30.09.2008 · Die Erholung am deutschen Arbeitsmarkt geht auch inmitten der Finanzmarktkrise weiter. Die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland ist im September um 115.000 auf 3.081.000 gesunken. Das waren 463.000 weniger als vor einem Jahr, berichtet die Bundesagentur für Arbeit.
Die Zahl der in Deutschland registrierten Arbeitslosen ist im September auf 3,081 Millionen gesunken. Dies seien 115.000 weniger als im August und 463.000 weniger als vor einem Jahr, teilte die Bundesagentur für Arbeit am Dienstag mit. Die Arbeitslosenquote nahm um 0,2 Punkte auf 7,4 Prozent ab. Vor einem Jahr hatte sie noch bei 8,5 Prozent gelegen.
Der Vorstandschef der Bundesagentur für Arbeit, Frank-Jürgen Weise, sagte, von der Abschwächung der konjunkturellen Dynamik und den Turbulenzen an den Finanzmärkten zeige sich der Arbeitsmarkt bisher unbeeindruckt. „Die Arbeitslosigkeit geht zurück. Die Beschäftigung ist weiter gewachsen“, sagte Weise. Die Nachfrage nach Arbeitskräften bewege sich weiterhin auf hohem Niveau (Neues Hoch am Stellenmarkt)
Finanzmarktkrise fast ohne Auswirkungen
BA-Vorstandsmitglied Heinrich Alt sagte, bei weiterhin guten Rahmenbedingungen sei es wahrscheinlich, dass die Arbeitslosenzahl im Oktober unter die Drei-Millionen-Marke falle. Außer dem Stellenabbau bei Banken und Versicherung zeige die internationale Finanzmarktkrise keine Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt, sagte Weise. Dies sei angesichts der heute vorliegenden Fakten auch für die Zukunft nicht zu erwarten, ausschließen könne es jedoch niemand. Mit Blick auf die Abschwächung der Konjunktur äußerte sich der BA-Chef skeptisch über eine Beitragssenkung bei der Arbeitslosenversicherung. Wenn die Entwicklung des Arbeitsmarktes so positiv bleibe wie zur Zeit, könne der Beitrag von 3,3 auf drei Prozent gesenkt werden, ohne dass der BA Verluste entstünden. Wenn die Lage sich aber wegen der abflauenden Konjunktur verschlechtere, würden die Finanzen der BA dann jedoch ins Minus rutschen.
Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes sei die Zahl der Erwerbstätigen zuletzt (im August) um 94.000 auf 40,4 Millionen gestiegen, teilte die Bundesagentur mit. Gegenüber dem Vorjahr habe die Erwerbstätigkeit um 545.000 zugenommen. Die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung lag zuletzt (im Juli) nach Berechnungen der Bundesagentur für Arbeit bei 27,4 Millionen, gegenüber dem Vorjahr war das ein Zuwachs von 586.000. Dabei entfalle deutlich mehr als die Hälfte des Beschäftigungszuwachses auf sozialversicherungspflichtige Vollzeitstellen.
BA rechnet nicht mehr mit Verlusten
Die Beschäftigung sei in allen Bundesländern gestiegen, teilte die Bundesagentur mit. Im Westen sank die Zahl der Arbeitslosen um 67.000 auf 2.042.000, in Ostdeutschland verringerte sie sich um 48.000 auf 1.039 000. Saisonbereinigt ging die Arbeitslosenzahl in Deutschland im September um 29 000 auf 3,177 Millionen zurück. Im Westen nahm die um jahreszeitliche Einflüsse bereinigte Erwerbslosenzahl um 11.000 ab, im Osten ging sie um 18.000 zurück.
Weise gab zudem bekannt, es sei nun absehbar, dass die BA das Jahr ohne Verluste bei etwa „plus/minus Null“ abschließen werde. Ursprünglich sei mit einem Defizit von 2,5 Milliarden Euro gerechnet worden. Weise wies darauf hin, dass seine Behörde in diesem Jahr einmalig 2,5 Milliarden Euro für die Altersversorgung der Mitarbeiter zurückgelegt habe.
Bundesarbeitsminister Scholz erklärte in Berlin, die Arbeitslosenzahl sei im September auf den niedrigsten Stand seit 16 Jahren gesunken. Besonders erfreulich sei, dass die Langzeitarbeitslosigkeit zurückgehe. „Diese Zahlen machen Mut und zeigen, dass die arbeitsmarktpolitischen Reformen nachhaltig wirken“, erklärte der SPD-Politiker. Um auch für die Zukunft gewappnet zu sein, solle die Arbeitsvermittlung wirkungsvoller gestaltet werden. Mit dem Recht auf einen Hauptschulabschluss und dem Ausbildungsbonus für schwer vermittelbare Jugendliche solle zudem die Langzeitarbeitslosigkeit bekämpft werden.
Sollen Kinderlose einen „Solidarzuschlag" zahlen?
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