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HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Arbeitszeitdebatte Kanzler beklagt Kulturverlust bei Daimler

16.07.2004 ·  Die Proteste der bei Daimler-Chrysler Beschäftigten werden an diesem Samstag abermals zu erheblichen Produktionsausfällen führen. Bundeskanzler Schröder hat vor einem neuen Grundsatzkonflikt über die Arbeitszeit gewarnt.

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n den Streit um die Sparpläne des Automobilherstellers Daimler-Chrysler hat sich Bundeskanzler Gerhard Schröder eingeschaltet. Er appellierte am Freitag in einem Fernsehinterview an die Konzernspitze und den Betriebsrat, ihren öffentlich ausgetragenen Streit zu beenden und gemeinsam nach Lösungen zu suchen. "Das ist zunächst einmal ein Beispiel für Verlust einer Kultur, auf die ich auch weiterhin setze", sagte Schröder. Es gehe nicht an, daß sich die Konfliktparteien öffentlich beschimpfen oder erpressen. Betriebsräte und Geschäftsleitung sollten sich zusammensetzen und das Problem gemeinsam lösen. Schröder erneuerte seine Kritik an einer "ideologisierten" Debatte über die Arbeitszeit. "Das ist alles Verbandsgegacker."

Die Proteste der Beschäftigten werden an diesem Samstag abermals zu erheblichen Produktionsausfällen führen. Im Mercedes-Hauptwerk in Sindelfingen würden rund 12.000 Mitarbeiter nicht zur Arbeit erscheinen, weil der Betriebsrat die Zustimmung zu Überstunden verweigert habe, sagte eine Sprecherin des Gesamtbetriebsrats in Stuttgart. Erstmals griff auch die IG-Metall-Spitze den Konzern direkt an. "Daimler-Chrysler reiht sich leider in die unsägliche Reihe der Trittbrettfahrer ein, die glauben, daß die Zeit günstig sei, mit der Angst der Arbeitnehmer zu spielen und ihnen alles abzuverlangen", sagte der stellvertretende Gewerkschaftsvorsitzende, Berthold Huber, der "Berliner Zeitung".

Der Daimler-Chrysler-Vorstand droht mit der Verlagerung von 6000 Arbeitsplätzen aus Sindelfingen nach Bremen und Südafrika, falls die Arbeitnehmer nicht einem Sparprogramm im Umfang von 500 Millionen Euro zustimmen. Als unstrittig gilt die Einführung einer 40-Stunden-Woche mit Lohnausgleich auf freiwilliger Basis für die Bereiche Forschung, Planung und Entwicklung und die Zentrale.

Debatte weitet sich aus

Die Debatte über längere Arbeitszeiten weitet sich aus. Am Freitag forderten die Arbeitgeber im Baugewerbe, Wochenarbeitszeiten von bis zu 42 Stunden zu ermöglichen. Dabei gehe es jedoch nicht um die pauschale Einführung einer 42-Stunden-Woche. In der Metall- und Elektroindustrie ist die Zahl der Betriebe, die Verhandlungen über eine unbezahlte Mehrarbeit mit der Gewerkschaft angekündigt haben, gestiegen. "Die meisten befinden sich aber noch in einem sehr frühen Stadium", sagte eine Sprecherin der IG Metall. Die Gewerkschaft werde prüfen, ob Mehrarbeit zu Sanierungszwecken notwendig sei. Vor gut zwei Wochen hatte IG-Metall-Chef Jürgen Peters noch von wenigen Einzelfällen gesprochen.

Nach Angaben des Arbeitgeberverbands Gesamtmetall haben mittlerweile 50 Unternehmen der Metall- und Elektroindustrie Abweichungen von tarifvertraglichen Standards vereinbart. Weitere 50 Anträge befänden sich noch "in der Pipeline". Tatsächlich seien es aber wohl noch mehr Unternehmen. Die IG Metall bezeichnete die Zahlen als übertrieben.

BMW unberührt

Über längere Arbeitszeiten wird derzeit auch bei dem Nutzfahrzeug- und Maschinenbaukonzern MAN gerungen. Nach dem Willen des Vorstands soll von September an wieder 40 Stunden gearbeitet werden. Die IG Metall kündigte dagegen am Freitag heftigen Widerstand an. Ein "Dammbruch" müsse verhindert werden. Unberührt zeigt sich indes der Münchner Automobilkonzern BMW von der Debatte. Das Unternehmen habe traditionell sehr flexible Arbeitszeitregelungen und daher momentan keine konkreten Pläne, längere Arbeitszeiten bei gleichem Lohn durchzusetzen, sagte der BMW-Vorstandsvorsitzende Helmut Panke in München. Carl-Peter Forster, Präsident von General Motors Europe, plädiert nicht grundsätzlich für eine 40-Stunden-Woche. Er hält sie aber als punktuellen Einsatz etwa für bestimmte Fertigungsbereiche innerhalb eines Werkes für sinnvoll.

Quelle: clb., Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.07.2004, Nr. 164 / Seite 11
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Von Susanne Preuß

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