Home
http://www.faz.net/-gqe-72xjv
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Armuts- und Reichtumsbericht Die Deutschen werden immer reicher

Mag auch das Einkommen der Deutschen nicht mehr steigen, das Vermögen wächst. In den vergangenen 20 Jahren hat es sich mehr als verdoppelt. Aktuelle Zahlen zur Ungleichheit hat die Bundesregierung aber nicht - über die Wirkungen der Finanzkrise kann sie wenig sagen.

© dpa

Die Deutschen insgesamt werden immer reicher. Das private Nettovermögen hat sich von Anfang 1992 bis Anfang 2012 mehr als verdoppelt, berichtet die „Süddeutsche Zeitung“ unter Berufung auf den Entwurf des Arbeitsministeriums für den vierten Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung: und zwar von knapp 4,6 Billionen auf rund zehn Billionen Euro. Zugleich sei das Nettovermögen
des Staates um 800 Milliarden Euro zurückgegangen.

Auch nach der Finanzkrise haben sich die Vermögen der Deutschen gut erholt. Zwischen 2007 und 2012 hat das private Nettovermögen - dazu gehören etwa Immobilien, Bauland, Geldanlagen oder Ansprüche aus Betriebsrenten - den Angaben zufolge um 1,4 Billionen Euro zugelegt.

Mehr zum Thema

Zahlen zur Ungleichheit gibt es in dem Bericht auch. Sie können allerdings nicht die Auswirkungen der Finanzkrise widerspiegeln, denn sie stammen aus dem Jahr 2008 - und die Finanzkrise erreichte erst im September jenen Jahres ihren Höhepunkt, als die Bank Lehman Brothers in die Insolvenz ging. Viele Folgen traten erst im nächsten Jahr ein.

Den vermögensstärksten zehn Prozent der Haushalte gehört demnach mehr als die Hälfte des gesamten Nettovermögens. Der Anteil des obersten Zehntels sei dabei „im Zeitverlauf immer weiter gestiegen“. 1998 belief er sich laut den amtlichen Zahlen auf 45 Prozent, 2008 befand sich in den Händen dieser Gruppe der reichsten Haushalte bereits mehr als 53 Prozent des Nettogesamtvermögens. Die untere Hälfte der Haushalte verfüge über nur gut ein Prozent des gesamten Nettovermögens, heißt es in dem Bericht weiter.

Infografik / Privatvermögen © dpa Vergrößern Mehr für die Reichen: die Entwicklung der Vermögensverteilung bis 2008.

Der Abstand zwischen West- und Ostdeutschland verringerte sich den Angaben zufolge. Dennoch bleibe ein Unterschied. Westdeutsche Haushalte hätten aber im Schnitt ein Immobilien- und Geldvermögen von etwa 132.000 Euro, bei den ostdeutschen seien es 55.000 Euro. Große Unterschiede gebe es auch in der Einkommmensentwicklung. Im „oberen Bereich“ sei sie „positiv steigend“ gewesen. Die unteren 40 Prozent der Vollzeitbeschäftigten hätten jedoch nach Abzug der Inflation Verluste hinnehmen müssen. „Eine solche Einkommensentwicklung verletzt das Gerechtigkeitsempfinden der Bevölkerung“, heißt es dazu.

Der Bericht verteidigt dennoch den Anstieg der sogenannten atypischen Beschäftigung. Teilzeit- und Minijobs, Leiharbeit oder befristete Stellen seien nicht zu Lasten der Normalarbeitsverhältnisse gegangen. Das Bundesarbeitsministerium fügt aber kritisch hinzu: „Stundenlöhne, die bei Vollzeit zur Sicherung des Lebensunterhalts eines Alleinstehenden nicht ausreichen, verschärfen Armutsrisiken und schwächen den sozialen Zusammenhalt.“

Quelle: FAZ.net / AFP

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Einkommen Europa wächst auseinander

Die Einkommen in Europa haben sich während der Krise weiter auseinander entwickelt. Welche Rolle spielt die lockere Geldpolitik dabei? Mehr Von Johannes Pennekamp

22.06.2015, 18:25 Uhr | Wirtschaft
Geldpolitik EZB startet eine Billion Euro schweres Kaufprogramm

Mit einem eine Billion Euro schwerem Kaufprogramm will EZB-Präsident Mario Draghi der Konjunktur in der Euro-Zone auf die Sprünge helfen und die Inflation wieder in Richtung der angepeilten Zielmarke von knapp zwei Prozent hieven. Mehr

06.03.2015, 17:06 Uhr | Wirtschaft
Verluste in Milliardenhöhe Athen treibt Hedgefondsmanager in den Wahnsinn

Hedgefondsmanager sind für ihre teils riskanten Anlagen berüchtigt. Draufgänger haben sogar auf Griechenland gesetzt – etwa 10 Milliarden. Ihr Geld sehen sie wohl nie wieder. Mehr Von Norbert Kuls, New York

29.06.2015, 20:02 Uhr | Finanzen
Von Beruf Baummaklerin Auf der Suche nach dem perfekten Baum

Makler gibt es nicht nur für Immobilien. Katharina von Ehren ist Baummaklerin. In Deutschland ist der Beruf selten: Baummakler sorgen dafür, dass Landschaftsarchitekten genau den Baum bekommen, den sie suchen - der kann bis zu 40.000 Euro kosten. Mehr

03.07.2015, 09:43 Uhr | Stil
Jeb Bush Zerknirschter Steuerzahler

Mit der Veröffentlichung von insgesamt 33 Steuererklärung setzt Jeb Bush Maßstäbe in Sachen Transparenz. Dabei kam raus: Der Republikaner meint es gut mit dem Fiskus. Nur beim Spenden war er weniger großzügig. Mehr Von Andreas Ross, Washington

01.07.2015, 22:24 Uhr | Politik
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 18.09.2012, 09:09 Uhr

Maut-Schaden

Von Manfred Schäfers

Die Freude des Verkehrsministers über das Maut-Gesetz währte nur kurz. Tatsächlich rollt nun das Geld, dummerweise in die falsche Richtung: aus dem Verkehrsetat, statt hinein. Mehr 31 21


Die Börse
Name Kurs Änderung
  Dax --  --
  F.A.Z.-Index --  --
  Dow Jones --  --
  Euro in Dollar --  --
  Gold --  --
  Rohöl Brent --  --
Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden

Grafik des Tages Der Zuckerkonsum wächst

Die Weltbevölkerung wird in den kommenden Jahren mehr Zucker konsumieren. Vor allem in Entwicklungsländern wird ein starkes Wachstum erwartet. Mehr 2