30.04.2009 · Die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland ist im April minimal um 1000 gesunken. Im Vergleich zum Vorjahr ist sie aber um 171.000 angestiegen. Die sonst übliche Frühjahrsbelebung auf dem Arbeitsmarkt ist schwach ausgefallen.
Der Frühjahrsaufschwung belebt nicht wie sonst üblich den Arbeitsmarkt: Die Zahl der Jobsuchenden in Deutschland ist in diesem April gerade einmal um 1000 auf 3.585.000 gesunken. Im Durchschnitt der vergangenen drei Jahre war sie dagegen im Vorjahresvergleich um knapp 140.000 zurückgegangen.
Im Vergleich zu 2008 waren im April 171.000 Menschen mehr auf Arbeitssuche, wie die Bundesagentur für Arbeit (BA) am Donnerstag in Nürnberg mitteilte. Die Arbeitslosenquote verharrte bei 8,6 Prozent, nachdem sie vergangenes Jahr bei 8,1 Prozent gelegen hatte.
BA-Vorstandschef Frank-Jürgen Weise sagte, die Rezession der deutschen Wirtschaft hinterlasse zunehmend ihre Spuren auf dem Arbeitsmarkt. „Die Arbeitslosigkeit ist für einen April ungewöhnlich schwach zurückgegangen.“
Kurzarbeit verhinderte Schlimmeres
Zugleich räumten BA-Chef Weise und Bundesarbeitsminister Scholz (SPD) ein, dass ohne den massiven Einsatz der Kurzarbeit die Arbeitslosigkeit wahrscheinlich weitaus höher wäre. Nach vorsichtigen Schätzungen der Bundesagentur sind aktuell zwischen 1,3 und 1,5 Millionen Beschäftigte von Kurzarbeit betroffen. Im Schnitt sei ihre Arbeitszeit um ein Drittel verringert worden, berichtete Weise. Dies entspreche bei einem Arbeitszeitausfall von einem Drittel rund 450.000 Vollzeitarbeitskräften, die sonst arbeitslos wären.
Im Schnitt hätten die Unternehmen Kurzarbeit für sechs bis acht Monate beantragt. „Das wird noch bis August oder September tragen“, ergänzte Weise. Allerdings gingen die Firmen mit ihren Anmeldungen nur eine geringe Verbindlichkeit ein. „Die Firmen sind an die zunächst angegebenen Fristen nicht gebunden“, räumte Weise ein. Bankenvolkswirte halten es daher für möglich, dass Unternehmen bereits zum Beginn der Werksferien im Juni oder Juli Mitarbeiter in größerem Umfang entlassen.
Fast 500.000 offene Stellen
Trotz Rezession gibt es noch immer Branchen, in denen Personal gesucht werde. Unter den 495.000 offenen Stellen im April fanden sich die meisten Jobangebote für Verkäufer, Altenpfleger, Sozialarbeiter und Erzieher sowie für Elektriker, Bürofachkräfte und in der Gastronomie. Gesucht seien auch Lehrer, betonte Weise. Stellenstreichungen gebe es dagegen aus der Zeitarbeit und der Automobilbranche mit ihren Zulieferern.
Insgesamt treffe die Wirtschaftskrise männliche Arbeitnehmer erheblich stärker als Frauen: Die Arbeitslosigkeit unter Männern sei um 5,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gestiegen, die von Frauen liege dagegen um 2,8 Prozent unter dem Vorjahr, erklärte BA-Vorstandsmitglied Heinrich Alt.
Anstieg auf 5 Millionen möglich
Die eigentliche Belastung komme erst nächstes Jahr, sagte Weise. Dem BA-Chef zufolge könnte sich die Arbeitslosenzahl im nächsten Jahr den Höchstständen von 2005 nähern. „Es ist nicht auszuschließen, dass wir Ende 2010 oder 2011 die fünf Millionen erreichen“, sagte Weise. „Aber das liegt derzeit im Nebel.“
Als Folge der wachsenden Jobkrise rechnet Weise im kommenden Jahr mit einer riesigen Kostenwelle für die BA, die nach der Senkung der Arbeitslosenbeiträge nicht mehr allein mit Beitragsmitteln bewältigt werden könne. Eines von mehreren Szenarien sieht ein Defizit von bis zu 20 Milliarden Euro vor. Für das laufende Jahr rechnet die Bundesagentur wegen sinkender Beitragseinnahmen und erhöhter Ausgaben für Arbeitslosen- und Kurzarbeitergeld mit einem Defizit von rund 11 Milliarden Euro; diese Lücke soll aus Mitteln der Rücklage gedeckt werden. Ob der Bund für das 2010 erwartete Defizit aufkomme, die Beiträge erhöhe oder die Bundesagentur dafür einen Kredit aufnehme, sei noch unklar.
| Name | Kurs | Prozent |
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| FAZ-INDEX | 1.369,44 | −1,77% |
| Dow Jones | 12.454,00 | −1,01% |
| EUR/USD | 1,2398 | −0,72% |
| Rohöl Brent Crude | 103,63 $ | −3,01% |
| Gold | 1.579,50 $ | 0,00% |
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