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Arbeitsmarkt Wo Arbeitsplätze entstehen - und abgebaut werden

01.12.2006 ·  Nach einem überraschend starken Rückgang im November liegt die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland erstmals seit Oktober 2002 wieder unter der Marke von vier Millionen. Die positive Entwicklung erfaßt nicht alle Branchen.

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Nach einem überraschend starken Rückgang im November liegt die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland erstmals seit Oktober 2002 wieder unter der Marke von vier Millionen. Doch die positive Entwicklung erfaßt längst nicht alle Branchen.

Zeitarbeit

Das Geschäft mit der Überlassung von Arbeitnehmern hat einen enormen Schub erfahren. Die Zahl der im Jahresdurchschnitt entsandten Mitarbeiter ist zwischen 2002 und 2005 um rund ein Drittel auf 444.000 gestiegen. „Wir erwarten, daß wir im laufenden Jahr die Marke von einer halben Million deutlich überschreiten werden“, sagt Thomas Läpple vom Bundesverband Zeitarbeit und Personaldienstleistungen. Die Branche rechnet auch für das kommende Jahr mit einem zweistelligen Wachstum. Mittlerweile hätten viele Anbieter Probleme bei der Rekrutierung: Nicht nur Ingenieure seien rar am deutschen Arbeitsmarkt, auch die Suche nach Facharbeitern gestalte sich zunehmend schwierig.

Läpple nennt zwei Gründe für die große Nachfrage: Zum einen hat der Gesetzgeber einen längeren Einsatz beim Kunden ermöglicht, weshalb Zeitarbeitnehmer etwa als Vertretung während der Elternzeit zunehmend gefragt seien. Außerdem habe unter anderem der Abschluß von Tarifabschlüssen geholfen, die Imageprobleme der Branche weitestgehend zu lösen. Gerade kleinere und mittelständisch geprägte Unternehmen entdeckten das befristete Engagement zunehmend als Möglichkeit einer flexiblen Personalentwicklung für sich.

Metall- und Elektroindustrie

In der Metall- und Elektroindustrie, die mehr als 3,4 Millionen Menschen beschäftigt, sind in den zurückliegenden Monaten im Saldo rund 25.000 zusätzliche Arbeitsplätze entstanden. Darüber hinaus dürften etwa 15.000 Zeitarbeitskräfte eingestellt worden sein, schätzt man beim Arbeitgeberverband Gesamtmetall. Diese positive Beschäftigungsentwicklung dürfte sich auch in den ersten sechs Monaten des kommenden Jahres fortsetzen, da sich die Branchenkonjunktur weiterhin gut entwickeln werde – wenn auch mit etwas kleineren Schritten als im laufenden Jahr. In der Regel erfolge etwa die Hälfte der Neueinstellungen nur befristet. So können die Unternehmen die Mitarbeiter testen und brauchen sie nicht zu übernehmen, falls die Konjunktur abflauen sollte.

Telekommunikation

Die Schlagzeilen werden derzeit vor allem vom Stellenabbau beherrscht: Von der Pleite von BenQ sowie den Kürzungsplänen der Telekom und der Festnetzsparte von Siemens. Jenseits dieser spektakulären Fälle kennt die Telekom-Branche mit ihren rund 750.000 Mitarbeitern aber auch Erfolgsgeschichten: In den Märkten für IT-Dienstleistungen und Software, die zusammen auf knapp 50 Milliarden Euro geschätzt werden, entstehe derzeit Beschäftigung, sagt Maurice Shahd vom Branchenverband Bitkom.

Bei den einstellenden Unternehmen handele es sich sowohl um kleinere Agenturen, welche Internetseiten gestalten, als auch um Suchmaschinen oder Online-Kaufhäuser. Auch hier gestaltet sich die Suche nach Spezialisten schwierig. Eine Bitkom-Umfrage ergab, daß jedes zweite Unternehmen derzeit Probleme hat, geeinigtes Personal zu finden.

Bauwirtschaft

Im Bauhauptgewerbe ist die Zahl der Arbeitslosen im November mit 126.000 auf den tiefsten Stand seit zehn Jahren gefallen. Die Branche werden den Arbeitsmarkt in diesem Jahr erstmals nicht mehr belasteten, heißt es übereinstimmend beim Hauptverband der Deutschen Bauindustrie und in der IG Bau. Das neue Saisonkurzarbeitergeld dürfte den Arbeitsmarkt zusätzlich entlasten, da es den Unternehmen ermögliche, ihre Kapazitäten über den Winter zu halten. Mit etwas Glück werde sich die Beschäftigung im Jahresdurchschnitt stabilisieren. In den ersten Monaten habe es zwar noch kräftige Stellenverluste gegeben, die seit Mai aber aufgeholt würden. Im Oktober habe die Beschäftigung um 14.000 über dem Vorjahr gelegen. „Die Trendwende ist geschafft.“

Vor allem in Bayern, Baden-Württemberg und Hessen werde zum Teil schon über einen Arbeitskräftemangel geklagt. Für 2007 geht die Branche von einer weiteren Stabilisierung aus. Die Umsatzerwartungen würden im Januar nach oben korrigiert. Zwar fielen dann die durch die Abschaffung der Eigenheimzulage, die angekündigte Mehrwertsteuererhöhung und das Programm zur energetischen Gebäudesanierung ausgelösten Vorzieheffekte im Wohnungsbau weg. Die Einbußen seien aber nicht so drastisch, daß dadurch die positive Entwicklung im Wirtschaftsbau aufgezehrt werde.

Versicherungen

Die deutsche Versicherungswirtschaft baut nun schon im vierten Jahr Stellen ab und das auch noch in wachsendem Tempo. Von 2002 bis 2005 sind rund 7 Prozent der Arbeitsplätze verlorengegangen. Allein in diesem Jahr waren es weitere 3 Prozent, sodaß nur noch 226.000 Stellen übrig sind, etwa 22.000 weniger als zu Beginn des Abbaus.

Rasche Besserung ist nicht in Sicht, denn in diesen Zahlen ist der von vielen großen Konzernen angekündigte Abbau nur zum Teil enthalten sein. Die Sparprogramme von Allianz, Talanx, AMB Generali und DBV Winterthur sind erst im Jahr 2008 vollständig umgesetzt. Der Präsident des Branchenverbandes GDV, Bernhard Schareck, rechnet deshalb damit, daß der Stellenabbau noch etwa fünf Jahre andauern wird, ehe es im Saldo wieder zu einer Zunahme kommen kann.

Quelle: F.A.Z., 01.12.06, svs., nf., ruh.
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