22.01.2010 · Der in diesem Jahr auslaufende Vertrag von Peter Sawicki, Chef des Arzneimittel-Prüfinstituts IQWiG, nimmt nach Auslaufen seines Vertrags seinen Hut. Sawicki stolpert über eine Dienstwagenaffäre. Doch die Opposition wittert eine Gefälligkeit gegenüber der Pharmaindustrie.
Von Andreas MihmDie Würfel sind gefallen. Der Chef des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), Peter Sawicki, nimmt nach Auslaufen seines Vertrages seinen Hut. Deutschlands oberster Pharmakontrolleur bestätigte an diesem Freitag: „Ich höre zum 31. August auf.“ Dies sei das Ergebnis einer Vorstandssitzung der Institutsstiftung gewesen. Er hätte gerne weitergemacht, sagte Sawicki.
Grund für sein Ausscheiden ist der von Sawicki in Auftrag gegebene Prüfbericht der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft BDO, in dem ihm Fehlverhalten bei der Nutzung von Dienstwagen, Abrechnungen und Flügen vorgehalten wird, auch wenn die durch Kontrollmängel relativiert werden (Dienstwagenaffäre belastet Arzneimittelprüfer).
Zu einer politischen Angelegenheit geworden
Die banale Frage, ob der befristete Vertrag des Institutsdirektors verlängert wird oder nicht, war bereits vor der Sitzung zu einer hoch politischen Angelegenheit geworden. Kollateralschäden für die Regierung, vor allem für Gesundheitsminister Philipp Rösler (FDP), der sich öffentlich in der Sache bedeckt hält, sind nicht ausgeschlossen. Die schwarz-gelbe Koalition hat sich vorgenommen, das IQWiG zu reformieren, dessen Arbeit „auch unter dem Gesichtspunkt stringenter, transparenter Verfahren (zu) überprüfen und damit die Akzeptanz von Entscheidungen für Patienten, Leistungserbringer und Hersteller (zu) verbessern“. So steht es im Koalitionsvertrag.
Dahinter stehen unterschiedliche Interessen, auch die der Pharmaindustrie, der die ganze Richtung der Institutsarbeit nicht passt. Denn die Studien über den Nutzen und künftig auch Nutzen-Kosten-Relationen von Pillen, Pasten und Therapien kosten sie schon heute viele Umsatz-Millionen. Nur - jeder Nachfolger Sawickis wird die Unabhängigkeit des Instituts ebenfalls auch und gerade im Widerstreit mit der Pharmaindustrie bekräftigen wollen.
Sawicki hat sich durch seine im Wortsinn radikale Art und polarisierende Sprache als ausgewiesener Pharmakritiker viele Freunde gemacht. Dass er darüber hinaus zu gesundheitspolitischen Fragen Stellung nahm, hat Ministerin Ulla Schmidt (SPD) zuweilen verwundert. Doch mit der Autorität des unabhängigen Institutsdirektors sprach er auch aus, was Schmidt und Kassenvertreter vielleicht dachten, aber nicht so laut sagen konnten. Andererseits stand Sawicki von Anfang an in der Kritik von Fachärzten und Selbsthilfegruppen. Sie fürchten, Innovationen könnten zu spät beim Patienten ankommen. Auf Ablehnung renommierter Gesundheitsökonomen stießen auch seine ersten methodischen Überlegungen, wie der Nutzen von Arzneimitteln zu bewerten sei.
Die Opposition wittert eine Gefälligkeit gegenüber der Pharmaindustrie
Die Opposition wittert in der Ablösung Sawickis eine Gefälligkeit gegenüber der Pharmaindustrie. Dabei war erst in der Vorwoche bekanntgeworden, dass Minister Rösler den Vizechef der Privaten Krankenversicherung zu seinem Abteilungsleiter für Grundsatzfragen macht. Der Vorwurf der Klientelpolitik steht im Raum.
Sawicki selbst leistet dem Vorschub. In Kenntnis des 74 Seiten dicken BDO-Berichtes („Vor diesem Hintergrund kann im Hinblick auf den Zeitablauf und die Schwere des Verstoßes eine bestehende Möglichkeit zur Vornahme arbeitsrechtlicher Maßnahmen nicht ausgeschlossen werden“) streitet er Fehler ab: „Das ist alles konstruiert, und nichts davon ist wahr. Ich denke, dass man einen Vorwand sucht, um eine Änderung der Institutsleitung zu bewirken.“ Selbstzweifel hat der 52 Jahre alte Internist, Diabetologe und Chefarzt selten erkennen lassen. Sein Ego mag ihm zuweilen im Weg gestanden haben, nicht zuletzt bei der freihändigen Vergabe von Aufträgen, die sein Vorstand schon vor zwei Jahren gerügt hatte.
| Name | Kurs | Prozent |
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| FAZ-INDEX | 1.368,84 | −1,82% |
| Dow Jones | 12.439,50 | −1,12% |
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| Rohöl Brent Crude | 103,49 $ | −3,14% |
| Gold | 1.579,50 $ | 0,00% |
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