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Veröffentlicht: 08.01.2017, 21:30 Uhr

Arbeitsmarkt Immer mehr Ruheständler arbeiten

Ruhestand heißt Ruhe von der Arbeit? Von wegen! Der neue Trend sieht anders aus. Noch spannender ist: Die arbeitenden Senioren scheinen es wirtschaftlich gar nicht nötig zu haben.

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© dpa Nicht aus Not, sondern aus Zeitvertreib: Das ist der Grund, warum viele Senioren arbeiten.

Die Zahl der Beschäftigten, die auch jenseits der gesetzliche Altersgrenze weiterarbeiten, steigt kräftig an. Neue Daten der Bundesagentur für Arbeit zeigen, dass im vergangenen Jahr erstmals mehr als 200000 Ruheständler einer sozialversicherungspflichtigen Arbeit nachgingen. Dies ist ein Anstieg um 52 Prozent seit dem Jahr 2011 – obwohl das Renteneintrittsalter seither um fünf Monate angehoben wurde.

Dietrich Creutzburg Folgen:

Gemessen an gut 8 Millionen Menschen im Alter zwischen 65 und 75 Jahren sind zwar 202.457 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte zwar nur ein geringer Anteil. Allerdings spielen neben diesen Normalarbeitsverhältnissen auch noch andere Erwerbsformen von Menschen im Rentenalter eine Rolle. So gingen laut Arbeitsagentur weitere 899.955 Menschen im Rentenalter einem Minijob nach. Dies entspricht einem Anstieg um 16 Prozent innerhalb der vergangenen fünf Jahre.

 
Immer mehr Ruheständler arbeiten - nicht aus Not, zum Zeitvertreib!

Doch selbst damit nicht genug – außerdem üben auch viele Senioren eine selbständige Tätigkeit aus. Das zeigen Daten des europäischem Statistikamtes Eurostat. Danach gab es in Deutschland im vergangenen Jahr insgesamt 350.000 Selbständige im Alter von 65 bis 74 Jahren. Dies sind 100.000 mehr als vor fünf Jahren, was einem Anstieg um 40 Prozent entspricht. In der Regel handelt es sich dabei nicht etwa um langjährige Berufsunternehmer, die keinen Nachfolger für ihr Unternehmen finden, sondern tatsächlich um Rentner, die auch im Ruhestand aktiv sein wollen. Etwa zwei Drittel der unternehmerisch tätigen Senioren sind Selbständige ohne Angestellte.

Vor allem die höher Gebildeten arbeiten

Entgegen einer oft geäußerten Vermutung deutet wenig darauf hin, dass die Ruheständler vor allem deswegen arbeiten, weil ihr Alterseinkommen sonst nicht ausreicht. So hat schon eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) für das Jahr 2011 gezeigt, dass das mittlere Haushaltsnettoeinkommen der erwerbstätigen Senioren damals 2000 Euro im Monat betrug. Davon entfielen 700 Euro auf den Arbeitsverdienst. Als durchschnittlichen Stundenlohn der erwerbstätigen Senioren ermittelte DIW-Forscher Karl Brenke damals 21,41 Euro.

Eine im Jahr 2016 von der Regierung vorgelegte Studie des Deutsches Zentrums für Altersfragen (DZA) lieferte zwar keine neuen Einkommensdaten. Doch sie zeigte, dass unter den arbeitenden Senioren sehr viele höher Gebildete sind. Daneben enthält sie den Hinweis, dass sich ein ebenfalls stark steigender Anteil der Alten ehrenamtlich betätigt. Offenbar geht es den meisten aktiven Senioren vor allem darum, im Ruhestand eine sinnvolle Aufgabe zu haben. Die durchschnittliche Arbeitszeit der erwerbstätigen Alten liegt laut DZA bei 15 Stunden und hat sich – im Gegensatz zur Zahl der aktiven Alten – in den vergangenen Jahren verringert.

Rente mit 63 bremst den Arbeitsmarkt

Diese Veränderung des Erwerbsverhaltens war zudem schon in vollem Gange, bevor das kürzlich von der großen Koalition beschlossene Gesetz zur Flexirente seine Wirkungen entfalten konnte. Wer schon in Rente gegangen ist und dann doch in ein Beschäftigungsverhältnis zurückkehren möchte, kann dies künftig zu günstigeren Bedingungen tun. Die Neuregelungen treten allerdings erst in diesem Jahr stufenweise in Kraft.

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Dagegen bremst die umstrittene Rente mit 63, die langjährig Versicherten einen vorzeitigen Ruhestand zu besonders günstigen Konditionen erlaubt, weiter den Arbeitsmarkt. Allerdings dämpft sie den Beschäftigungsaufbau nicht mehr so stark wie zu Beginn: Mitte 2016 gab es laut Arbeitsagentur in der Altersgruppe von 60 bis 65 Jahren 1,96 Millionen sozialversicherungspflichtig Beschäftigte; gegenüber dem Vorjahr ist das ein Plus von 6 Prozent. Vor der Reform im Jahr 2014 waren die Steigerungsraten regelmäßig doppelt so hoch.

Kurz danach kam es – trotz des Aufschwungs am Arbeitsmarkt – in dieser Altersklasse fast zu einer Stagnation. Von den insgesamt 5,2 Millionen Bürgern zwischen 60 und 65 gehen damit nun 37,5 Prozent einer sozialversicherungspflichtigen Arbeit nach. Berücksichtigt man alle Erwerbsformen, beträgt die Quote mittlerweile rund 60 Prozent.

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