http://www.faz.net/-gqe-8bj2y

Arbeitszeiten : Angriff auf den Acht-Stunden-Tag

  • Aktualisiert am

Kind abholen, nachher weiterarbeiten? Das ist rechtlich schwierig. Bild: dpa

Acht Stunden am Tag arbeiten, zu Hause nichts tun? Das finden die Arbeitgeber nicht mehr zeitgemäß. Sie wollen flexiblere Arbeitszeiten. Jetzt starten sie einen neuen Anlauf.

          In ihrem Kampf für flexiblere Arbeitszeiten und ein Ende des Acht-Stunden-Tags lassen die Arbeitgeber nicht locker. Am Samstag hat sich Daimlers Personalvorstand Wilfried Porth für eine Lockerung der Arbeitszeitgesetze ausgesprochen. „Ich will keine Schutzfunktion aufheben“, sagte Porth. „Aber wir müssen die Regeln flexibilisieren und den heutigen Arbeitsgewohnheiten anpassen.“

          Zwischen den Arbeitgebern und Arbeitsministerin Andrea Nahles tobt seit Monaten ein Streit um die Flexibilisierung der Arbeitszeiten. Bisher gilt: Arbeitnehmer dürfen in der Regel höchstens acht Stunden am Tag arbeiten, nur in Ausnahmefällen sind zehn Stunden erlaubt – längere Arbeitszeiten sind verboten. Auch wer an einem Tag neun Stunden arbeitet, dafür am nächsten Tag sieben, verstößt im Prinzip gegen das Gesetz.

          Auch die Arbeitszeit über den Tag zu verteilen, ist schwierig. Das Gesetz sieht vor, dass zwischen dem Arbeitsende am einen Tag und dem Arbeitsbeginn am nächsten Tag elf Stunden liegen müssen. Wer die Arbeit früher verlässt, um Kinder abzuholen, und sich dann bis Mitternacht noch mal an den Computer setzt, der darf am nächsten Tag eigentlich erst um elf Uhr wieder arbeiten.

          Die Gewerkschaften wehren sich gegen Änderungen an den bestehenden Regelungen. Arbeitsministerin Andrea Nahles sagt, sie sei für vieles offen – gerade an den Acht-Stunden-Tag will sie aber nicht.

          „Es muss doch nicht im Block sein“

          An der Zehn-Stunden-Obergrenze will der Daimler-Personalvorstand nicht rütteln. Es sei in Ordnung, höchstens zehn Stunden pro Tag zu arbeiten. „Aber es muss doch nicht im Block sein.“ Die Menschen bräuchten heute mehr Flexibilität - zum Beispiel für die Kinderbetreuung oder die Pflege Angehöriger. „Es kann aber nicht sein, dass das alles von den Unternehmen aufgefangen werden muss.“

          Auch der Präsident der Arbeitgeberverbände, Ingo Kramer, hat noch einmal auf Flexibilisierung gedrungen. „Wir wollen die Wochenarbeitszeit ja nicht ausweiten“, sagte er der „Rheinischen Post“. Aber: Es könne sein, dass jemand an einem Tag zwölf Stunden arbeite und am nächsten nur vier. „Die Arbeitgeber erwarten nicht, dass jeder nach Feierabend noch erreichbar ist“, sagte Kramer. Zwar gebe es Ausnahmen für Führungskräfte oder in Notfällen. Aber es sei in der Verantwortung jedes einzelnen, Mobilgeräte auch auszuschalten. „Selbstdisziplin ist ganz wichtig“.

          Als unterstützende Maßnahme für die Selbstdisziplin hat VW allerdings vor einigen Jahren angekündigt, den E-Mail-Server außerhalb des Gleitzeit-Bereichs außer Betrieb zu nehmen.

          Quelle: bern.

          Weitere Themen

          Restaurant gegen Lebensmittelverschwendung Video-Seite öffnen

          Zero-Waste-Restaurant : Restaurant gegen Lebensmittelverschwendung

          Das Restaurant Silo in Brighton setzt auf saisonale- und Bio-Produkte, ohne Müll zu produzieren. Inhaber Douglas McMaster arbeitet mit lokale Produzenten zusammen, die Lebensmittel ohne Verpackung liefern. Produkte die verpackt werden müssen, wie Mehl stellt das Silo-Team selbst her.

          Noch ein Opfer der Energiewende

          Siemens in Offenbach : Noch ein Opfer der Energiewende

          Die Signale aus der Zentrale von Siemens machen für die Filiale Offenbach wenig Mut. Arbeitnehmervertreter geben sich aber nicht geschlagen. Sie halten die Pläne des Konzerns für unausgegoren – und verweisen auf offene Fragen in der Energiepolitik.

          Die von der FDP sind Spalter Video-Seite öffnen

          Gerd Müller : Die von der FDP sind Spalter

          Auch CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer und CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt äußern sich am Montag in Berlin enttäuscht über das Scheitern der Jamaika-Verhandlungen.

          Topmeldungen

          Unruhe bei Sozialdemokraten : Was will die SPD?

          Bloß keine Neuwahlen! Und bloß keine Große Koalition! Die SPD trägt ihren inneren Konflikt zur eigenen Zukunft mittlerweile offen aus.Parteichef Schulz steht bereits unter Beschuss. Wie viel Unterstützung hat er noch?
          Bei dem Unfall in der Münchner Innenstadt wurden zwei Personen schwerverletzt, ein Fahrer erlitt leichte Verletzungen.

          Bei Unfall in München : Über 200 Gaffer behindern Rettungskräfte

          Zahlreiche Schaulustige haben bei einem Unfall in der Münchner Innenstadt die Rettungskräfte zum Teil massiv behindert. Erst nach zahlreichen Platzverweisen kommen Polizei und Feuerwehr zu den Verletzten durch. Das könnte Konsequenzen haben.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.