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Arbeitsmarkt Zahl der Vollzeitstellen schrumpft

19.07.2005 ·  Der Arbeitsmarkt in Deutschland ist beweglicher geworden. Teilzeitarbeit und geringfügige Beschäftigung boomt. Die Bundesbank fordert dennoch mehr Deregulierung, weil die Zahl der Vollzeitarbeitsplätze schrumpft.

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Der Arbeitsmarkt in Deutschland ist beweglicher geworden. Die Deutsche Bundesbank konstatiert im Monatsbericht für Juli "eine beträchtliche Zunahme der Flexibilität des Arbeitseinsatzes". Sie fordert dennoch weitere gesetzliche Maßnahmen, um den Arbeitsmarkt im Interesse der Arbeitslosen noch flexibler zu gestalten.

Denn die schrumpfende Zahl der Vollzeitarbeitsstellen in Deutschland lasse sich nicht allein durch das Vordringen des Dienstleistungsbereichs oder die zunehmende Erwerbsbeteiligung von Frauen erklären, analysiert die Bundesbank. Sie sei Folge der steigenden Sozialabgabenlast, die sich wie ein Keil zwischen Arbeitskosten und Netto-Einkommen geschoben habe.

Strikte und asymmetrische Regulierung

Zudem trage die Arbeitsmarktregulierung dazu bei, daß die Arbeitsnachfrage sich zunehmend auf weniger geschützte Beschäftigungsformen wie Teilzeitarbeit oder geringfügige Beschäftigung ausrichte. Die OECD stufe die hiesigen Vorschriften zur Beschäftigungssicherheit als restriktiv ein, schreibt die Bundesbank. Deutschland belege unter 28 Ländern den 19. Platz. Die Lockerung mancher Bestimmungen in den vergangenen Jahren habe weniger Normalarbeitsplätzen gegolten, sondern atypischen Beschäftigungsverhältnissen. So seien für die Unternehmen Anreize entstanden, diese alternativen Beschäftigungsformen zu nutzen.

Die Bundesbank spricht sich dafür aus, diejenigen Sozialbeiträge vom Arbeitsentgelt zu entkoppeln, die keinen direkten Bezug zum Leistungsanspruch hätten und wie eine Steuer empfunden würden. Die Rahmenbedingungen sollten für die Normalarbeitsplätze so gestaltet werden, daß Neueinstellungen nicht erschwert, sondern erleichtert würden. Nicht zuletzt mahnt die Bundesbank größere Flexibilität bei der Lohnfindung an.

Fast 6 Millionen weniger Vollzeitarbeitsplätze

Das traditionelle Normalarbeitsverhältnis, also die abhängige Vollzeitbeschäftigung von unbefristeter Dauer, gehe inzwischen in fast allen Wirtschaftsbereichen zurück, analysiert die Bundesbank. Zwischen 1991 und 2004 schrumpfte die Zahl der Vollzeitbeschäftigten um fast 6 Millionen oder rund 20 Prozent auf 23,75 Millionen.

Dagegen verdoppelte sich die Zahl der Arbeitnehmer in Teilzeit einschließlich der nur geringfügig Beschäftigten auf 11 Millionen. Um 20 Prozent auf rund 4,25 Millionen stieg die Zahl der Selbständigen. Insgesamt gingen 2004 wie schon 1991 fast 39 Millionen Personen einer erwerbsmäßigen Arbeit nach. Im Gegensatz zu anderen Staaten hat Deutschland damit nach der Wiedervereinigung keinen nachhaltigen Beschäftigungsaufbau erreicht; der Aufstieg der Teilzeit ging rechnerisch zu Lasten der Vollzeitbeschäftigung.

Kein Tausch Vollzeit gegen Teilzeit

Die Bundesbank bestreitet aber die vielfach gegen die Flexibilisierung des Arbeitsmarktes vorgebrachte These, daß die Unternehmen in großem Stil Vollzeit- in Teilzeitstellen umwandelten. Der Rückgang der Vollzeitstellen habe weit überwiegend Männer betroffen, während von der Zunahme der Teilzeit vor allem Frauen profitiert hätten. Auch seien die Vollzeitstellen vor allem in der Industrie und am Bau abgebaut worden, während die Teilzeitstellen überwiegend im Dienstleistungsbereich und da vor allem im Handel und Gastgewerbe entstanden.

Offenbar ist der Wandel der Erwerbsarbeit Zeichen eines Strukturwandels und nicht von der Personalpolitik der Unternehmen abhängig. Für die Dienstleistungsbranche schließt die Bundesbank aber nicht aus, daß Vollzeit- durch Teilzeitstellen ersetzt wurden.

Teilzeitboom hilft Frauen

Die Teilzeitarbeit wird weit überwiegend von Frauen genutzt, auch wenn die Zahl der teilzeitbeschäftigten Männer sich seit 1993 mehr als verdoppelte. Von den rund 4,25 Millionen voll sozialversicherungspflichtigen Teilzeitbeschäftigten sind rund 3,5 Millionen oder 85 Prozent Frauen. In Ostdeutschland stieg der Anteil der teilzeitbeschäftigten Frauen in den vergangenen Jahren besonders stark, er liegt aber mit 25 Prozent nach wie vor niedriger als im Westen mit 33 Prozent.

Fast ebenso stark wie die versicherungspflichtige Teilzeitbeschäftigung sind nach Schätzungen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung in den vergangenen 15 Jahren die geringfügigen Beschäftigungsverhältnisse gewachsen. 2004 gab es rund 4,75 Millionen dieser Stellen, die durch höchstens 400 Euro Verdienst im Monat, eine fehlende Abgabenpflicht für die Arbeitnehmer und reduzierte Sozialbeiträge für Arbeitgeber gekennzeichnet sind.

Quelle: pwe. / F.A.Z., 19.07.2005, Nr. 165 / Seite 11
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Von Werner Mussler, Brüssel

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