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Arbeitsmarkt Auf Jobsuche bei den europäischen Nachbarn

21.03.2006 ·  Wenn am Sonntag abend das „Traumschiff“ in den Süden fährt, klingeln in der Woche darauf die Telefone bei der Bonner Zentralstelle für Arbeitsvermittlung besonders häufig. Je düsterer es auf dem deutschen Arbeitsmarkt aussieht, desto mehr lockt das Ausland.

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Über mangelndes Interesse kann sich der Europa-Service der Bonner Zentralstelle für Arbeitsvermittlung (ZAV) nicht beklagen. Je düsterer es auf dem deutschen Arbeitsmarkt aussieht, desto mehr locken die europäischen Nachbarländer. Manche Arbeitssuchende zieht es auch gleich in exotische Gefilde. Wenn sich am Sonntag abend das "Traumschiff" in den Süden aufgemacht hat, klingeln in der Woche darauf die Telefone besonders häufig. "Dann fragen viele einfach mal nach, ob wir für sie etwas im Angebot haben", sagt ZAV-Direktorin Monika Varnhagen.

Die ZAV ist die internationale Personalagentur der Bundesagentur für Arbeit. Sie vermittelt Fach- und Führungskräfte ins Ausland und nach Deutschland, informiert über Arbeits- und Lebensbedingungen und akquiriert Stellenangebote für deutsche Interessenten. Manche Neugierige fallen schon aus allen Wolken, wenn sie nach ihren Fremdsprachenkenntnissen gefragt werden. "Dann hat sich die Sache oft erledigt, und wir hören nichts mehr von ihnen", sagt Varnhagen.

130 Mitarbeiter kümmern sich um Anfragen

Aber immer mehr Interessenten bleiben bei der Stange und setzen sich mit Chancen und Risiken einer Auslandstätigkeit auseinander. Von der ZAV organisierte Job- und Stellenbörsen wie die vorige Woche in Köln finden lebhaften Zuspruch, gefragt ist auch das "Infomobil", mit dem die ZAV ihren "Europa-Service" (ES) noch bis Juni durch 60 deutsche Städte touren läßt. "Wir möchten besonders auch Arbeitslosen direkt vor ihrer Haustür die Chancen einer Beschäftigung im Ausland aufzeigen", sagte Varnhagen.

Den Europa-Service hat die ZAV Anfang vorigen Jahres für die Bundesagentur übernommen. Damit ist sie zur zentralen Schaltstelle für deren europaweite Vermittlungstätigkeit geworden. Rund 130 Mitarbeiter in fünfzehn ES-Außenstellen kümmern sich um die Anfragen. Unterstützt werden sie von den "Europa-Assistenten" in den örtlichen Arbeitsagenturen, die Erstinformationen zum Binnenmarkt liefern, sowie von Beratern in den Grenzregionen.

Beitrag zur Entlastung des Arbeitsmarktes

Rund 8.200 Menschen hat der ES im vorigen Jahr in anderen europäischen Ländern in eine dauerhafte Beschäftigung gebracht - 3.000 mehr als 2004. Hinzu kommen ungefähr 1.700 Teilnehmer an befristeten Programmen, etwa 800 Künstler, die bei der Suche nach einem neuen Engagement unterstützt wurden, und eine unbekannte Zahl von Grenzpendlern, die ihren Wohnsitz in Deutschland behalten haben. Daß die Sprache nicht nur bei den Traumschiff-Begeisterten die wichtigste Barriere darstellt, zeigt sich an den Gastländern: Mit mehr als 2.700 neuen deutschen "Gastarbeitern" standen die Schweiz und Österreich (knapp 2.500) weit oben auf der Liste.

Drei Viertel der von der ZAV in europäischen Ländern untergebrachten Beschäftigten waren vorher arbeitslos. "Vor allem in der Baubranche tragen wir zur Entlastung des Arbeitsmarktes bei", sagt Varnhagen. Stolz ist sie darauf, daß unter ihren in Lohn und Brot gebrachten Kunden ein hoher Anteil älterer Menschen ist. Mehr als ein Drittel von ihnen zählt mehr als vierzig Jahre. "Daran zeigt sich bereits, daß Deutschland bei den Beschäftigungschancen für Ältere anderen europäischen Ländern hinterherhinkt", sagt sie. Für 2006 hat sie sich ein neues Ziel gesetzt: wenigstens 12.500 "Integrationen".

Interesse von Bodenständigkeit abhängig

Gleichzeitig soll auch die Vermittlungstätigkeit für das nichteuropäische Ausland ausgebaut werden. So hat die ZAV in dieser Woche 400 Bewerber zu drei Messen in Essen, Leipzig und München eingeladen, wo sich kanadische Arbeitgeber präsentieren. Die Bereitschaft, einen Job im nahen oder fernen Ausland anzunehmen, ist regional unterschiedlich. Dabei spielt nicht nur die Lage am Arbeitsmarkt eine Rolle, sondern auch die mehr oder weniger ausgeprägte Bodenständigkeit. Im Ruhrgebiet etwa, wo die Arbeitslosigkeit in vielen Gebieten kaum niedriger ist als in den neuen Bundesländern, stoßen die ZAV-Angebote weitgehend auf taube Ohren.

Nähere Informationen: Europa- und Auslands- hotline: 01805/222023, im Internet: www.europaserviceba.de, E-Mail-Anfragen: Infohotline-Ausland@arbeitsagentur.de

Quelle: bü., F.A.Z., 21.03.2006, Nr. 68 / Seite 19
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