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Arbeitsmarkt Regierungsbeauftragter will Behinderte stärker integrieren

 ·  Behinderte werden zu sehr auf die Arbeit in speziellen Werkstätten beschränkt, sagt der Regierungsbeauftragte Hüppe. Dabei biete ihre Beschäftigung im ersten Arbeitsmarkt viel Potential.

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Immer ist von den Frauen die Rede, von den Älteren und den Jungen mit Migrationshintergrund. Sie sind diejenigen, auf die Politik und Wirtschaft zählen, um den Fachkräftemangel in den nächsten Jahren einzudämmen. Motiviert werden sollen Arbeitslose, Minijobber und Teilzeitbeschäftigte. Dem Beauftragten der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen, Hubert Hüppe, reicht das nicht. Er will das Augenmerk auf die Schwerbehinderten lenken.

Sie werden seiner Ansicht nach zu sehr auf die Arbeit in Sondereinrichtungen beschränkt, könnten aber stärker auf dem ersten Arbeitsmarkt integriert werden. „Nicht in jedem Betrieb wird die Einstellung eines behinderten Menschen passen. Aber es sollte sich herumsprechen, dass es sich lohnt“, sagte Hüppe der F.A.Z. in Berlin. „In Deutschland haben wir nur gelernt, zuerst die Defizite eines Menschen zu sehen. Dabei bringt es viel mehr, wenn wir uns seine Fähigkeiten anschauen. Die Qualifikationen von Menschen mit Behinderungen kommen in der Vermittlung zu selten zum Tragen.“ In der Vergangenheit seien die „Sonderwelten“ in Kindergarten, Schule und Beruf immer gepflegt worden, so dass fast niemand darüber Erfahrung im Umgang mit Behinderten habe. In den Unternehmen gebe es häufig Berührungsängste, die aber abgebaut werden könnten.

Die Chancen am Arbeitsmarkt haben sich in den vergangenen Jahren auch für Behinderte verbessert. 2011 lebten in Deutschland mehr als 3,2 Millionen schwerbehinderte Menschen im erwerbsfähigen Alter. Die Art ihrer Behinderungen - meistens sind sie nicht angeboren - variiert stark: Sie sind blind oder taub, gehbehindert, leiden unter einer psychischen Störung oder Lernbehinderung. Wie viele Behinderte heute schon im ersten Arbeitsmarkt tätig sind, ist nicht bekannt. 300.000 arbeiten in Werkstätten. „Dieses Sondersystem wächst. Die es betreiben, sind auch nicht besonders interessiert, dass sich das ändert“, kritisiert Hüppe. Jedes Jahr kämen 7000 Plätze in Werkstätten hinzu. Hüppe findet, dass das Geld, das dorthin fließt, besser zur Unterstützung von Behinderten in Betrieben genutzt werden sollte. „Die Sonderwelten müssen aufgebrochen werden.“ Nach Hüppes Überzeugung sollten Eltern von Behinderten über das Budget, das die Förderung in Berufsbildungswerken oder Werkstätten kostet, selbst entscheiden dürfen.

Behinderte haben positive Auswirkungen auf das Betriebsklima

In der Statistik der Bundesagentur für Arbeit findet sich die Feststellung: Der Anteil von Fachkräften unter behinderten Menschen sei etwas höher als unter nicht behinderten Menschen. Dennoch finden behinderte Arbeitslose seltener einen Arbeitsplatz auf dem ersten Arbeitsmarkt. Sie sind in der Regel länger arbeitslos als nicht behinderte; der Anteil der Langzeitarbeitslosen unter ihnen ist weitaus größer. Gerechtfertigt findet Hüppe das nicht: „Der Behinderungsgrad sagt nichts über die berufliche Leistungsfähigkeit eines Menschen aus.“ Außerdem wirkten sich Ausbildung und Beschäftigung von Menschen mit Behinderungen positiv auf das Betriebsklima aus. Das Unternehmen könne für sich zudem einen Imagegewinn erreichen.

An diesem Donnerstag beginnt Hüppe, dessen Stelle im Bundesarbeitsministerium angesiedelt ist, mit der Konferenz-Reihe „Unternehmen Inklusive Arbeit - Mehrwert durch Beschäftigung von Menschen mit Behinderungen“. Unternehmen, Verbände und Politik sollen sich über neue Wege der Fachkräftesicherung austauschen. Dem Auftakttreffen in Berlin folgen in den nächsten Monaten regionale Konferenzen. Sie sollen dazu beitragen, behinderte Menschen stärker in den Blick von Personalverantwortlichen zu rücken, besonders in kleinen und mittleren Unternehmen.

Arbeitnehmer und Unternehmen finden viel Unterstützung

Sinkende Geburtenraten stellen Arbeitgeber vor neue Herausforderungen, auch in der betrieblichen Ausbildung. Berufsausbildung und Weiterbeschäftigung von jungen Menschen mit Behinderungen gewinnen daher an Bedeutung. Unternehmen können finanzielle Leistungen wie Zuschüsse zur Ausbildungsvergütung und zu den Gebühren der Berufsausbildung sowie bei der Schaffung neuer Ausbildungsplätze für behinderte Menschen erhalten. Auch eine Kombination von betrieblicher und außerbetrieblicher Berufsausbildung ist möglich. Auf den Konferenzen zeigen Unternehmen, die schon auf konkrete Erfahrungen zurückblicken können, welche Potenziale in der Einstellung von Menschen mit Behinderungen liegen.

Um die Chancen von Menschen mit Behinderung zu verbessern, finden Arbeitnehmer und Unternehmen viel Unterstützung. Arbeitagenturen, Jobcenter, Sozialämter und Rehabilitationsträger gewähren Hilfen bei den Lohnkosten, Probearbeitsverhältnissen und für eine behindertengerechte Arbeitsplatzausstattung.

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Jahrgang 1963, Wirtschaftskorrespondentin in Berlin.

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