03.01.2005 · Ich-AG, Mini- und Zusatzjobs ließen die Zahl der Erwerbstätigen im vergangenen Jahr leicht steigen. Neue Jobs schuf aber nur die Service-Branche. Industrie, Bau und Landwirtschaft streichen weiter.
Neue Ich-AGs und Minijobs haben die Zahl der Berufstätigen in Deutschland im vergangenen Jahr leicht in die Höhe getrieben. In der Industrie ging der Personalabbau abgeschwächt weiter. Insgesamt waren im Jahresdurchschnitt 38,4 Millionen Menschen und damit 0,3 Prozent mehr als 2003 erwerbstätig, teilte das Statistische Bundesamt am Montag in Wiesbaden mit. Es war der erste Anstieg seit 2001.
Ein kräftiger Zuwachs war bei den Selbstständigen (plus 3,3 Prozent auf 4,3 Millionen) zu verzeichnen. Mehr als jeder zehnte Berufstätige in Deutschland (11,2 Prozent) hat inzwischen keinen Chef mehr. Deutlich erhöht hat sich in den vergangenen Jahren der Anteil der Beschäftigten im Dienstleistungssektor.
Baugewerbe streicht weiterhin Stellen
Mittlerweile arbeiten mehr als zwei Drittel - 71,0 Prozent - im Service-Bereich. Vor 13 Jahren waren es erst 59,2 Prozent. Dem gegenüber sank der Anteil der Berufstätigen in der Land- und Forstwirtschaft auf 2,3 Prozent (1991: 4,0 Prozent) und in der produzierenden Industrie (ohne Bauwirtschaft) auf 20,8 Prozent (1991: 29,4 Prozent). Im Baugewerbe, das seinen höchsten Beschäftigungsstand Mitte der 1990er Jahre erreicht hatte, fiel die Quote auf 5,9 Prozent (1991: 7,3 Prozent).
Bei den Dienstleistungen, zu denen zum Beispiel die Bereiche Handel, Gastgewerbe und Verkehr zählen, zog die Beschäftigung 2004 auch gegenüber dem Vorjahr wieder an - und zwar im Schnitt um 1,2 Prozent (2003: minus 0,1 Prozent). Ein Grund dafür ist, daß besonders viele neue Ich-AGs, Minijobs und andere Maßnahmen der Arbeitsmarktreform auf diesen Sektor entfielen.
„Leichtes Plus bei der saisonbereinigten Zahl“
In der Industrie ging der Arbeitsplatzabbau dagegen weiter: Nach einem Minus von 2,6 Prozent 2003 verringerte sich die Zahl der Erwerbstätigen im vergangenen Jahr erneut um 1,6 Prozent. In der Baubranche schwächte sich der Verlust auf 2,6 Prozent (2003: minus 4,8 Prozent) ab.
Unterdessen ist die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland nach ersten Angaben der Bundesagentur für Arbeit (BA) im Dezember saisonbereinigt um mindestens 10.000 gestiegen. „Wir werden ein leichtes Plus bei der saisonbereinigten Zahl haben", sagte BA-Vorstandsmitglied Heinrich Alt am Montag in Berlin. Zu Analysten-Schätzungen, wonach ein saisonbereinigtes Plus von 10.000 Erwerbslosen zu erwarten sei, sagte Alt: „Von der Zahl der Stellen her stimmt's. Den Rest werden wir morgen sagen.“
Deutlicher Anstieg bei unbereinigten Zahlen
Die BA legt am Dienstag in Nürnberg die Arbeitsmarktbilanz für Dezember und das Gesamtjahr 2005 vor. Die Zahl der Arbeitslosenhilfeempfänger in gemeinnützigen so genannten Ein-Euro-Jobs stieg Alt zufolge von November auf Dezember nochmals an, und zwar um etwa 17.000 auf rund 85.000. Sie gelten in der Statistik nicht mehr als arbeitslos. Zur unbereinigten Zahl der Arbeitslosen im Dezember wollte sich Alt nicht äußern. Nach ersten Informationen der Nachrichtenagentur Reuters könnte ihre Zahl von November auf Dezember um etwa 200.000 auf deutlich über 4,4 Millionen gestiegen sein.
Mit Blick auf 2005 äußerte sich Alt zuversichtlicher als das Forschungsinstitut der BA, das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB). Dieses hatte im Herbst für das neue Jahr einen Rückgang der Arbeitslosigkeit im Jahresdurchschnitt um 15.000 im Vergleich zum erwarteten Jahresdurchschnitt von 4,377 Millionen im abgelaufenen Jahr vorausgesagt. Alt wies aber darauf hin, daß nach IAB-Schätzung bei Berücksichtigung eines Statistikeffekts der Hartz-IV-Reform unter dem Strich im Jahresdurchschnitt ein Anstieg um 35.000 zu erwarten sei, weil bisherige Sozialhilfeempfänger neu in der Statistik auftauchten. Er persönlich sei etwas zuversichtlicher. „Wir werden unter den Arbeitslosenzahlen des Vorjahres bleiben", sagte Alt.
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