07.01.2005 · In Deutschland sind etwa 400.000 Menschen bei Zeitarbeitsfirmen beschäftigt. Das sind zwar 26 Prozent mehr als ein Jahr zuvor, im internationalen Vergleich aber immer noch wenig.
Die Zeitarbeit in Deutschland kommt in Schwung. Die Zahl der Entleihkräfte hat nach Angaben des Bundesverbands Zeitarbeit (BZA) im vergangenen Jahr eine neue Rekordmarke erreicht. Zur Jahresmitte zählte die Bundesagentur für Arbeit (BA) knapp 400 000 Zeitarbeitskräfte. Dies sind 26 Prozent mehr als ein Jahr zuvor.
Damit arbeiteten 1,5 Prozent der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten bei einem der Personaldienstleister. Bisher lag der Anteil bei nicht einmal einem Prozent. "Dies belegt das enorme Potential der Zeitarbeitsbranche in Deutschland", folgert BZA-Sprecher Thomas Läpple. Im internationalen Vergleich rangiert Deutschland aber immer noch abgeschlagen hinter Ländern wie Großbritannien oder den Niederlanden. Für das Gesamtjahr 2004 erwartet der Verband 15 Prozent mehr Zeitarbeitskräfte als vor Jahresfrist und einen geschätzten Umsatzschub zwischen 8 und 10 Prozent.
Zeitarbeitskräfte statt neuer Mitarbeiter
Die überraschend starken Halbjahreszahlen müssen jedoch relativiert werden. So waren zur Jahresmitte allein 26 000 Menschen bei Personal-Service-Agenturen unter Vertrag, die Arbeitslose mit Hilfe von staatlichen Zuschüssen in Beschäftigung überlassen. Ungeachtet der PSA-Mitarbeiter kam die Branche den Angaben zufolge auf ein Beschäftigtenwachstum von 14,4 Prozent. Darüberhinaus dürfte auch die große Zahl von Mitarbeitern in Beschäftigungsgesellschaften krisengeschüttelter Unternehmen zu statistischen Verzerrungen führen. Ferner hatte die Zeitarbeit zum Vergleichszeitpunkt ein Jahr zuvor einen Tiefpunkt erreicht, da die Konjunktur erst im dritten Quartal 2003 leicht angezogen war.
Vor allem die großen Zeitarbeitsunternehmen spüren jedoch eine zunehmende Personalnachfrage. "Die Unternehmen warteten 2004 ab und stellten zunächst keine neuen Mitarbeiter ein, sondern setzten stattdessen Zeitarbeitskräfte ein", sag der Deutschlandchef des international größten Zeitarbeitskonzerns Adecco, Elmar Hoff. Nach einer Faustregel zieht das Geschäft der Zeitarbeit ab einem gesamtwirtschaftlichen Wachstum von 1,5 Prozent an. Die Nachfrage nach regulär beschäftigten Kräften folgt erst mit einiger Verzögerung. Hier liegt die sogenannte Beschäftigungsschwelle bei 2 bis 3 Prozent Wachstum. Für dieses Jahr erwarten die Wirtschaftsforschungsinstitute ein Wachstum zwischen 0,8 und 1,8 Prozent.
Gleicher Lohn wie der Stammbelegschaft
Neben der anziehenden Konjunktur treiben aus Sicht der Unternehmen auch strukturelle Faktoren Umsatz und Beschäftigung. "Die Akzeptanz der Zeitarbeit hat sich erhöht", sagt Dominik de Daniel, Finanzvorstand der börsennotierten Deutscher Industrie Service AG (DIS). Hätten bisher viele Betriebsräte den Einsatz von Leiharbeitnehmern blockiert, mache sich jetzt ein Einstellungswandel bemerkbar.
Dazu beigetragen hätten auch die neuen Branchentarifverträge. Seit Dezember 2002 sind die Zeitarbeitsunternehmen verpflichtet, ihren Mitarbeitern entweder den gleichen Lohn wie der Stammbelegschaft im Entleihbetrieb zu bezahlen oder einen Tarifvertrag zu schließen. Diese gesetzliche Regelung hat das Bundesverfassungsgericht am Mittwoch bestätigt (F.A.Z. vom 6. Januar). Mittlerweile hat sich der überwiegende Teil der Dienstleister einem der Tarifvereinbarungen angeschlossen.
60 Prozent finden regulären Arbeitsplatz
Aus Sicht des BZA drücken die Tarifverträge allerdings auf die Ertragsmargen. Dies bekämen vor allem diejenigen Betriebe zu spüren, die sich auf die Überlassung niedriger entlohnter Kräfte konzentrierten. Deren Personalkosten fielen jetzt deutlich höher aus als noch vor einem Jahr und könnten nicht in voller Höhe an die Kundenbetriebe weitergegeben werden. Gleichzeitig drücke die Konkurrenz mit den subventionierten Personal-Service-Agenturen insbesondere im Osten auf die Preise.
Weiterhin dient die Zeitarbeit für viele Arbeitslose als Brücke in Beschäftigung. Nach Verbandsangaben sind knapp 70 Prozent der neu eingestellten Kräfte zuvor arbeitslos gewesen. Mehr als 60 Prozent von ihnen fänden über die Zeitarbeit einen regulären Arbeitsplatz. Den wichtigsten Einsatzbereich bildet die gewerbliche Wirtschaft, es folgen mit weitem Abstand die Dienstleistungsberufe sowie kaufmännische und technische Tätigkeiten. Die seit Mitte des Jahres 2003 andauernde Aufwärtstendenz schlägt sich auch in den Unternehmensgründungen nieder. So seien zum Stichtag 30. Juni knapp 200 neue Unternehmen entstanden, die Gesamtzahl liege damit bei 4526. Gleichzeitig eröffneten die bestehenden Firmen etwa 500 neue Niederlassungen. Zu den Unternehmensaufgaben lagen dem Verband keine Zahlen vor.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.368,99 | −1,80% |
| Dow Jones | 12.437,90 | −1,14% |
| EUR/USD | 1,2393 | −0,76% |
| Rohöl Brent Crude | 103,60 $ | −3,04% |
| Gold | 1.579,50 $ | 0,00% |
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