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Veröffentlicht: 20.01.2013, 11:12 Uhr

Steigende Immobilienpreise Der neue Häuserkampf

Mieten in Berlin, Hamburg & Co. steigen rasant. Wohnungen sind das Ziel von Spekulanten. Der Kampf zwischen Mietern und Investoren ist eröffnet. Wird Wohnen unerschwinglich?

von und , Hamburg/Berlin
© Thomas Raupach Wohnungssuche in Berlin

Baustadtrat Jens-Holger Kirchner hat den Häuserkampf in Pankow schon halb gewonnen. Im beliebtesten und dynamischsten Bezirk Berlins entscheidet sich die neue soziale Frage ab sofort im Bad. 380.000 Einwohner hat Pankow, jährlich werden es 5000 mehr. An der Südspitze thront das Szenequartier Prenzlauer Berg voller Schwaben und Zweitbäder. Beides gilt es im Restbezirk zu verhindern.

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Der Grüne Kirchner findet: Zweitbäder sind Luxus. Also auf den Index damit: Seit zwei Wochen ist vielerorts im Bezirk Immobilienbesitzern der Einbau eines zweiten Badezimmers in Mietwohnungen verboten. Fußbodenheizung, Balkone, große Terrassen: verboten. Innenkamine, separate Autostellplätze: verboten. „Alles Dinge“, sagt Kirchner, „die die Mietpreise in die Höhe treiben.“ Gentrifizierung - in Pankow soll damit nun Schluss sein. Das Viertel unterliegt dem Milieuschutz. Pankow ist „Erhaltungsgebiet“.

Erhalten ist eigentlich das falsche Wort. Gestoppt werden soll das, worüber dieser Tage sich die ganze Republik erregt: der „Mietenwahnsinn“. Der Preis fürs Wohnen steigt und steigt. Um 28 Prozent stieg der Preis bei Neuvermietungen in den vergangenen fünf Jahren in Berlin. In Hamburg um 23 Prozent, 17 Prozent in Frankfurt und 16 in München.

Bäderstreit in Berlin, Häuserkampf in Hamburg: Es wird ungemütlich auf dem Immobilienmarkt für alle Seiten. Mieter stehen gegen Vermieter, Alteingesessene gegen neue Investoren. Die Mieter wollen in den tollen Städten wohnen. Die Immobilienanleger wollen genau dort kaufen - das lässt die Preise steigen wie verrückt. Eigentumswohnungen in Berlin sind heute 73 Prozent teurer als vor fünf Jahren. In München müssen Wohnungskäufer das Wunschobjekt mit sechsstelligen Beträgen reservieren - bevor der Grundriss vom Gebäude überhaupt steht. Die Investoren wollen ihr Geld natürlich wieder hereinholen - und setzen auf höhere Mieten. Das wiederum erzürnt die Mieter, die sich sorgen: Kann ich mir meine Wohnung in Berlin-Pankow oder dem Frankfurter Nordend demnächst noch leisten? Oder wird die Miete dort bald unbezahlbar?

Längst erreicht der neue Häuserkampf die Politik. Zum Beispiel in Pankow. Vermieter, die dort ihr Geld wieder hereinholen wollen, indem sie kleine Wohnungen zusammenlegen, aufwendig modernisieren und nach der Neuvermietung die Miete hochsetzen, können das nun vergessen. Das Verbot der Luxussanierung hindert sie daran. Es soll dafür sorgen, dass alteingesessene Kiezbewohner nicht den Yuppies weichen müssen, weil nur noch Spitzenverdiener den Kiez bezahlen können. Zum Beispiel in Frankfurt. Dort will der neue Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) hohe Mieten per Dekret verbieten und lässt, mit gutem Beispiel vorangehend, schon mal seine Dienstvilla abreißen.

Und vielleicht bald in ganz Deutschland. Vor eineinhalb Wochen kündigte SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück an, er wolle bundesweit die Mietpreise bei Neuvermietungen und Bestandsmieten deckeln. Ein Spitzen-Wahlkampfthema in diesen Zeiten.

Es sind ja nicht nur die hohen Mieten. Die könnte mancher noch zahlen, ist ihr Anteil am Einkommen doch in deutschen Städten geringer als in London und New York. Doch der Markt ist leergefegt. Und so treten sich bei den verbliebenen wenigen Besichtigungen die Massen im Hausflur auf die Füße, in der Hand Kontoauszug und Bares, als kleine Aufmerksamkeit für den Makler.

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