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HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Arbeitsmarkt Hilfe für die Generation Praktikum

13.09.2006 ·  Hochqualifiziert, aber schlecht oder gar nicht bezahlt: Arbeitsminister Müntefering hat angekündigt, daß er der „Generation Praktikum“ notfalls mit einem neuen Gesetz unter die Arme greifen will. Die Union gibt ihm dabei vage Rückendeckung.

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Nora Müller traut sich nicht. Sie traut sich nicht, darüber zu sprechen, bei welchem Unternehmen sie als Praktikantin beschäftigt ist. Sie traut sich nicht, publik zu machen, wie viele gleichgesinnte Praktikanten-Kolleginnen und Kollegen sie hat. Sie wagt es auch nicht, ihren wirklichen Namen zu nennen. Die Arbeit, und sei es nur ein Praktikanten-Job, ist viel zu kostbar.

Ihr Fall aber ist klassisch: Nach dem BWL-Studium war für die junge Frau klar, daß der Sprung in ein richtiges Beschäftigungsverhältnis nicht klappen würde. „Heutzutage ist es ja schon normal, daß alle Absolventen erstmal ein Praktikum machen“, sagt sie. Und so verkaufte sie ihre Arbeit für einige Monate für 400 Euro netto - und verdient damit noch vergleichsweise gut, glaubt man einer Studie der DGB-Jugend.

Notfalls gesetzlich gegen Ausbeutung vorgehen

Arbeitsminister Franz Müntefering hat nun angekündigt, daß er notfalls gesetzlich dagegen vorgehen will, wenn Firmen Hochschulabsolventen schlecht oder gar nicht bezahlen. Angekündigt hat er das bereits während der Generaldebatte über den Bundeshaushalt. Nun läßt er konkrete Schritte folgen.

Derzeit werde geprüft, ob die Beschäftigung von Hochschulabsolventen als Praktikanten reguläre Stellen verdränge, bestätigte das Bundesarbeitsministerium am Mittwoch einen Medienbericht. Sollte dies der
Fall sein, könnten Praktika gesetzlich definiert und etwa eine Maximaldauer festgelegt werden. Konkrete Ergebnisse dieser Untersuchung lägen aber noch nicht vor.

Grundsätzlich Rückenwind aus der Union

Aus der Union erhält Müntefering für sein Vorhaben grundsätzlich Rückenwind. „Daß man sich mit diesem Thema beschäftigt ist zu begrüßen“, sagte die stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Unionsfraktion Ilse Falk gegenüber FAZ.NET. Es sei aber verfrüht, jetzt schon Schlüsse zu ziehen. Insbesondere solle man zu diesem Zeitpunkt noch nicht über Gesetzesänderungen reden. „Die Devise lautet: Erst untersuchen, dann im Lichte der Ergebnisse Schlußfolgerungen treffen.“

Derzeit ist nur jede dritte Praktikumsstelle bezahlt, wie eine repräsentative Umfrage des Hochschul-Informations-Systems im Auftrag des Bundesbildungsministeriums ergab. Mehr als 70 Prozent
der Praktikanten erhalten demnach kein Geld.

Nur wenige fühlen sich ausgebeutet

Eine Studie der DGB-Jugend von Anfang 2006 kommt zu dem Ergebnis, daß sich dennoch viele Praktikanten mit ihrem Status abfinden. Nur weniger als die Hälfte gab an, sich vom Arbeitgeber ausgebeutet zu fühlen. So auch Nora Müller: „Gegenüber anderen Praktikanten haben wir hier noch einen Vorteil, weil wir überhaupt bezahlt werden“, sagt sie. Sie beeilt sich hinzuzufügen, daß in ihrem speziellen Fall die Lage wirklich nicht schlecht sei. „Man kriegt auf diesem Weg eben sehr schnell mit, wenn richtige Stellen frei werden.“

Nora Müller hat Glück gehabt. Ab Anfang Oktober braucht sie die Rückendeckung des Herrn Müntefering nicht mehr. Sie hat eine Stelle gefunden. Bei einem anderen, als ihrem jetzigen Arbeitgeber.

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Von Holger Steltzner

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