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Arbeiten und Hartz IV : Weniger Aufstocker in Deutschland

Putzfrauen und -männer verdienen relativ wenig, stocken also relativ häufig auf. Bild: dpa

Gleichzeitig arbeiten und Hartz IV bekommen: Das trifft weniger Leute als vor einem Jahr. Die Situation entspannt sich.

          Die Zahl der Menschen in Deutschland, die gleichzeitig ein Arbeitseinkommen und Arbeitslosengeld II beziehen, ist im vergangenen Jahr gesunken. Dies bestätigte eine Sprecherin der Bundesagentur für Arbeit dieser Zeitung.

          Sven Astheimer

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Beruf und Chance“.

          An Aufstockern, die mit einem Vollzeit- oder Teilzeitjob mehr als 800 Euro im Monat verdienten, gab es in Deutschland rund 323.000. Das waren rund 30.000 weniger als im Jahr 2007, als die Statistik erstmals erhoben wurde.

          Die Sprecherin der Arbeitsagentur widersprach damit dem Eindruck, die Zahl steige über die Jahre hinweg kontinuierlich. In Medienberichten vom Mittwoch war das Jahr 2009 als Vergleich genommen worden. Damals lag die Zahl der Aufstocker um 20.000 niedriger. Das Institut der deutschen Wirtschaft Köln weist allerdings darauf hin, dass 2009 das Jahr der Rezession in Deutschland war. Damals sank die Beschäftigung insgesamt, also war auch der Vergleichswert zu heute gering.

          Die Zahl der Aufstocker in Deutschland. Bilderstrecke
          Die Zahl der Aufstocker in Deutschland. :

          Anteil der Aufstocker an den Beschäftigten bleibt ungefähr konstant

          Laut Zahlen der Bundesagentur für Arbeit gab es im Juni 2009 rund 27,4 Millionen sozialversicherungspflichtige Beschäftigte, drei Jahre später waren es gut 28,9 Millionen. Das bedeutet einen Zuwachs von rund 5,5 Prozent. Der Zuwachs der Aufstocker mit mehr als 800 Euro Lohn liegt mit 6,6 Prozent etwa auf dem selben Niveau. Das heißt, ihr Anteil an allen Beschäftigten blieb mehr oder weniger konstant.

          Berücksichtigt man nicht nur die Aufstocker, die mehr als 800 Euro verdienen, sinkt ihre Zahl sogar im Vergleich zum Jahr 2009. Wie das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft ausführt, ist die Zahl der sozialversicherten Aufstocker über alle Gehaltsklassen hinweg zwischen 2009 und 2012 um 19.000 gesunken. Es sei deshalb schlicht falsch zu behaupten, weil der Lohn nicht reiche, seien immer Menschen auf aufstockende Leistungen angewiesen, sagt IW-Mitarbeiter Holger Schäfer.

          Single-Haushalte stocken häufiger auf, weil Hartz IV steigt

          Eins signifikanter Anstieg in den Zahlen ergibt sich allerdings bei den Single-Haushalten, für die es eine gesonderte Auswertung gibt. Die Zahl stieg seit 2009 um 38 Prozent auf 75.600. Die BA-Sprecherin weist auch hier darauf hin, dass dies nicht die Folge niedriger Grundlöhne sein muss. Es sei vielmehr empirisch bewiesen, dass die Erhöhung der Hartz-IV-Regelsätze mehr Menschen einen Anspruch auf staatliche Leistungen ermöglicht haben, die zuvor keinen hatten. Außerdem zwängen die steigenden Wohn- und vor allem Energiekosten mehr Menschen, sich Unterstützung vom Amt zu holen.

          Mehr Aufstocker über 800 Euro, weil mehr Menschen so viel verdienen

          Und letztlich zeigten die Daten eine Verschiebung innerhalb der Aufstockergruppen: Es gebe weniger Personen, die zwischen 400 und 800 Euro im Monat verdienten und mehr, die mehr als 800 Euro erzielten. Dies zeige, dass Aufstieg im Arbeitsmarkt – wenn auch mühsam – gelinge und sei das Gegenteil von Abstieg.

          Quelle: FAZ.NET

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