http://www.faz.net/-gqg-77gnd

Verteilung von Vermögen : Notenbanker zögern Bericht über Ungleichheit hinaus

  • -Aktualisiert am

Wann ist wer arm und wer ist wann reich? Bild: dapd

Eine Umfrage zu Vermögenswerten zeigt: Bürger in Krisenstaaten sind im Mittel reicher als in Deutschland. Grund dafür ist die starke Ungleichverteilung in der Bundesrepublik. Statistiker versuchen die Unterschiede zu relativieren.

          Die Auseinandersetzungen um den deutschen Armutsbericht könnten bald eine Fortsetzung auf europäischer Bühne erleben. Vom Jahr 2006 an fragten die Euronotenbanken viele tausend Privathaushalte nach ihrem Geldvermögen, dem Wert ihrer Autos und Immobilien sowie nach der Verschuldung. Die Notenbanker wissen jetzt, wie reich oder arm die Menschen im Währungsraum sind. Die Daten liegen längst vor, in einigen Ländern - etwa in Italien, Spanien und Österreich - sind sie auch schon veröffentlicht. Nachzügler ist die Bundesbank, die ihren Bericht in einigen Wochen vorstellen will. Frühestens im April wird die Zusammenfassung der Europäischen Zentralbank für alle 17 Euroländer folgen.

          Doch bis dahin behandeln die Statistiker die Ergebnisse wie ein Geheimnis. „Politisch zu brisant“, entschuldigen sich einige Notenbanker hinter vorgehaltener Hand. Zwei Ergebnisse gelten als heikel: zum einen die besonders deutliche Ungleichverteilung der Vermögen in Ländern wie Deutschland und Österreich. Zum anderen - und das dürfte aus Sicht der Notenbank der empfindlichere Punkt sein - belegen die Studien, dass die Vermögen in einigen Krisenländern größer sind als in einigen finanzstarken Ländern. Das ist zwar aus früheren Untersuchungen bekannt, in der Gesamtschau könnte die Beobachtung jedoch politisch brisant sein. Denn angesichts der großen Vermögen in finanzschwachen Defizitländern wie Italien könnte die Kritik an der von finanzstarken Ländern wie Deutschland getragenen Haftungsübernahme zunehmen.

          Starke Ungleichverteilung privater Vermögen

          Der Medianwert der privaten Vermögen betrug etwa in Italien im Jahr 2010 rund 164.000 Euro. Die ärmere Hälfte der Italiener liegt darunter, die reichere darüber. Die neuesten Daten über den deutschen Medianwert veröffentlicht die Bundesbank erst in einigen Wochen, er dürfte aber eher auf dem österreichischen Niveau von 76.000 Euro liegen. In Österreich beträgt das arithmetische Mittel 265.000 Euro. Die große Abweichung zwischen Medianwert und Durchschnittswert zeugt von der starken Ungleichverteilung der privaten Vermögen, weshalb in einigen Ländern auch nur der Medianwert veröffentlicht wird.

          Die Statistiker der Notenbanken versuchen, die großen Unterschiede zwischen den einzelnen Ländern zu relativieren. Sie seien nicht alleine damit zu erklären, dass in einigen Ländern relativ weniger Steuern gezahlt werden, wodurch die Staatsverschuldung höher und die Geldvermögen der Gläubiger größer sind. Die Vermögen der privaten Haushalte seien überall dort besonders hoch, wo privater Besitz an Häusern und Wohnungen überwiege. Wo das nicht der Fall sei, seien viele Wohnungen im Besitz der öffentlichen Hand. Dann seien zwar die privaten Vermögen geringer, dafür könnten viele Bürger aber relativ günstig Sozialwohnungen mieten.

          In der Slowakei zum Beispiel seien die meisten Wohnungen in den neunziger Jahren zu sehr geringen Werten privatisiert worden. Dadurch hätten viele Bürger schnell Vermögen aufgebaut. Hätte die Slowakei auf die Privatisierung verzichtet, erläutert ein Statistiker, dann wäre zwar der durchschnittliche Vermögenswert der privaten Haushalte geringer, das Immobilienvermögen der Gesellschaft insgesamt aber nicht wesentlich anders.

          Weitere Themen

          Merkel eröffnet Luftfahrtmesse Video-Seite öffnen

          Bereit zum Abheben : Merkel eröffnet Luftfahrtmesse

          Aussteller aus 41 Ländern zeigen Neuheiten aus Luft- und Raumfahrt. Etwa eine Woche gibt es auf der ILA jetzt Kampfjets, Hubschrauber und Flugzeuge zu sehen. Die Messe ist aber nicht nur eine Innovationsschau, sondern soll auch Kooperationen dienen.

          Die Liebesfalle für Trinh Xuan Thanh

          Lange geplante Entführung : Die Liebesfalle für Trinh Xuan Thanh

          In Berlin steht ein Mann vor Gericht, der in die Verschleppung des vietnamesischen Funktionärs verwickelt sein soll. Immer mehr Einzelheiten kommen nun ans Licht – doch viele Fragen sind noch ungeklärt.

          Starker Aufschwung der deutschen Wirtschaft Video-Seite öffnen

          Peter Altmaier : Starker Aufschwung der deutschen Wirtschaft

          Die deutsche Konjunktur bleibt weiter schwungvoll! Bundeswirtschaftsminister Altmaier zeigt sich hinsichtlich der wirtschaftlichen Lage Deutschlands positiv, doch die internationale Handelspolitik bereite ihm Sorgen.

          Topmeldungen

          Die Zentrale des Bamf in Nürnberg.

          Korruption und Manipulation : Der Asylskandal am Bamf weitet sich aus

          Die ehemalige Leiterin der Bremer Außenstelle des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge soll zahllose Asylbescheide manipuliert haben. Nun stellt sich heraus: Die Beamtin stand schon deutlich früher unter Verdacht als bisher bekannt.

          Berlin trägt Kippa : Angriff auf Israel-Kundgebung

          Eigentlich sollte es ein Solidaritätstag gegen Antisemitismus werden. Doch in Berlin gab es auch einen Zwischenfall auf eine kleine proisraelische Kundgebung. Sie musste schnell abgebrochen werden.

          Söders Spiel mit den Bildern : Im Angesicht des Kreuzes

          Markus Söder weiß, wie man sich in Szene setzt: Dass er für das Aufhängen eines Kreuzes in der bayerischen Staatskanzlei vor allem Kritik, Hohn und Spott erntet, nimmt der Ministerpräsident in Kauf.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.