30.08.2010 · Im Streit über den wirtschaftlichen Nutzen deutlich längerer Atomlaufzeiten kommen Wirtschaftsminister Brüderle (FDP) und Umweltminister Röttgen (CDU) zu unterschiedlichen Interpretationen von Rechenmodellen für die künftige Energieversorgung.
Die Bundesregierung streitet über den wirtschaftlichen Nutzen deutlich längerer Atomlaufzeiten. Bei der Vorlage von Rechenmodellen für die künftige Energieversorgung haben Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) und Umweltminister Norbert Röttgen (CDU) jedoch unterschiedliche Schlüsse gezogen.
Brüderle sagte am Montag in Berlin, der größte volkswirtschaftliche Nutzen ergebe sich aus Laufzeitverlängerungen zwischen 12 und 20 Jahren. Bis 2030 könnte es so beim Strompreis zu Einsparungen von acht Milliarden Euro kommen. Die Kernkraft sei weiter nötig, um den Ausbau der erneuerbaren Energien und die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft sicherzustellen. Bei 20 Jahre längeren Laufzeiten würde der Anteil von CO2-freiem Strom bis auf 75 Prozent steigen, sagte Brüderle.
Röttgen: Keine Aussagen zum Nutzen
Röttgen betonte, dass das Gutachten keine Aussagen zu den gesamtwirtschaftlichen Nutzen einer Laufzeitverlängerung mache. Vielmehr zeige die Expertise, dass die verschiedenen Längen der Laufzeiten für die Zeit bis 2050 nur minimale Veränderungen bei den Zielen der Bundesregierung wie Strompreis, Versorgungssicherheit und Klimaschutzzielen ergäben. So läge der dämpfende Effekt beim Strompreis selbst bei 28 längeren Atomlaufzeiten bis zum Jahr 2040 nur bei 1,8 Cent. Röttgen ist aber nicht grundsätzlich gegen längere Betriebszeiten für die Meiler. Er möchte mit einer mäßigen Verlängerung Zeit für den Ausbau der Stromnetze gewinnen, vor allem um den Windstrom von den Küsten abzutransportieren.
Die politische Diskussion dürfe nicht auf die Kernkraft verengt werden. Viel wichtiger für den Klimaschutz seien zum Beispiel eine höhere Energieeffizienz bei Gebäuden und Verkehr. So könnten in 40 Jahren bis zu 50 Prozent Energie eingespart werden, sagte Röttgen.
Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte sich am Sonntagabend in der ARD für 10 bis 15 Jahre längere Laufzeiten ausgesprochen. „10 bis 15 Jahre ist vernünftig“, sagte die Kanzlerin, bezogen auf die „fachliche“ Einschätzung der Gutachter (siehe Merkel spricht sich für längere Laufzeiten aus). Regierungssprecher Steffen Seibert stellte am Montag in Berlin klar, dass die CDU-Chefin diese Spanne zwar genannt, sie aber nur fachlich begründet und noch nicht politisch festgezurrt habe. „Die Kanzlerin hat gestern nicht geurteilt: 10 bis 15 Jahre“, sagte Seibert. Die Opposition kündigte Widerstand an.
Das Gutachten ist eine Grundlage für die Entscheidung der Bundesregierung über die Dauer der Laufzeitenverlängerung, die für Ende September angekündigt ist.
Bemerkenswert,....
Christian Ermecke (ChristianErmecke)
- 30.08.2010, 20:18 Uhr
Unter den Top Ten der KKW weltweit waren 8 deutsche vertreten
Hans-Ulrich Pietz (Ulrich2310)
- 30.08.2010, 21:06 Uhr
@ Christian Sperling; Das von Ihnen benannte Gutachten war unnötig
Thomas Heinzow (Oekooekonom)
- 02.09.2010, 21:55 Uhr
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