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Arbeitsmarkt Die Schwarzarbeit in Deutschland geht zurück

24.01.2005 ·  In Deutschland werden rund 346 Milliarden Euro in der Schattenwirtschaft erzeugt. Laut einer Umfrage betrachten die meisten Deutschen Schwarzarbeit als Kavaliersdelikt.

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Schwarzarbeit verliert in Deutschland an Bedeutung. Nach Schätzungen des Linzer Ökonomen Friedrich Schneider werden im laufenden Jahr in der sogenannten Schattenwirtschaft 346 Milliarden Euro umgesetzt.

Das entspricht einem Rückgang von fast 3 Prozent gegenüber 2004, als erstmals eine mehrjährige Aufwärtsbewegung gebrochen wurde. Für Schneider ist der Rückgang ein Beleg für die Wirksamkeit der Arbeitsmarktreform Hartz IV und der Liberalisierung der Handwerksordnung.

Volkswirtschaftliche Bedeutung relativ gering

Während die Schattenwirtschaft seit Ende der neunziger Jahre in den meisten OECD-Ländern rückläufig ist, hat sie in Deutschland, Österreich und der Schweiz bis zum Jahr 2003 jedoch weiter zugelegt. Dennoch ist die volkswirtschaftliche Bedeutung der illegalen Wirtschaft im deutschsprachigen Raum noch immer relativ gering, zeigen die Berechnungen Schneiders. Österreich und die Schweiz liegen mit einem Anteil von 10,3 und 9 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) am unteren Ende der Schwarzarbeit-Skala. Lediglich in den Vereinigsten Staaten ist der Anteil noch niedriger. Dort werden rund 8 Prozent des Bruttoinlandsproduktes in der Schattenwirtschaft erzeugt.

Deutschland kommt mit 15,6 Prozent genau auf den Durchschnitt von 21 OECD-Ländern. Zu den Ländern mit dem höchsten Anteil Schwarzarbeit gehören Griechenland und Italien. Dort wird mehr als ein Viertel der offiziellen Wertschöpfung an Steuer- und Sozialversicherungskassen vorbei erwirtschaftet.

Um die Schwarzarbeit mit ihren negativen Wirkungen für die Steuer- und Sozialsysteme einzudämmen, empfiehlt Schneider, die Wohnbauförderung umzulenken. Die Fördermittel sollten zur Gänze dazu verwendet werden, die Differenz zwischen dem Nettolohn der Bauarbeiter und den offiziellen Wohnbau-Arbeitskosten zu stützen. Das würde den Finanzminister keinen Cent kosten, weil die Fördermittel sowieso ausgegeben werden.

Kein Unrechtsbewußtsein

Zudem schlägt er eine Herabsetzung der Mehrwertsteuer auf arbeitsintensive Dienstleistungen sowie eine beschränkte steuerliche Absetzbarkeit von Dienstleistungen im privaten Haushalt vor. Schneider ist allerdings skeptisch über die Wirksamkeit der strengeren Strafen gegen Schwarzarbeit, da zwei Drittel der Wertschöpfung der Schattenwirtschaft von selbständig und unselbständig Beschäftigten erwirtschaftet würden.

Darüber hinaus hätten weder die Deutschen noch die Österreicher ein Unrechtsbewußtsein, wenn sie schwarzarbeiteten, erklärt Schneider mit Bezug auf eine vor zwei Jahren durchgeführte Umfrage. Der Großteil der Befragten betrachte Schwarzarbeit als Kavaliersdelikt.

Quelle: ela., Frankfurter Allgemeine Zeitung, 25.01.2005, Nr. 20 / Seite 11
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