Wer arm ist, bleibt auch arm: Das ist der Tenor, der in den vergangenen Tagen aus vielen Äußerungen zu sozialer Ungleichheit spricht. Zuletzt hat an diesem Dienstag die Nationale Armutskonferenz, ein Zusammenschluss aus Kirchen, Sozialverbänden und dem Deutschen Gewerkschaftsbund, bemängelt, dass sich Armut in Deutschland verfestige. Was ist da dran?
Die Anteil der von Armut betroffenen Menschen an der gesamten Bevölkerung sei während der vergangenen Jahre zwar nicht gestiegen. Doch allein dass er zwischen 14 und 16 Prozent verharre (umgerechnet sind das rund 12 Millionen Menschen), sei ein „Skandal“, sagte NAK-Sprecherin Michaela Hofmann.
„Die Armen werden ärmer“: Das stimmt höchstens bedingt
Sicher ist: Die einfache These „Die Reichen werden immer reicher, die Armen immer ärmer“ stimmt höchstens bedingt. Zuletzt hatte das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung errechnet, dass sich die Einkommen armer und reicher Deutscher seit 2005 im Durchschnitt wieder annähern - vor allem, weil es immer weniger Arbeitslose gibt.
Das gilt, obwohl mit sinkender Arbeitslosigkeit die Armutsschwelle steigt. Denn als armutsgefährdet gilt ein Mensch meistens dann, wenn er netto weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens (Median) zur Verfügung hat. Dabei werden unterschiedliche Haushaltsgrößen berücksichtigt. Ein Single war in Deutschland im Jahr 2010 beispielsweise arm, wenn er im Monat weniger als 952 Euro zur Verfügung hatte.
Problem: Nicht jeder findet eine Stelle
Doch am Arbeitsmarkt bleibt ein Problem. Mancher ist von der Wirtschaftsentwicklung schlicht abgekoppelt. Zwar ist die Arbeitslosenquote in Deutschland während der vergangenen Jahre merklich zurückgegangenen. In vielen Branchen herrscht mittlerweile eher ein Mangel an Fachkräften. Gerade unqualifizierten Arbeitslosen - die überdurchschnittlich häufig von Armut betroffen sind - fällt es aber nach wie vor schwer, eine Stelle zu finden.
Der Chef der Bundesagentur für Arbeit, Frank-Jürgen Weise, sagte neulich im Interview mit dieser Zeitung, dass selbst bei „bester Konjunktur’’ einige Menschen Hilfe brauchen werden, einen Arbeitsplatz zu bekommen. Weise verwies dabei darauf, dass die Zeitarbeit als Ausweg aus der Langzeitarbeitslosigkeit zunehmend versperrt ist, nachdem verschiedene Branchen im November Zuschläge für Zeitarbeit eingeführt haben.
Ähnliches ergibt sich aus dem Blick auf die Mittelschicht
Ähnliche Zeichen zeigt auch der Blick auf die Mittelschicht, die verschiedenen Berechnungen zufolge im langjährigen Trend geschrumpft ist und sich zuletzt stabilisiert. Dass die Mittelschicht so lange geschrumpft ist, liegt offenbar nicht daran, dass Angehörige der Mittelschicht ärmer werden. Sondern daran, dass immer wenige arme Menschen den Aufstieg in die Mittelschicht schaffen - das ist das Fazit einer Studie, die die Bertelsmann-Stiftung jüngst veröffentlicht hat.
„Die historische Entwicklung hin zur Mittelschichtgesellschaft resultierte aus einem kontinuierlichen Aufstiegsstrom aus den unteren Schichten“, heißt es in der Studie: „Diese Dynamik absoluter Aufwärtsmobilität scheint trotz anhaltender Bildungsexpansion deutlich erlahmt zu sein.“ Das ist für sich genommen schlecht. Gut wiederum ist, dass offenbar auch die andere Richtung zwischen beiden Schichten verstopft ist, also nicht viele Menschen aus der Mitte in die Armut abstürzen: „Die Dramatisierung von Abstiegsprozessen aus der Mitte in bittere Armut lässt sich in der Tat empirisch widerlegen“, schreiben die Bertelsmann-Autoren. Demgegenüber gelingt es Menschen in materiell mittleren Verhältnissen demnach weiterhin regelmäßig, in höhere Einkommensklassen aufzusteigen.
Studenten durchweg arm???
Jens Zimmermann (JeZi63)
- 20.12.2012, 23:04 Uhr
Instrumentalisierung der Armut
Ely Quas (elyq1)
- 19.12.2012, 19:30 Uhr
Spätwirkung der Kohlschen Politik
thomas pritzl (gaitox)
- 19.12.2012, 14:30 Uhr
Solange die Untergrenze der Mittelschicht quasi die Armutsgrenze ist und
nicht an die
Otto Meier (DerQuerulant)
- 19.12.2012, 12:43 Uhr
Es gibt Betroffenheits-„Sänger“…
Erwin Stahlberg (Nundenn)
- 19.12.2012, 09:00 Uhr