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Arbeitsmarkt Mehr Einstellungen als Entlassungen

04.04.2006 ·  Die Wende am Arbeitsmarkt macht sich allmählich bemerkbar. Die Reihe der Unternehmen, die einstellen, wird wieder länger. Der Bedarf der Flugzeug-Industrie an neuen Arbeitskräften ist so groß, daß bereits ein Mangel an Facharbeitern herrscht.

Von Georg Giersberg
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In den deutschen Arbeitsmarkt kommt Bewegung. Im ersten Quartal dieses Jahres sind mehr Einstellungen (34.600) angekündigt worden als Entlassungen (32.750). Diese Wende im vierteljährlichen Überblick über die Einstellungspolitik der Unternehmen dieser Zeitung wird durch Ergebnisse regelmäßiger Umfragen der Zeitarbeitsfirma Manpower gestützt.

Auch nach dieser Umfrage, an der 1.000 Unternehmen teilnehmen, ist vom vierten Quartal 2005 zum ersten Quartal 2006 die Wende zugunsten von mehr Einstellungen eingetreten. Noch im Dezember wollten nur 7 Prozent der Unternehmen neue Mitarbeiter einstellen, aber 11 Prozent der Unternehmen sich von Mitarbeitern trennen.

Im März hatte sich die Zahl der einstellungswilligen Unternehmen auf 14 Prozent verdoppelt. Da gleichzeitig die Zahl der Unternehmen, die Entlassungen planen, auf 9 Prozent zurückging, war erstmals der Beschäftigungssaldo eindeutig positiv. Und das nach einem Vorjahr, wo die F.A.Z.-Statistik mit 162.000 mehr als doppelt so viele Entlassungsankündigungen zählte als Einstellungsankündigungen, die sich auf 71.500 beliefen.

Arbeitsmarkt im Flugzeugbau ist leergefegt

Zu den einstellungswilligsten Unternehmen gehört die Deutsche Lufthansa. Schon Anfang Januar kündigte sie an, 2.400 Stellen schaffen zu wollen, darunter 1.420 für Flugbegleiter, 220 für Mitarbeiter in der Passagierabfertigung, 180 für Pilotenschüler und 330 für Auszubildende. Die Fluggesellschaft war damit der einstellungsfreudigste Einzelarbeitgeber im abgelaufenen Quartal, gemessen an den Ankündigungen. Es folgten das Logistikunternehmen Dachser sowie die Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft KPMG.

Deutsche Arbeitnehmer profitieren aber auch deutlich vom wirtschaftlichen Erfolg des europäischen Flugzeugbauers Airbus. Nicht nur für die endlich genehmigte Wartungshalle in Frankfurt - sie schlägt sich in den Zahlen der Lufthansa nieder -, sondern vor allem in der Fertigung in Hamburg muß kräftig erweitert werden. Davon profitieren auch Zulieferer, darunter das Wiesbadener Ingenieurunternehmen Rücker, das immerhin 300 neue Stellen für Ingenieure schafft, weil die Zulieferungen zur Luftfahrtindustrie wie zu den Automobilherstellern stark zunehmen. Im Flugzeugbau sei der Arbeitsmarkt sogar leergefegt, heißt es bei der Nürnberger Bundesagentur für Arbeit. Eine hohe Nachfrage nach Arbeitskräften registriere man aber auch bei EDV- und Softwareunternehmen - SAP steht ziemlich weit oben auf der Liste der einstellungswilligen Unternehmen.

Nach wie vor herrscht Zurückhaltung

Langsam schlägt sich aber offenbar der gute Export, der wie bei Airbus in den meisten Unternehmen der Grund der Neueinstellungen ist, auch in der inländischen Nachfrage nieder und damit auch im Handel. Denn noch unter den ersten zehn Arbeitsplatzschaffern im ersten Quartal finden sich auch Einzelhandelsunternehmen wie die niedersächsische Drogeriekette Rossmann oder das schwedische Möbelhaus Ikea, auf unteren Plätzen folgen auch der Internethändler Amazon, der Fernsehversender QVC oder der Lebensmittelhändler Edeka.

Noch ist auch nicht sicher, ob in den steigenden Zahlen von Neueinstellungen wirklich „eine Mentalität des Anpackens die Oberhand gewonnen hat“, wie Manpower-Chef Thomas Reitz die Zahlen vom März kommentiert. Denn nach wie vor herrscht Zurückhaltung. Das zeigt schon ein Blick auf die Einstellungstabelle, die von drei Zeitarbeitsunternehmen angeführt wird. Viele Firmen versuchen offenbar, die gute Auftragslage erst einmal mit Zeitarbeitskräften abzuarbeiten, bevor sie an feste Neueinstellungen denken. Aber auch wenn die Zeitarbeitsbranche noch immer ein Imageproblem hat, so entstehen hier doch Dauerarbeitsplätze in großem Umfang. Allein Adecco beschäftigt in Deutschland weit mehr als 30.000 Mitarbeiter.

Export ist in robuster Verfassung

Für die kommenden Monate sehen die Aussichten gut aus. Die Fußball-Weltmeisterschaft wird Arbeitsplätze schaffen. Auch in der Genehmigung von Großprojekten scheint sich der Stau aufzulösen. Nachdem die Wartungshalle für den Airbus 380 in Frankfurt ebenso genehmigt wurde wie der Bau des Großflughafens Berlin-Brandenburg, ist vor wenigen Tagen auch der Vertrag für den neuen Tiefseehafen bei Wilhelmshaven unter Dach und Fach gekommen. Nur die Erweiterung des Rhein-Main-Flughafens in Frankfurt um eine neue Landebahn steht noch aus. Auch von diesen Großprojekten dürfte eine positive Wirkung auf den Arbeitsmarkt ausgehen, der auch noch die positiven Impulse aus dem vergangenen Jahr zu bewältigen hat wie den Bau eines Vertriebsstandortes durch den Computerhersteller Dell in Halle an der Saale oder das neue Logistikzentrum von Amazon in Leipzig.

Außerdem ist der Export in einer weiterhin robusten Verfassung. Bei Unternehmen mit starkem Auslandsgeschäft und Dienstleistern, die mit exportstarken Industrieunternehmen zusammenarbeiten, sei die Bereitschaft zur Schaffung neuer Stellen überdurchschnittlich hoch, so eines der Ergebnisse der Frühjahrs-Konjunkturumfrage der DIHK. Hier werden sich auch im laufenden Jahr noch die Einstellungsankündigungen der Unternehmensberater und Wirtschaftsprüfer aus dem vergangenen Jahr auswirken. Die KPMG hatte für 2006 etwa 1.200 Einstellungen angekündigt, PWC und Accenture jeweils etwa 1.000 und auch Ernst & Young noch einmal 700.

Gibt es eine Trendwende?

Die Zahlen könnten nach oben revidiert werden; denn sowohl der Geschäftsklimaindex des Münchener Ifo-Instituts als auch andere Indizes, etwa der Einkäuferindex, zeigen Höchstwerte, wie sie seit dem Ende des Booms im Jahr 2000 nicht wieder erreicht worden sind. Es besteht also eine Chance, daß der positive Beschäftigungssaldo nicht nur ein positiver Ausrutscher war, sondern eine Trendwende ist, auch wenn vielerorts vor allem die Erhöhung der Mehrwertsteuer zum 1.Januar 2007 schon wieder als Konjunktur- und vor allem als Beschäftigungsbremse gesehen wird.

Quelle: F.A.Z., 04.04.2006, Nr. 80 / Seite 20
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Jahrgang 1955, Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Menschen und Wirtschaft“.

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