RWI) in Essen, Christoph M. Schmidt, mahnte längere Laufzeiten von Kernkraftwerken an.

Der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Klaus Zimmermann, sagte: „Nach Beherrschung der Finanzkrise wird die Energieknappheit wieder unsere größte Herausforderung darstellen.“ Es erscheine deshalb sinnvoll, „den Ausstieg deutlich hinauszuzögern“. Dies diene auch dem Umweltschutz, weil damit eher auf umweltschädliche Energieproduktion verzichtet werden könne.

Straubhaar: Sicherheitsaspekte sollten an erster Stelle stehen

Der Direktor des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstituts (HWWI), Thomas Straubhaar, betonte hingegen: „Bezogen auf bestehende Atomkraftwerke sollten zunächst Sicherheitsaspekte und dann Wirtschaftlichkeitsaspekte Berücksichtigung finden.“ Atomkraftwerke, die nicht mehr sicher seien, müssten abgeschaltet werden. Ansonsten sollte man „die bestehenden Atomkraftwerke aus Wirtschaftlichkeitsgründen so lange laufen lassen, wie sie die Sicherheitsvorschriften erfüllen“.

Sinn warnte: „Wir sind als Industriestaat auf billige Energie angewiesen.“ Deutschland benötige deshalb dringend neue Atomkraftwerke mit modernen Sicherheitsstandards für die Stromversorgung.

Schmidt betonte: „Einen Großteil der bestehenden Kernkraftwerke über die geplante Laufzeit hinweg weiter zu betreiben, wäre unter allen Aspekten des energiepolitischen Zieldreiecks wünschenswert - aus Gründen der Wirtschaftlichkeit, zur Senkung des Treibhausgasausstoßes und unter dem Gesichtspunkt der Versorgungssicherheit.“ Mit dem bisher geplanten Abschalten könne kein Problem gelöst werden. Der RWI-Präsident fügte hinzu: „Atomstrom würde dann wohl aus Frankreich und Tschechien importiert, von den damit verbundenen Risiken wären die Bundesbürger unverändert betroffen.“

Blum: Kein Konsens in der Gesellschaft

Der Präsident des Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH), Ulrich Blum, bezeichnete zwar den geplanten Atomausstieg als nicht sinnvoll. Er fügte aber hinzu: „Wenn in der Bevölkerung kein Konsens darüber besteht, wie mit der Atomenergie umzugehen ist, besonders auch wie eine sichere Endlagerung erfolgen soll, dann wird die Atomenergie keine Entlastung ermöglichen.“ Man müsse den Menschen jedoch „deutlich sagen, dass der Ausstieg auch zulasten von Arbeitsplätzen geht“.

Blum betonte, die Wettbewerbsfähigkeit beispielsweise gegenüber den osteuropäischen Staaten sowie Frankreich und England werde verringert. Dies sei „der Preis, der dann bewusst gezahlt werden muss“. Blum fügte hinzu: „Hier ist nichts zu beschönigen!“

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