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HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Armut und Reichtum Die Unterschicht verfestigt sich

 ·  Allen Vorurteilen zum Trotz wird die Unterschicht in Deutschland kaum größer. Allerdings gelingt es weniger Armen, in eine höhere Schicht aufzusteigen.

Artikel Bilder (2) Lesermeinungen (42)
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Herold Binsack
Herold Binsack (Devin08) - 08.02.2013 13:48 Uhr

Die heutigen Arbeitslosen sind mitnichten „Lumpenproletariat“

Ergänzend und erklärend zu meinem Beitrag möchte ich noch erwähnen,dass es unlauter ist,die heutigen Arbeitslosen ganz generell mit dem Begriff des „Lumpenproletariats“ zu verleumden.Denn der unter Marx erwähnte „Pauper“-auch städtischer Pöbel genannt-war zu dieser Zeit mehr noch ein Überbleibsel der gerade untergehenden Gesellschaft.Im Übrigen hatte dieser „Pöbel“ in der Französischen Revolution eine revolutionäre Rolle inne;es speiste sich aus ihm der Sturmbock gegen die alte Macht,versinnbildlicht mit dem „Sturm auf die Bastille“,in dem ja bekanntermaßen eine sog. „Waschfrau“ die Initiative ergriffen haben soll.Unter kapitalistischen Verhältnissen gesellten sich jetzt jene Teile auch des modernen Proletariats dazu,die den Kampf aufgegeben haben,zumal der Klassenkampf unter kapitalistischen Verhältnissen diesem Proletariat ein hohes Klassenbewusstsein abverlangte. Jenes wurde dann Lumpenproletariat genannt,da es an den Rändern der Gesellschaft mit dem überkommenen „Pöbel" verschmolz.

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Uwe Wagner
Uwe Wagner (view) - 08.02.2013 09:23 Uhr

Steuern bei Reich und Arm??!!

Hier auf Mauritius gibt es einen Steuerfreibetrag, der gestaffelt wird nach "dependent Members" der Familienzgehörigkeit. Wer also Single ist, hat im Jahr 380000 Rupies steuerfrei (40 Rupies etwa 1 €), Wer einen abhängigen mitversorgt 400000 Rs, wer zwei mitversorgt 440000 Rs, wer drei und mehr 480000 Rs. Alles darüber wird mit 15% versteuert. Im Endeffekt zahlen etwa 15% der Erwerbstätigen Steuern! Es gibt Hotels, die zahlen gar nichts, da sie alle 8 Jahre renovieren! Viele Firmen tricksen mit den Einnahmen, vor allem die mit HauptSitz im Ausland.
Da wird das Produkt von der Mutterfirma zu einem lächerlichen Preis eingekauft vom Werk in Mtius und die Posten im Ausland sind TOP bezahlt, während die Malocher auf der Insel nicht mal so viel verdienen, um Steuern bezahlen zu dürfen. Soziale Gerechtigkeit?
Kommen Sie mir jetzt nicht mit " aber die verdienen ja mehr als die in der Sahelzone".
Anbei bemerkt: Der "LEIHER" definiert sehr gut, was Arm sein bedeuten kann, trotz Arbeit!

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Viola Rosenkranz

Mit HartzIV hat man doch nur erreicht, dass die Menschen jeden Job annehmen müssen,

der irgendwie verfügbar ist. Komischerweise gibt es seitdem doch diesen Niedriglohnsektor von 7 Millionen Menschen, die zu ihrem Verdienst noch aufstocken müssen, und Leiharbeiter, die die gleiche Arbeit machen wie die Festangestellten. Dazu kommt noch, dass in vielen Branchen damit die Löhne gedrückt werden können. Denn genauso wie das Niveau nach oben gehen kann, kann es auch nach unten gehen. So lange keine reguläre Bezahlung der geleisteten Arbeit erfolgt, setzt sich dieser Effekt überall durch. Eigentlich war das Ziel auch eine Ausweitung der Dienstleistungsgesellschaft, aber die Dienstleistungen können von vielen nicht bezahlt werden.

Und Armut mit absoluter Armut zu vergleichen, ist auch nicht richtig. Darauf zu warten, dass man den Menschen die Armut ansieht wie im vorigen Jahrhundert, um es als Problem zu sehen?

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Herold Binsack
Herold Binsack (Devin08) - 07.02.2013 19:12 Uhr

Das Proletariat unterscheidet sich vor allem durch sein Klassenbewusstsein

Schon sehr früh hat Karl Marx das Proletariat aufgrund dessen Klassenbewusstseins vor allem von den anderen Klassen unterschieden.Der Begriff Lumpenproletariat,welcher mit Pauperismus identisch zu setzen wäre,entstand u.a. in der Polemik gegen Max Stirner,der das revolutionäre Proletariat wie folgt zu beschreiben suchte:„Dies besteht aus "Industrierittern,Buhlerinnen,Dieben,Räubern und Mördern,Spielern,vermögenslosen Leuten ohne Anstellung und Leichtsinnigen…“ Marx hielt dem in „Deutsche Ideologie“ entgegen:„Unser Heiliger (gemeint ist Max Stirner) hat ganz dieselbe Vorstellung vom Proletariat wie die guten ‚behaglichen Bürger‘ und namentlich die ‚treuen Beamten‘.Er identifiziert konsequenterweise auch Proletariat und Pauperismus…“ (MEW 3, S. 183) An anderer Stelle zeigt Marx auf,wie dieses „Lumpenproletariat“ sich aus allen Klassen und Schichten der Gesellschaft rekrutiert, und da mangels Klassenbewusstsein gegen dieses Proletariat leicht zu mobilisieren ist,wie eben unter Bonaparte.

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Otto Meier

Nichts als Schönfärberei.

Man nehme einen Single, gebe ihm eine den Standards entsprechende und entsprechend ausgestattete Wohnung, kleide und ernähre ihn angemessen, finanziere ihm Hygiene etc., finanziere übliche Freizeitangebote und einen ordentlichen Urlaub, stelle ihm ein durchschnittliches Auto oder genügend Geld für andere Verkehrsmittel inklusive Taxi zur Verfügung usw.

Dann mache man einen Strich und berechne die notwendigen Kosten, die eine diesen Lebenshaltungskosten angeglichene Altersversorgung betragen, und lege noch diverse Euro für die Familienplanung obendrauf.

Dann mache man erneut einen Strich und zähle zusammen. Und obwohl ich sicherlich noch einiges vergessen habe, hat man dann die Armutsgrenze und den Mindestlohn ziemlich genau definiert. Und ebenso hat man damit die Würde eines Menschen in unserer Gesellschaft zum Teil definiert. Denn solange es noch Menschen in unserer Gesellschaft gibt, die davon nach unten und nach oben abweichen, ist die Würde des Menschen nicht gewahrt.

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Kai Schraube

Und man sollte auch nicht verschweigen, wer von dieser "Armut" prächtig lebt

Ein Beispiel: junge Frau, 21 Jahre alt, stand nach mehreren Schulwechseln 2011 kurz vor der Mittleren Reife. 3 Monate vor dem Abschluß wurde sie nach 40 Fehltagen ("0-Bock") und mehreren Abmahnungen der Schule verwiesen. Seitdem verweigert sie sich jeder Aus- oder Weiterbildung sowie jeder Arbeitsaufnahme. Sie lebt mit 3 weiteren "Kolleginnen" ungestört in einer vom Sozialamt betreuten Wohngruppe, verbringt ihre Freizeit deutschlandweit bei Occupy (klar!), bezieht Grundsicherung, darf seit 2 Jahren 1x wöchentlich zum Therapeuten...

Sie ist statistisch "arm" und fühlt sich auch so. Würde sie arbeiten, gingen dem Therapeuten Stunden verloren, die Sozialarbeiterin in der WG verlöre einen Teil ihrer Daseinsberechtigung und auch die Sachbearbeiterin des Sozialamtes hätte einen "Vorgang" weniger auf der Liste. Also wird diese "Armut" in stiller Übereinkunft zwischen allen Beteiligten gepflegt. Und das ist kein Einzelfall.

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Antwort (1) zu dieser Lesermeinung anzeigen neueste Antwort: 07.02.2013 18:45 Uhr
Kai Schraube

Hätten Sie meinen Beitrag nur gelesen...

Um Ihr Beispiel aufzugreifen: Polizei und Gerichte bekämpfen die Kriminalität. Die von mir genannten Vetreter der "Armutsindustrie" pflegen sie zum eigenen Vorteil - das ist der Unterschied. Wären im konkreten Beispiel jemals Sanktionen angedroht oder ausgesprochen worden, wäre diese "Armut" ganz fix beendet worden. Viele Verbände, Parteien und Interessensvertretungen leben von der "Armut", sie darf also nicht beendet werden.

Ich könnte jetzt den Bogen schlagen, zur "Entwicklungshilfeindustrie" und deren "Erfolgen". Aber dann würden Sie vermutlich auch wieder "Verschwörungstheorien" wittern...

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Ellen Ramcke
Ellen Ramcke (ellenR) - 07.02.2013 17:26 Uhr

In Deutschland gibt es keine Armut

Ein Kollege von mir war zwei Jahre beruflich in Argentinien stationiert.
Er hat Armut gesehen. Das kann man hier garnicht wiedergeben, weil das
ausserhalb unseres Vorstellungsvermögen ist. Nur ein Beispiel.
Kinder leben in Pappkartons neben einer viel befahrenen Haupttrasse.

In Deutschland hat jeder Anspruch auf
* eine Wohnung
* Heizungsgeld
* Lebensunterhalt
* freie ärztliche Versorgung
* freier Rechtsbeistand
* Zugang zur Weiterbildung

Die "Mittelschicht" berichtet er lebt dort schlechter als hier
ein H4 Empfänger. Die Definition von Armut ist sehr relativ.
Ich finde, die Sozialleistung hier in D sind schon auf einem
sehr hohen Niveau. Natürlich möchte ich nicht freiwillig auf H4 Niveau
leben wollen, aber ich könnte es, wenn's sein muss.

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Antwort (1) zu dieser Lesermeinung anzeigen neueste Antwort: 07.02.2013 17:45 Uhr
Claudio Sperling

Ich würd gern in Ihrer Welt leben!

Wo steht, dass jeder Anspruch auf eine Wohnung hat?
In welchem Gesetz gibt es Heizungsgeld?
Ärztliche Versorung gibt es in Deutschen Kliniken NUR mit Versichertenkarten. Bevor jemand sie überhaupt anschaut, werden Sie nach der Krankenkassenkarte gefragt!!
Freier Rechtsbeistand, wo soll es dann denn geben? Meinen Sie den Beratungsschein vom Amtsgericht mit dem kein Anwalt tätig wird? Oder meinen Sie die Prozesskostenhilfe, die dann in kleinen Raten zurückgezahlt wird?
Zugang zu Weiterbildung? IHK? Nicht kostenlos. Volkshochschule? Nichtkostenlos?

Und glauben Sie mir, es ist verdammt anstrengend, auf Hartz 4 - Niveau zu leben.

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Hartmut Rencker

Arm unter Armen oder arm unter Reichen

Armut ist relativ. Das wird z.B. in Südafrika deutlich. Etwas pauschaliert kann man sagen, dass es nirgendwo in Afrika der armen schwarzen Bevölkerung besser geht. Und trotzdem sind die Armen dort besonders unzufrieden, weil sie ihre Ausgrenzung und Ausbeutung deutlicher und schmerzhafter erleben als anderswo.

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Hermann Rampf

Dass von Hartz4...

...keiner zur "Mittelschicht" aufschliessen kann, oder dort per Definition bleibt überrascht wohl niemanden.
Eine mögliche Lösung - Ausbildung statt Hartz4

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Antwort (1) zu dieser Lesermeinung anzeigen neueste Antwort: 07.02.2013 17:22 Uhr
Marco von Cramm

viel interessanter...

...dass man einmal Reich nicht mehr arm werden kann...denn man lebt dann genau so nur noch vom Geld und der Arbeit anderer Leute...

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Ari Gold
Ari Gold (AG333) - 07.02.2013 16:08 Uhr

Was ist mit dem Abstieg der Gutbetuchten?

Schauen wir mal auf die Millionärsstatistiken, dann werden sie sehen, dass Deutschland immer weiter absteigt. In Frankreich gibt es 10-mal!!! so viele Millionäre wie bei uns. Es sollte in der Debatte der Umverteilung auch mal jemand für uns sprechen. Nicht immer nur wegnehmen. Gerade in Frankreich sieht man ja wozu das führt - die Leistungsträger geben ihre Staatsbürgerschaft zurück.

>>>Wenn wir die Umverteilung nicht stoppen, wird eine 2 Klassengesellschaft in dieser Welt entstehen in der die Macht sich immer mehr in Hong Kong, Singapur oder Monaco konzentriert und wir jegliche Kontrolle darüber verlieren!!!

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Closed via SSO
klaus keller (klkeller) - 07.02.2013 15:49 Uhr

Was sollte die Unterschicht sonst tun?

Was ist aber die Unterschicht?
Unten ist ja nicht dort wo das wenigste Geld ist.
Ich sehe gar keinen Zusammenhang von oben und unten in Verbidung mit Geldvermögen.

Ich schlage vor das sie über die Verteilung von Einkommen und Vermögen schreiben und diverse Schlagworte weglassen.

Ob der Mann am Mülleimer ein Konto in der Schweiz hat kann ich gar nicht erkennen.
ggf wurde das Bild in der Schweiz gemacht dann har er sehr wahrscheinlich auch ein Konto in der Schweiz.

PS Wir könnten Unterschicht auch per se mit kriminell gleichsetzen.
Opfer sexualisierter Gewalt werden je nach Schätzung ca 10% der Bevölkerung völlig unabhängig vom Einkommen und der Pfarrer mit überdurchschnittlichem Einkommen als Täter wäre automatisch Mitglied der unersten denkbaren Schicht.

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Marie Gruber
Marie Gruber (mariluI) - 07.02.2013 15:14 Uhr

Zunächst muss einfach zwischen Einkommen und Vermögen unterschieden werden

Eine Hunderttausend Hartz IV Empfänger leben im eigenen oder Elterlichen Anwesen / Haus.

Sind die nun wirklich arm ?

Mal ehrlich 993 € monatlich zur Verfügung soll Arm sein ?

990 € unter der Armutsgrenze ?

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Claudio Sperling

Ich fühl mich arm

Ich fühle mich arm. Nicht, weil ich mir keinen Urlaub leisten kann, sondern weil ich kein Wohngeld bekomme, meine Wohnung ist angeblich (mit 310 Euro Kaltmiete) nicht angemessen. Ich fühle mich arm. Nicht, weil ich seit Jahren in keinem Restaurant mehr war, sondern weil ich täglich 13 Stunden unterwegs bin und keine Kraft und Zeit mehr habe für Bekannte, Freunde, Hobbies. Und bevor jetzt wieder zahlreiche Schlaules schreien: Hättest Du doch was Gescheites gelernt… Ich habe Abitur, 2 Berufsausbildungen und ein Ingenieur-Diplom. Meine Firma machte 2007 pleite und ich bin 56.

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Antworten (4) zu dieser Lesermeinung anzeigen neueste Antwort: 07.02.2013 18:40 Uhr
Karin Gossmann-Walter

Herr Ari, was ist das für ein kaltes empathieloses Land geworden !

Ihre Ausführungen sprechen für sich, auch das man Herrn Sperling mit "Leiher" anspricht.
Ich könnte mir denken, dass trifft am meisten, als Leiher angesprochen zu werden.

Und Herr Sperling wäre eigentlich der, den man händeringend sucht, falls man der Bundesregierung glaubt.

Und das genau sehen die anderen europ. Länder - wie Deutschland zu seinem Wohlstand gekommen ist, Reichtum für Konzerne und Oberschicht und immer mehr Minijobber,
Leiharbeiter, die vom Aufschwung gar nichts haben, Wertschätzung gleich Null.

Von aussen betrachtet aus dem Süden, aus einem PIIG-Land - schlimmer noch als finanzielle Armut, ist die Armut - die aus ihrem Beitrag spricht! So überheblich geht man hier nicht miteinander um, und hier sind viele ohne jegl. staatl. Unterstützung.

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Hartmut Rencker

Arm ist, wer verliert

Mancher der in die Klauen von Hartz IV gerät, wird vom Staat ausgeplündert und in die Altersarmut getrieben. Wer z.B. so unklug war, mangels genügender Rentenanwartschaften mit einer Kapitallebensversicherung eigenverantwortlich für sein Alter vorzusorgen, dem wird seine Altersanlage bis auf einen dürftigen Rest weggenommen. Es gibt aber eine kuriose Ausnahme. Ausgerechnet besserverdienende Freiberufler, also Ärzte, Apotheker, Anwälte, Notare, Steuerberater usw. genießen einen Zugriffsschutz, falls diese jemals zum Hartz IV-Fall werden (§ 12 Abs. 3 Nr. 3 SGB II). Die Bundesregierung weiß das, weigert sich aber, diesen gesetzgeberischen Murks zu korrigieren. Die Lobby lässt grüßen.

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Marie Gruber
Marie Gruber (mariluI) - 07.02.2013 16:10 Uhr

Ich verstehe Sie sehr gut und ja wie sie sich fühlen das kann man nachfühlen. Nur

Nach dieser blöden Definition sind sie Mittelschicht.

Zählen keines Falls als arm.

Ja ich verstehe wirklich sehr viele alle in anderen Situationen.

Bis vor kurzem mussten wir zu dritt ein Student der noch Kindergeld berechtigt ist
1300 € Rente plus 184 € Kindergeld also zu dritt weniger als 1500 €

Aber nein laut Statistik kaum mehr als die Hälfte der Armutsgrenze betrifft.

Aber arm fühlten wir uns nie.

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Ari Gold
Ari Gold (AG333) - 07.02.2013 16:01 Uhr

und ich Arbeite härter, länger und steige noch ab!

Ich auch, nicht weil ich in so einer unschönen Lage bin wie Sie. Dafür haben sie wirklich mein volles Mitleid. Doch ich fühle mich auch Arm, weil ich beruflich in Hong Kong und London zu tun habe. Weil ich in Deutschland den Spitzensteuersatz zahle und meine ausländischen Freunde mich aus Mitleid Einladen, weil ich mir die Flasche Dom Perignon für 2.000€ im Club nicht leisten kann. Auch weil die Chartermieten für Yachten inzwischen stark gestiegen sind und anders als in Osteuropa wir kaum reicher werden. Weil mein Stammhotel in St Moritz und in StTrop exponentiell teurer geworden sind und ich 300 Tage im Jahr arbeiten muss. Weil in D meine Mehrleistung an Transferempfänger geht und gleichzeitig in meiner Welt die Preise überdimensional steigen.
Sehen Sie, Armut ist reine Definition und in der Produktion meiner Firma in Indien, fühlen sich die Angestellten mit 10US$/Tag schon gut, weil wir sie aus den Slums geholt haben. Versuchen wir, uns etwas von denen abzuschauen.
Ihr A.G.

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Claudio Sperling

Ich fühl mich arm

Sie kaufen ihre Kleidung S. Oliver oder Jack Wolfskin. Ich bei Aldi & Co. Sie haben 30 oder mehr Tage Urlaub und fahren nach Norwegen, in die Schweiz oder nach Thailand. Ich habe 20 Tage bleibe zu Hause. Frisör? Fehlanzeige. Schwimmbad? Zu teuer. Restaurantbesuch? Unbezahlbar. Ich verdiene 1100 netto - also mehr als die genannten 993 Euro. Trotzdem fühle ich mich arm. Aber nicht, weil ich keine Jack Wolskin Jacke trage, sondern weil ich in der Firma seit 3 Jahren mit: „He Leiher, komm mal her!“ angesprochen werde. Obwohl ich im Schnitt 12-13 Aufträge am Tag abwickle und die Festangestellten 7-9. Ich fühle mich arm. Nicht, weil ich mir kein Auto leisten kann, sondern weil ich böse angehupt werde, wenn ich bei Kälte, Wind und Schneeregen über die Straße renne, um meinen Bus zu erreichen. Der nächste fährt in 30 Minuten.

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Claudio Sperling

Ich fühle mich arm

Als ich nach einem 10 h Arbeitstag, mit Regel mit 10 Pause im Schneeregen bei 0°C an der Ampel stand und an mir die Q 5 und X3 und C-Klassen und Minis und Passats vorübersausten und ich meinen Bus vorbeifahren sah - ohne mich - fühlte ich mich ziemlich arm.

Fast alle anderen Mitarbeiter sind vor 2 Stunden in ihr Auto gestiegen und nach Hause gefahren, ohne sich um das Wetter zu kümmern. Aber sie sind direkt bei der Firma angestellt und sie arbeiten 37,50 h / Woche, ich bin „Leiher“ - ja, so werde ich angesprochen - und arbeite 43,75 h pro Woche.

Sie können sich einen Golf oder die schon länger dort abeitenden Personen einen Passat leisten. Bei mir reicht es gerade so für die Monatskarte.

Sie sitzen alle längst in ihrer warmen, schönen Wohnung oder im Häuschen am Standrand, wenn ich um etwa 19:30 in eine kühle Mini-Wohnung weit draußen ankomme.

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Gottfried Lobeck
Gottfried Lobeck (golo7) - 07.02.2013 14:41 Uhr

Neurotischer, Teilhabegerechtigkeit ängstlich weitgehend ausblendender Diskurs

Was irritiert an dem Umstand,
dass der private Reichtum in Deutschland zwar rasch steigt (Reichtumsuhr),
dass jedoch für das reichste Zehntel sich diese Zunahme sehr viel schneller vollzieht,
dass für das ärmste Zehntel stattdessen eine Abnahme ("Negativwachstum") festzustellen ist,
dass das Gemeinwesen (Staat) sich trotz Wirtschaftswachstum immer weiter verschuldet,
dass die nötigen Zinszahlungen aus den Staatsschulden die privaten Anleger mästen,
dass ab einer bestimmten Größe (too big to fail) sich verspekulierende Anleger (Bankenrettung) auf Kosten des Gemeinwesens gerettet werden müssen,
dass die Zahl derer steigt, die auch vollbeschäftigt von ihrer Arbeit allein nicht mehr leben können, ..., ...,
obwohl doch nach dem Scheitern des seinerzeitigen Sozialismus endlich Wohlstand für alle auf dem Boden einer freiheitlich-demokratischen Grundordnung in Deutschland Wirklichkeit hätte werden können?

An der Wirtschaftsleistung liegt es nicht, das Sozialprodukt stieg stetig linear.

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Max Herr

Einteilung der Bürger in Klassen

Bitte diesen Text nicht zensieren oder löschen. Ich bin tatsächlich der Meinung, dass es sinnvoll wäre, die Bürger in Klassen oder Kasten einzuteilen wie es auch in Indien üblich ist. Dieses sollte auch in einem speziellen Ausweis dokumentiert werden. Klassen könnte man nach Schulnoten einordnen, so wäre die Klasse 1 beispielsweise Bankmanager, Ärzte, Rechtsanwälte, Politiker etc..

So könnte man individuelle Leistungstarife schaffen. Die Klasse 1 kann so z.B. Rabatte eingeräumt bekommen oder Automobile als Probefahrer oder Urlaub für Weiterbildung auf den Sardellen usw. Ganz einfach deswegen, weil sie auch als potentielle Käufer in Frage kommen. Die Klassen 5 oder 6 könnten bestimmte Zonen in der Stadt erhalten, in denen sie exclusiv die Papierkörbe durchsuchen dürfen. Das Alleinrecht für das Leeren von Lebensmittel-Abfallbehälter hat selbstverständlich Klasse 6. Kaste 3 und 4 ist Noname und für Steuerzahlungen und Bußgelder zuständig, da sie nie aufmüpfen. Die Melkkühe also.

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Antwort (1) zu dieser Lesermeinung anzeigen neueste Antwort: 07.02.2013 15:27 Uhr
Gottfried Lobeck
Gottfried Lobeck (golo7) - 07.02.2013 15:27 Uhr

Zukunft

Es scheint, als vollzöge sich diese Entwicklung bereits ganz aus sich heraus.

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Jan Hoffmann
Jan Hoffmann (Jaho) - 07.02.2013 14:19 Uhr

Betäubt

durch Fernsehen, HARTZ IV-Ansprüche und mangelnde gesellschaftliche Traute, das Lumpenproletariat auch als solches zu bezeichnen und dementsprechend differenziert zu behandeln, wird diese Schicht nie verschwinden. Dazu sind bürokratische Hürden und das sozialistisch-feministische Anspruchsdenken, was alles heutzutage zum Leben so dazu gehören soll, ebenfalls kein Antrieb, sich nach oben zu arbeiten. Und wenn Erziehung nicht mehr Aufgabe der Eltern sein soll, sondern der KiTa und 68er-Gleichmacher-Schulen, dann wird die Einebnung des Niveaus nach unten zum Programm.

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Henk Hulst
Henk Hulst (HenkHulst) - 07.02.2013 14:04 Uhr

Oh Schreck

Wenn 10 Prozent der Bevölkerung 60 Prozent des Vermögens besitzen, das 10 Billionen Euro beträgt, können diese wenigstens als "nicht-arm" bezeichnet werden. Das ist doch schonmal toll.
Die viel interessantere Problemstellung, als die Definition des Begriffs Armut, umfasst die Gründe, warum es in Deutschland ca. 3 Mio. Arbeitslose, 7 Mio. geringfügig Beschäftigte und 6 Mio. Menschen gibt, die ALG II (Hartz 4) beziehen.
Da davon ausgegangen werden kann, dass diese Gruppe einfach keine Lust hat, eine der 100 Mio. offenen, unbefristeten Vollzeitstellen zu überhöhten Löhnen anzunehmen, braucht auch nicht darüber nachgedacht zu werden, dass der wirtschaftliche Strukturwandel dazu führt, dass es für 20% der Bevölkerung dauerhaft keinen adäquaten Arbeitsplatz geben wird und Armut zementiert bleibt.
Auch wenn sich "Fachkräftemangel" und "demographischer Wandel" viel attraktiver anhört, muss man nicht alles glauben, was Mutti glaubhaft machen will.

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Tom Berg
Tom Berg (veil123) - 07.02.2013 13:59 Uhr

Das richtige Maß

Das richtige Methode für die Erhebung von Armut zu finden ist sehr schwierig.
Bei jeder Methode gibt es zwangsläufig großen Bemessungsspielraum.

Das einfachste und ausaagekräftigste Maß, ist die Anzahl der Personen bzw. Haushalte
, die staatliche Leistungen nach SGBII beziehen. Jeder, der nicht ohne staatliche Unterstützung auskommt, kann als "relativ arm" bezeichnet werden.

Diese Zahl ist in Deutschland aber immer noch sehr hoch. Viel zu hoch.

Daher sehe ich keinen Grund zur Entwarnung.

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07.02.2013, 11:52 Uhr

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