http://www.faz.net/-gqe-773a1
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 21.02.2013, 10:42 Uhr

Armutseinwanderung Dortmund rechnet mit Millionenkosten für Roma

Unterbringung, Impfung, Schule: Die Armutszuwanderung belastet Kommunen mit Kosten in Millionenhöhe. Ab 2014 könnte sich die Situation weiter verschärfen.

von
© Röth, Frank Roma in der Dortmunder Nordstadt

Dortmunds Sozialdezernentin Birgit Zoerner warnt vor Problemen durch eine Armutswanderung aus Rumänien und Bulgarien. Sie sieht hohe Kosten auf die Kommunen zukommen. „Das Thema gesundheitliche Vorsorge wirft in allen Städten große Probleme auf“, sagte Zoerner, die die Arbeitsgruppe des Städtetages „Zuwanderung von Menschen aus Rumänien und Bulgarien“ leitet. Neben Dortmund gelten als Schwerpunkte der Einwanderung von meist Roma aus Osteuropa Berlin, München und Hamburg sowie Frankfurt, Duisburg oder Mannheim. Für die Kommunen fallen etwa Kosten für Notunterkünfte an; Mannheim rechnet langfristig für die Unterbringung mit Mehrkosten von 7 Millionen Euro im Jahr.

Jan Hauser Folgen:

Bulgarien und Rumänien gehören seit 2007 zur Europäischen Union. Im Jahr 2006 lebten in Dortmund 573 Bulgaren. Schon 2007 verdreifachte sich die Zahl auf 1600 gemeldete Personen. Seitdem ist die Zuwanderung aus Bulgarien und Rumänien nach Deutschland stark angestiegen; nur aus Polen kommen mehr. Im März 2011 lebten etwa 2500 Bulgaren in Dortmund. Im Jahr 2011 kam ein Sechstel der aus Bulgarien zugewanderten Menschen aus Plowdiw. Ein großer Teil dieser Zugewanderten stammten dort aus dem Stadtteil Stolipinowo, einer der größten Roma-Siedlungen der Region mit Zehntausenden Einwohnern.

Infografik / Starke Zuwanderung aus Süd- und Osteuropa © F.A.Z. Bilderstrecke 

Die Roma, die in ihren Herkunftsländern teils in prekärer Armut und diskriminiert leben, verfügen selten über ausreichend Mittel, um ihren Lebensunterhalt selbst zu bestreiten, wie es vorgesehen ist. „Der sprunghaft angestiegene Zuzug aus Südosteuropa führte in einigen Quartieren zu sichtbaren Problemkonstellationen, die als solche in den Nachbarschaften wahrgenommen wurden und zu Unsicherheit und Unbehagen der lange dort wohnenden Bevölkerung führten“, heißt es in einem Papier der Stadt Dortmund. Dies wiege umso schwerer, als die Zuwanderer zum größten Teil in den Quartieren mit ohnehin hoher Arbeitslosen- und Sozialleistungsquote leben.

Die Stadt Dortmund rechnet damit, dass die Kosten für die Armutswanderung deutlich steigen, wenn von 2014 an die volle Arbeitnehmerfreizügigkeit für Bulgaren und Rumänen gilt. Die Höhe der anfallenden Kosten ist schwer vorherzusehen, da sie stark vom tatsächlichen Bedarf abhängig ist. Sie dürfte jedoch in Millionenhöhe liegen. Das Sozialdezernat kalkuliert mit Kosten von mehr als 1 Million Euro nach dem Asylbewerberleistungsgesetz für je 100 Personen im Jahr. Hilfen zur Gesundheit würden 700 000 Euro je 100 Fälle im Jahr bedeuten. Kinder aus Südosteuropa seien erfahrungsgemäß schlecht vorgefördert, schreibt das Dezernat und rechnet mit 470 000 Euro für Frühförderung je 100 Fälle sowie 1,1 Millionen Euro Integrationshilfe je 100 Fälle.

Mehr zum Thema

Im Jahr 2011 fielen Hilfen zur Gesundheit aus übergeordneten Gründen in zwei Einzelfällen mit 130 000 Euro und Impfkosten mit 50 000 Euro an. Eine Methadonsubstitution für fünf Personen kostete etwa 10 000 Euro. Am höchsten fielen Kosten von etwa 1 Million Euro für die Inobhutnahmen von 45 Kinder an. Die Wohnsituation sei oft so prekär, dass Kinder in Obhut genommen werden müssten, heißt es. Langfristig erwartet die Stadt für Inobhutnahmen Kosten von 2,2 Millionen Euro je 100 Fälle sowie zusätzliche Personalkosten von mindestens zwei Stellen. Für Sprachkurse für Mütter seien 4000 Euro vorgesehen.

Durch mehr Zuwanderer steigen auch die Schülerzahlen, wie es Dortmund besonders in den Vorbereitungsklassen der Grund- und Hauptschulen beobachtet. Die Betreuung der Klassen könne noch in den vorhandenen Räumen stattfinden. Auch werde durch rückgängige Schülerzahlen genügend Schulraum erwartet. Durch zusätzliche Vorbereitungsklassen würden indes Kosten für Heizung und Lernmaterialien zulegen. Falls zusätzliche Lehrer, die im Jahr etwa 65 000 Euro erhalten, gebraucht werden, fällt dies in den Landeshaushalt.

Quelle: F.A.Z.

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Fahrpreise RMV kündigt Preiserhöhung ab 2017 an

Bald soll in Frankfurt eine Einzelfahrt mit Bus und Bahn zehn Cent mehr kosten. Der RMV hat eine Preiserhöhung für 2017 angekündigt. Auch in anderen Städten werden die Tickets teurer. Mehr

16.06.2016, 15:54 Uhr | Rhein-Main
Frankreich - Rumänien 2:1 Alle Tore im Video

Giroud erzielt ein umstrittenes Tor für Frankreich, Stancu gleicht für Rumänien aus elf Metern aus. Und dann hat Payet seinen großen Auftritt. Sehen Sie alle Höhepunkte des ersten EM-Spiels im Video. Mehr

11.06.2016, 17:38 Uhr | Sport
Arbeitsmarktpolitik Verheerende Bilanz für Mindestlohnausnahmen

Um Langzeitarbeitslose wieder in den Arbeitsmarkt zu integrieren, dürfen sie eine Zeit lang vom gesetzlichen Mindestlohn ausgeschlossen werden. Doch offenbar bringt die Regelung vor allem erhebliche Kosten. Mehr

24.06.2016, 01:35 Uhr | Wirtschaft
Neue Verkehrsmittel im Test Bus als Tunnel in China

Staus wegen öffentlicher Verkehrsmittel soll es in China mit diesem Gefährt in Zukunft nicht mehr geben. Eine Mischung aus Bus und U-Bahn soll für freie Fahrt sorgen. Der Projektmanager Bai Zhiming schwärmt. Das Fahrzeug kann bis zu 1200 Fahrgäste transportieren. Aber das beste ist, dass es so günstig ist. Es kostet nur ein Fünftel von dem, was ein U-Bahn-Bau kosten würde. Und es dauert nur ein Fünftel der Zeit. Man kann es in einem Jahr installieren. Mehr

28.05.2016, 17:11 Uhr | Gesellschaft
Energiewende Behörde bremst Windradausbau

So schnell wie möglich will die Landesregierung Windvorranggebiete ausweisen. Doch jetzt sind hausgemachte Schwierigkeiten aufgetaucht. Mehr Von Mechthild Harting, Rhein-Main

17.06.2016, 08:26 Uhr | Rhein-Main

Ein Urteil über die EU

Von Holger Steltzner

Manche werden den Briten mit ihren Sonderwünschen keine Träne nachweinen. Aber klar ist: Die EU kann nicht weitermachen wie immer. Sie hat berechtigte Reformwünsche zu lange ignoriert. Der Brexit ist die Quittung. Mehr 121 454


Märkte nach dem „Brexit“
Name Kurs Änderung
  Dax --  --
  F.A.Z.-Index --  --
  Euro in Dollar --  --
  FTSE 100 --  --
  Pfund in Euro --  --
  Pfund in Dollar --  --
  Gold --  --

„World Wealth Report“ So viele Millionäre leben in Deutschland

Weltweit hat das Vermögen der Millionäre im vorigen Jahr um vier Prozent auf 58,7 Billionen Dollar zugelegt. Deutschland ist dabei unter den vier Ländern mit den meisten Millionären – und hatte überdurchschnittliche Zuwächse. Mehr Von Christian Siedenbiedel 80 50

Abonnieren Sie den Newsletter „Wirtschaft“


Die Börse
Name Kurs Änderung
  Dax --  --
  F.A.Z.-Index --  --
  Dow Jones --  --
  Euro in Dollar --  --
  Gold --  --
  Rohöl Brent --  --