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Atomenergie Kernkraftbetreiber rufen nach Laufzeitverlängerung

29.09.2009 ·  Den Stromkonzernen winken Milliardengewinne, wenn die neue Regierung Laufzeitverlängerungen für Kernkraftwerke beschließt. Deshalb werden die Forderungen von RWE und Eon nun immer lauter. Die Kernkraftbetreiber wollen den Atomausstieg zurückdrehen - zumindest ein Stück weit.

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Die deutschen Energiekonzerne konfronieren Union und FDP mit Forderungen hinsichtlich der Laufzeitverlängerungen von Kernkraftwerken. Die Kernkraftbetreiber wollen die Parteien möglichst schnell auf ihre Wahlversprechen festnageln. „RWE vertraut darauf, dass die Union und die FDP ihre Wahlversprechen einhalten und die Weichen für Laufzeitverlängerungen von Kernkraftwerken stellen“, stellte RWE klar.

Am grundsätzlichen Bekenntnis zum ertragreichen Atomstrom hatte RWE-Chef Jürgen Großmann wie seine Kollegen von Eon, ENBW und Vattenfall schon vor der Wahl keinen Zweifel gelassen. „Wir setzen uns mit Nachdruck für eine Verlängerung der Laufzeiten für Kernkraftwerke ein“, lautet Großmanns Kernaussage. Verlängerung will der RWE-Lenker für alle Kernkraftwerke, auch für die vom Aus bedrohten Altmeiler Biblis A und B. „Wann immer die neue Regierung es will, werden wir in Gespräche eintreten, unter welchen Umständen alle Kernkraftwerke ihren Beitrag zur Energieversorgung leisten“, betonte Großmann.

Für den Fall einer Verlängerung der Laufzeiten hat Großmann zudem angekündigt, einen Teil der möglichen Gewinne auch in erneuerbare Energie investieren. Wenn dadurch Mehrwert generiert werde, werde dieser auch geteilt, sagte Großmann am Dienstag im ARD-Morgenmagazin: „Damit kann man viele andere Dinge tun. Auch die Leitungen bauen, um die Windkraft von Norden nach Süden zu bauen.“ Auf eine genaue Aufteilung von schätzungsweise sechs Milliarden Euro aus hochgerechneten Atomkraft-Gewinnen wollte sich der Vorstandsvorsitzende des zweitgrößten deutschen Energiekonzerns aber nicht festlegen.

Merkel bleibt unkonkret

Branchen-Primus Eon forderte von der neuen Regierung eine „Energiepolitik aus einem Guss“, „möglichst unideologisch“, ließ der Konzern verlauten. Dabei müsse auch die Rolle der Kernenergie als Brückentechnologie neu bewertet werden, hieß es in der Düsseldorfer Zentrale. Betreiber Vattenfall wollte sich erst einmal nicht zur Laufzeitverlängerung äußern. Der schwedische Konzern bekennt sich allerdings klar zur Atomenergie. ENWB in Baden-Württemberg blieb moderat. „Wir sind gesprächsbereit“, kam das Signal aus Karlsruhe. Dort ist aber Eile geboten. Nach bisheriger Ausstiegsvereinbarung müsste bis Frühjahr 2010 Block I in Neckarwestheim abgeschaltet werden.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat sich bislang wenig konkret geäußert. Die Union werde sich mit der FDP über das Thema unterhalten. Grundsätzlich will sie aber an der im Regierungsprogramm festgeschriebenen Linie festhalten. Das heißt: längere Laufzeiten sicherer Kernkraftwerke. Was mit Reaktoren wie Krümmel passieren wird, ist offen. Die Union hatte im Wahlkampf geäußert, mit einer möglichen Laufzeitenverlängerung der Atomkraftwerke Zeit für Forschung und Entwicklung gewinnen zu wollen, bis klimaneutrale Energien in ausreichender Menge und zu günstigen Preisen zur Verfügung stehen. Die Atomkraft sei dabei jedoch lediglich eine Brückentechnologie.

Es geht um viel Geld

Für die Konzerne geht es um viel Geld. Einer nichtöffentlichen Studie der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) zufolge könnten die deutschen Atomstrom-Konzerne durch eine Laufzeitverlängerung dreistellige Milliardengewinne erwirtschaften. Wie Anfang Juli die „Berliner Zeitung“ berichtete, würden Eon, RWE und EnBW Zusatzerlöse von mehr als 200 Milliarden Euro erzielen, falls ihre Atomkraftwerke 25 Jahre länger laufen dürften und die Strompreise steigen.

Der schrittweise Ausstieg aus der Atomenergie bis 2022 war im Jahr 2000 von der rot-grünen Bundesregierung mit der Stromindustrie vereinbart worden. Seitdem gab es unterschiedliche Vorstöße. So hatten die Betreiber bereits versucht, Laufzeiten zwischen den Meilern hin und her zu schieben. Noch schwieriger sind Neubauten in Deutschland. Neue Meiler, so hatte Merkel vor der Wahl gesagt, seien kein Thema.

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