Home
http://www.faz.net/-gqg-7512f
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER
easyfolio

Armut und Reichtum Mittelschicht in Deutschland wird immer kleiner - oder doch nicht?

Streit der Wirtschaftsforscher: Die Mittelschicht in Deutschland ist in den vergangenen 15 Jahren von 65 auf 58 Prozent geschrumpft, haben die Ökonomen vom DIW ausgerechnet. Sie ist so groß wie zur Wiedervereinigung, entgegnen Forscher des IW.

© AP Vergrößern Die Mittelschicht baut sich ihr Eigenheim

Die deutsche Mittelschicht schrumpft: Ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung sank seit 1997 um 5,5 Millionen Menschen. Das entspricht einer Abnahme von 65 auf 58 Prozent. „Immer weniger Menschen gelingt der Aufstieg aus den unteren Einkommen in die Mittelschicht“, lautet das Fazit einer am Donnerstag veröffentlichten Studie der Bertelsmann-Stiftung mit dem Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW). „Und selbst eine gute Ausbildung ist heute kein Garant mehr für ein Leben in gesichertem Wohlstand.“ Jeder Vierte in der Mittelschicht habe die latente Sorge, seinen Status zu verlieren. Der Aufstieg in die Mittelschicht gelingt demnach immer seltener. „Die Mitte wächst nicht mehr durch einen Zustrom aus unteren Einkommensschichten“, so die Forscher. Gleichzeitig verfüge die Mittelschicht aber über zunehmend bessere Bildung und höhere berufliche Positionen, was Aufstiegschancen aus der Mitte heraus nach oben eröffne. „Auch aus diesem Grund schrumpft die Mittelschicht.“ Allerdings gebe es deutlich mehr Abstiege als Aufstiege. Untere Einkommen der Mittelschicht seien zudem gefährdet, in einkommensschwache Bereiche abzurutschen.

Ökonomen des Wirtschaftsforschungsinstituts IW in Köln kritisierten die Darstellung des DIW. Es stimme zwar, dass die Mittelschicht kleiner geworden sei seit Mitte der neunziger Jahre. Allerdings sei ihr Anteil an der gesamten Bevölkerung Deutschlands zuvor gestiegen. „Aktuell ist sie in etwa so groß wie kurz nach der Wiedervereinigung“, schreiben die IW-Forscher.   

„Steuerpolitik trifft Mitschuld“

Aus der Analyse der DIW-Wissenschaftler geht hervor, dass auch die Steuerpolitik Schuld daran ist, dass die Mittelschicht während der vergangenen 15 Jahre schrumpfte. Von den seit Mitte der neunziger Jahre durchgeführten Steuerreformen hätten vor allem Reiche profitiert. „Die Mittelschicht wurde dagegen deutlich weniger von den geänderten Steuertarifen entlastet.“ Arbeitsmarktreformen und der Rückgang normaler Arbeitsverhältnisse seien eine weitere Ursache. „Die entstandenen atypischen Beschäftigungsverhältnisse sind in der Regel durch eine unterdurchschnittliche Entlohnung gezeichnet.“

Mehr zum Thema

Hinzu komme der Trend zu mehr Ein-Personen-Haushalten. Diese führten zu größerer Einkommensungleichheit, „da keine Ersparnisse durch gemeinsames Wirtschaften wie in größeren Haushalten erzielt werden“. Die Studie beruht auf dem sogenannten sozioökonomischen Panel, für das jährlich 20.000 Erwachsene befragt werden. Zur Mittelschicht gehört, wer zwischen 70 und 150 Prozent des mittleren Einkommens verfügt. Das sind beispielsweise Familien mit zwei Kindern unter 18, die rund 2400 bis 5100 Euro monatlich zur Verfügung haben.

Quelle: FAZ.net mit Reuters

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Wirtschaftsminister Schmid sieht staatliche Investitionsprogramme skeptisch

Die Konjunkturprognosen für Deutschland zeigen nach unten. Was also tun? Der baden-württembergische Wirtschaftsminister Nils Schmid will Forschungs- und Entwicklungsleistungen von mittelständischen Unternehmen steuerlich begünstigen. Mehr Von Rüdiger Soldt

30.10.2014, 12:50 Uhr | Wirtschaft
Der Kampf gegen die Quallen

Das Mittelmeer wird von Quallenplagen heimgesucht. Forscher und Fischer haben eine Idee, um das Problem nicht nur eindämmen soll sondern auch Einkommen schafft: Sie sammeln die Tiere ein und verkaufen sie an die Medizin. Mehr

30.09.2014, 18:28 Uhr | Wissen
Historisches E-Paper Warum die Grünen über die Wiedervereinigung streiten

Aus Furcht vor einem wiederaufkommenden Nationalismus sprechen sich viele Politiker der Grünen gegen eine mögliche Wiedervereinigung aus. Mehr

25.10.2014, 07:17 Uhr | Politik
Hirnforscher feiern

May-Britt Moser tanzt und jubelt, auch wenn sie ohne ihren Ehemann Edvard feiern muss. Er erfuhr auf einer Dienstreise nach Deutschland von der Auszeichnung. Der Dritte im Nobelpreis-Bunde O’Keefe freute sich in London. Mehr

07.10.2014, 13:49 Uhr | Wissen
Museum Giersch Wunderbare Wandlung

Das Museum Giersch wird von der Goethe-Universität Frankfurt übernommen. Das Haus erhält von der Stiftung Giersch über 30 Jahre rund 27 Millionen Euro. Mehr Von Matthias Alexander, Frankfurt

20.10.2014, 13:00 Uhr | Rhein-Main
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 13.12.2012, 10:04 Uhr

VW fehlen Antworten

Von Hendrik Ankenbrand

Was tun, wenn Pekings „Qualitätswächter“ künftig noch mehr Achsenbrüche monieren, wenn Pekings „Regulatoren“ noch stärker ausländische Konzerne maßregeln? Diesen Fragen muss VW sich stellen. Mehr 21 26

Umfrage

Sparen Sie angesichts der niedrigen Zinsen noch?

Alle Umfragen

Bitte aktivieren Sie ihre Cookies.


Die Börse
Name Kurs Änderung
  Dax --  --
  F.A.Z.-Index --  --
  Dow Jones --  --
  Euro in Dollar --  --
  Gold --  --
  Rohöl Brent --  --

Grafik des Tages Deutschland sticht in See

Das „Traumschiff“ steuert in die Insolvenz: Es erwirtschaftet schlicht zu wenig Geld – obwohl das Interesse an Kreuzfahrten so groß ist wie nie zuvor, wie unsere Grafik des Tages zeigt. Mehr

Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden