21.04.2005 · Geht es nach Heinrich Alt, dem Vizechef der Bundesagentur für Arbeit, wird künftig jeder zweite Saison-Job in der Ernte mit Deutschen besetzt. Derzeit kommen 86 Prozent der 320.000 Saisonarbeiter aus dem Nachbarland Polen.
Die Bundesagentur für Arbeit (BA) will den Anteil deutscher Erntehelfer in der Landwirtschaft in den kommenden Jahren deutlich steigern.
Längerfristig solle jeder zweite Saison-Job in der Ernte mit Deutschen besetzt werden, sagte der Vizechef der BA, Heinrich Alt, am Donnerstag. Derzeit kämen etwa 86 Prozent der rund 320.000 Saisonarbeiter aus dem Nachbarland Polen. Alt und die BA wollen die Zahl der deutschen Beschäftigten bei der Spargel- und Gurkenernte oder bei der Weinlese künftig jährlich um 15 Prozent steigern.
„Grüne“ Personalservice-Agentur
Alt und BA-Vorstandschef Jürgen Weise berieten ihre Pläne gemeinsam mit dem Präsidenten des Bauernverbands, Gerd Sonnleitner, und anderen Vertretern der Landwirtschaft sowie der Gewerkschaften auf einem Treffen der Grünen-Bundestagsfraktion zum Thema "Vermittlung von Arbeitslosen in die Landwirtschaft".
Dabei sei die Einrichtung einer "grünen" Personalservice-Agentur (PSA) für die Landwirtschaft vorgeschlagen worden, erklärte die stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Grünen, Thea Dückert. Diese PSA habe die Aufgabe, Erwerbslose für die Arbeit in der Landwirtschaft und in den grünen Berufen zu qualifizieren und sie dann unbürokratisch an landwirtschaftliche Betriebe bei der Ernte auszuleihen. Alt kündigte an, daß die BA dieses Modell prüfen wolle.
Ernüchternde Ergebnisse Ende der neunziger Jahre
Der Bauernverband widersprach nach dem Treffen allerdings Darstellungen Alts, wonach bereits genaue Zahlen über den verstärkten Einsatz deutscher Erntehelfer zwischen Landwirtschaft und BA abgesprochen seien. "Eine Vereinbarung gibt es nicht", sagte ein Sprecher. Sonnleitner hatte den Abgeordneten gesagt, daß deutsche Arbeitslose bei der Ernte willkommen seien, "wenn sie leistungsbereit und zuverlässig die Arbeiten ausführen".
Die Erntearbeiten setzten nun einmal die Bereitschaft und Fitneß für körperliche Anstrengungen voraus. Zudem sei ein Einsatz an sieben Arbeitstagen je Woche bei Wind und Wetter erforderlich. Sonnleitner erinnerte daran, daß Modellversuche mit deutschen Arbeitslosen Ende der neunziger Jahre ernüchternde Ergebnisse gezeigt hätten. Tatsächlich seien nur etwa 20 Prozent der Arbeitslosen wirklich zur Ernte erschienen.
Gute Erfahrungen mit Saisonkräften aus Osteuropa
Um Ausfälle bei deutschen Kräften zu vermeiden, soll es nach Angaben Alts für die Erntehelfer künftig körperliche Trainings geben. "Die Landwirtschaft braucht die Garantie, daß wir Saisonarbeitskräfte in geeigneter Zahl zur Verfügung stellen", sagte er. Die Landwirte sollten daher auch stärker an der Auswahl motivierter und fähiger Saisonkräfte beteiligt werden. In diesem Jahr haben die Überlegungen der BA allerdings noch keine Konsequenzen. Die 320.000 Arbeitserlaubnisse für ausländische Saisonarbeiter seien erteilt und würden ausgeschöpft. Zudem hat die Ernte zum Beispiel bei Spargel in diesen Tagen bereits begonnen.
Sonnleitner lobte die hohe Motivation der Saisonarbeitskräfte aus Osteuropa. Die Bauern hätten gute Erfahrungen mit ihnen gemacht. Er wies darauf hin, daß diese Beschäftigten seit dem EU-Beitritt Polens insgesamt 48 Prozent ihres Lohnes an die polnische Sozialversicherung zu zahlen hätten. Er forderte die Bundesregierung auf, mit der polnischen Regierung Sonderregelungen zu vereinbaren. Andernfalls müßten die Betriebe ihren Gemüseanbau verringern.
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