18.02.2005 · Die Arbeitslosigkeit in Deutschland nähert sich im Februar der Marke von 5,2 Millionen Menschen. Ein saisonal bedingter Anstieg der Arbeitslosenzahl und weitere Auswirkungen der statistischen Umstellung sind der Grund.
Die Arbeitslosigkeit in Deutschland nähert sich im Februar der Marke von 5,2 Millionen Menschen. „Die 5,5 Millionen, die derzeit durch die Presse geistern, sind deutlich zu hoch gegriffen und basieren auf unseriösen Schätzungen“, erklärte ein der Bundesagentur für Arbeit (BA) nahestehender Informant am Freitag gegenüber Dow Jones Newswires. Saisonal bedingt komme es im Februar zu einem Anstieg der absoluten Arbeitslosenzahl um rund 30.000.
Zudem werden den Angaben zufolge wahrscheinlich noch weitere 100.000 Personen in die Statistik aufgenommen, die bislang Sozialhilfe bezogen haben. Damit würde der Anstieg insgesamt bei 130.000 Personen liegen. Im Januar hatte die BA einen Stand von 5,037 Millionen vermeldet.
Keine offizielle Bestätigung der Zahlen
Offiziell bestätigen wollte die BA die Angaben nicht. „Zu Größenordnung der Zahlen äußern wir uns grundsätzlich nicht. Aber das es im Februar zu einem weiteren Anstieg kommt, ist offensichtlich. Die endgültigen Zahlen für Februar legen wir am 1. März vor“, erklärte ein Sprecher der BA. Schon bei der Vorlage der Daten für Januar hatte das Vorstandsmitglied Heinrich Alt erklärt, daß der Spitzenwert im ersten Monat des laufenden Jahres noch nicht erreicht sei.
Auch Bundeswirtschaftsminister Clement hatte am Vortag in einer Bundestagsdebatte erklärt, daß sich „der Arbeitsmarkt in einem bedrückenden Zustand befindet und die Arbeitsmarktzahlen im Februar noch deutlich schlechter sein werden als sie es bisher waren“. Zum einen sei dies auf die Zusammenlegung von Arbeitslosen- und Sozialhilfe zurückzuführen und zum anderen auf das schwache Wirtschaftswachstum.
Nach Angaben des der BA nahestehenden Informanten habe sich die wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland jedoch nicht auf die Zahlen im Februar ausgewirkt. Das größte Problem seien vor allem die Meldungen der Kommunen, die beschlossen haben, die Arbeitsvermittlung selbst zu übernehmen. „Was die melden ist das eine. Ob es sich bei den gemeldeten Personen jedoch auch um erwerbsfähige handelt, die in die Statistik aufgenommen werden müssen, ist etwas ganz anderes. Der Zeitraum zur Überprüfung ist allerdings recht knapp“, sagte der Informant.
Unsicherheit über die Entwicklung auch bei Ökonomen
„Bild am Sonntag“ hatte am vergangenen Wochenende gemeldet, daß die Bundesregierung im Februar einen Anstieg der Arbeitslosen auf bis zu 5,5 Millionen Menschen rechnet. Schuld daran seien die Sozialämter, schrieb die Zeitung unter Berufung auf Einschätzungen der rot-grünen Regierungskoalition. Viele Sozialämter hätten nicht nur erwerbsfähige Bezieher von Sozialhilfe an die Arbeitsagenturen gemeldet, wie im Hartz-IV- Gesetz vorgesehen, sondern fast alle Bezieher von Sozialhilfe.
„In der Februar-Statistik werden diese Leute mit Sicherheit nicht erfaßt, da sie nicht erwerbsfähig sind“, so der BA-Informant. Bei einer seriösen Prognose der Februar-Daten tun sich wegen der Hartz-IV-Gesetze jedoch derzeit auch die Volkswirte schwer. „Einen Anstieg um 100.000 Personen bei den nicht-bereinigten Zahlen würde ich nicht ausschließen“, erklärte Andreas Scheuerle von der Deka-Bank. Es sei jedoch bei diesen Zahlen diesmal eher ein Raten, wie die politischen Maßnahmen greifen, und wie stark der Staat der erwartet negativen Entwicklung durch das Schaffen von Ein-Euro-Jobs begegnet ist.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.369,63 | −1,76% |
| Dow Jones | 12.443,90 | −1,09% |
| EUR/USD | 1,2398 | −0,72% |
| Rohöl Brent Crude | 103,49 $ | −3,14% |
| Gold | 1.579,50 $ | 0,00% |
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