http://www.faz.net/-gqg-789k0
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 09.04.2013, 17:37 Uhr

EZB-Umfrage Deutsche sind die Ärmsten im Euroraum

Das Nettovermögen der Masse der deutschen Haushalte ist nach Daten der Europäischen Zentralbank niedriger als in jedem anderen Euroland. Das Medianvermögen beträgt hierzulande 51.400 Euro – in Zypern 266.900 Euro.

von
© F.A.Z. Vermögensverteilung im Euroraum

Das ist eines der Ergebnisse einer mit Spannung erwarteten Umfrage der Euro-Notenbanken zu Armut und Reichtum in ihren Ländern. Das Median-Vermögen - eine Hälfte der Haushalte hat mehr, die andere weniger - beträgt im Euroraum rund 109.000 Euro, wobei die Daten für Irland und Estland noch nicht vorliegen. Hierzulande hat die Masse der Haushalte jedoch nicht einmal halb so viel. Das Median-Vermögen beträgt in Deutschland 51.400 Euro.

Angesichts der vielen Milliarden Euro an Stabilisierungshilfen für Länder wie Griechenland, Portugal und Zypern bergen solche Zahlen einigen politischen Sprengstoff. Das sei auch ein Grund, warum die EZB die Veröffentlichung der Daten so lange hinausgezögert habe, bis das Stabilisierungsprogramm für Zypern beschlossen wurde, heißt es in Notenbankkreisen. Zumal die Zyprer mit einem Netto-Median-Vermögen - also unter Einbeziehung von Gütern wie Schmuck und Autos und nach Abzug von Schulden - von 266.900 Euro je Haushalt zu den reichsten Europäern zählen. Die EZB begründet die relativ späte Veröffentlichung am Dienstag dagegen damit, dass die letzten Daten erst Anfang März eingetroffen seien und für die Studie noch einige statistische Arbeiten erforderlich gewesen seien.

Befragt wurden 62.000 Haushalte

Tatsächlich ist der Aufwand für die Studie immens. Befragt wurden 62.000 Haushalte, jeder im Durchschnitt etwa ein Stunde lang. Dabei gaben die Teilnehmer unter anderem Auskunft über ihr Einkommen, die Aufteilung ihres Vermögens, ihre Schulden sowie über Höhe und Laufzeit ihrer Schulden. Die EZB erhofft sich von den Daten unter anderem Aufschluss darüber, wie sich wirtschaftliche Schocks auf die privaten Haushalte und ihr Verhalten auswirken.

Doch derzeit dürfte vor allem die politische Wirkung der Daten dominieren. Und so verwenden die Fachleute der EZB - wie schon einige Wochen zuvor die der Bundesbank - einige Mühe darauf, die Ergebnisse der Umfrage zu relativieren. Ein gängiges Argument ist dabei der starke Unterschied bei der Häufigkeit von Immobilieneigentum. In Ländern, in denen besonders viele Menschen ein Haus oder eine Wohnung besitzen, ist auch das Vermögen meist größer. In Österreich zum Beispiel ist ein großer Anteil der städtischen Wohnungen - in Wien wohl mehr als die Hälfte - im Besitz der öffentlichen Hand. Diese Art von Vermögen taucht in den Statistiken über die privaten Vermögen nicht auf.

Zudem könne der Zeitpunkt der Befragung eine Rolle spielen. Ermittelt wurden die meisten Daten im Jahr 2010. Damals war die Spekulationsblase etwa auf dem spanischen Immobilienmarkt noch nicht geplatzt. Im vorangegangenen Jahrzehnt waren die Häuserpreise in Spanien stark gestiegen, während sie in Deutschland stagnierten, erläuterten die Statistiker der Notenbanken am Dienstag. Auch die durchschnittliche Haushaltsgröße beeinflusse das Bild von den Vermögensverhältnissen. In Deutschland verteilt sich das Vermögen je Haushalt im Durchschnitt auf gut zwei Personen (2,04) in Zypern auf knapp drei (2,76) und im Durchschnitt des Euroraums auf 2,32.

Mehr zum Thema

Um den Einfluss der Hauspreise und der Häufigkeit von Hauseigentum auf die Vermögensverteilung zu illustrieren hat die EZB auch eine um diese Faktoren bereinigte Statistik veröffentlicht. Nehme man nur die Umfrageergebnisse der Hauseigentümer - in Deutschland sind das etwa 40 Prozent der Haushalte - und verwende zudem Immobilienpreise von 2002 statt 2010, ergebe sich ein anderes Bild. Dann liege Deutschland über dem Durchschnitt und Zypern entspreche mit dem Medianvermögen dem Durchschnitt.

Ihre im Vergleich unerfreuliche Vermögensposition werden die Teilnehmer an einer Umfrage des Meinungsforschunsinstituts Forsa noch nicht gekannt haben. Nach dieser Studie ist die Zustimmung der Deutschen zum Euro im vergangenen Jahr deutlich gestiegen. 69 Prozent der Befragten hat sich demnach dafür ausgesprochen, den Euro zu behalten, 27 Prozent wollen die D-Mark zurück. Im vergangenen Jahr hatte sich noch jeder zweite Deutsche gegen den Euro ausgesprochen.

Quelle: F.A.Z.

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Eurostat Spanien und Portugal verfehlen Defizitziele

Die Staatsschulden liegen in 14 von 19 Euro-Staaten über dem Maastricht-Grenzwert. Ein schärferes Sparprogramm für Portugal und Spanien ist angesichts der Zahlen denkbar. Mehr

21.04.2016, 14:34 Uhr | Wirtschaft
Panama Papers Enthüllung über Briefkastenfirmen setzt Politiker unter Druck

Mit der Veröffentlichung umfangreicher Daten über Inhaber von Briefkastenfirmen geraten mehrere amtierende Staats- und Regierungschefs unter Druck. Die verantwortliche Finanzkanzlei Mossack Fonseca mit Sitz in Panama-Stadt nannte die Veröffentlichung ihrer Kunden-Daten illegal. Mehr

05.04.2016, 14:38 Uhr | Wirtschaft
Die Vermögensfrage Haushaltshilfen aus Osteuropa

Wer Hilfen für die Pflege aus osteuropäischen Ländern beschäftigt, muss einiges beachten. Hier kommen die wichtigsten Tipps. Mehr Von Barbara Brandstetter

30.04.2016, 14:14 Uhr | Finanzen
Brexit-Abstimmung Thema Einwanderung spaltet die Briten

Im Brexit-Wahlkampf in England spielt das Thema Einwanderung eine zentrale Rolle. In einer Umfrage gab etwa die Hälfte der Briten an, die Frage sei für sie wahlentscheidend. Im mittelenglischen Peterborough ist das Lager derjenigen besonders stark, die einen Austritt aus der EU befürworten. Die Region hat aber auch eine lange Einwanderungstradition. Mehr

30.04.2016, 16:41 Uhr | Politik
Abschaffung des 500er-Scheins Tschüs, Bin Laden!

Warum hieß der 500er in Spanien Bin Laden? Hat die EZB eigentlich längst mit der Abschaffung begonnen? Und wie groß müsste Dagobert Ducks Geldspeicher sein? Mehr Von Martin Hock

04.05.2016, 17:21 Uhr | Finanzen

Grenzregime

Von Andreas Mihm, Berlin

Die deutsche Energiewende sorgt für Spannungen. Das Netz ist viel zu klein, die Nachbarn sind genervt. Es kommt auf den Netzausbau an - und den verzögern die Deutschen. Mehr 3 10


Die Börse
Name Kurs Änderung
  Dax --  --
  F.A.Z.-Index --  --
  Dow Jones --  --
  Euro in Dollar --  --
  Gold --  --
  Rohöl Brent --  --

Staatsfinanzen Was tun mit noch mehr Steuer-Milliarden?

Deutschland wird wegen der guten Wirtschaftslage wohl noch viel mehr Steuern einnehmen als gedacht. Schon beginnt der Streit, was damit geschehen soll. Mehr 14

Abonnieren Sie den Newsletter „Wirtschaft“

Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden