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Arbeitslosigkeit im November Niedrigster Stand seit 14 Jahren

29.11.2007 ·  Die positive Entwicklung am Arbeitsmarkt setzt sich fort. Für den Monat November meldet die Bundesagentur für Arbeit 55.000 weniger Arbeitslose als im Oktober und 617.000 weniger als vor einem Jahr. Das ist die niedrigste Zahl seit Juni 1993. Gründe seien die gute Konjunktur und die starke Nachfrage nach Arbeitskräften.

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Die gute Konjunktur hat auch im November für einen Job-Boom gesorgt und die Zahl der Arbeitslosen auf den niedrigsten Stand seit mehr als 14 Jahren gedrückt. Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit (BA) waren im November 3,378 Millionen Männer und Frauen ohne Arbeit; dies seien 55.000 weniger als im Oktober und 617.000 weniger als vor einem Jahr. Auch der frühe Wintereinbruch habe dem Stellenmarkt kaum etwas anhaben können, stellte die BA fest. Die Arbeitslosenquote ging um 0,1 Punkte auf 8,1 (Oktober 8,2) Prozent zurück. Vor einem Jahr hatte sie bei 9,6 Prozent gelegen. Noch niedriger war die Arbeitslosenzahl zuletzt im Juni 1993.

Wie BA-Chef Frank-Jürgen Weise hervorhob, haben von dieser Entwicklung sowohl besonders junge Jobsucher als auch Erwerbslose über 55 Jahre profitiert: „Die Zahl der unter 25-jährigen Arbeitslosen ist im November um 19 Prozent, der Anteil der über 55 Jahre alten Arbeitslosen um 21 Prozent zurückgegangen“, sagte Weise. Bundesarbeitsminister Olaf Scholz (SPD), der die Arbeitsmarktzahlen überraschend eine dreiviertel Stunde vor der Bundesagentur in Berlin bekanntgab, sagte, die Reform-Agenda zeige nun Wirkung, und man könne sagen: „Wir waren erfolgreich.“

Hohe Nachfrage nach Arbeitskräften

Als Gründe für den anhaltenden Arbeitsmarkt-Aufschwung führte Weise unter anderem die hohe Nachfrage nach Arbeitskräften an. So hatten Unternehmen den Arbeitsagenturen 577.000 freie Stellen zur Vermittlung angeboten; das seien lediglich 32.000 weniger als während des Herbstaufschwungs im Oktober gewesen. Zugleich gingen mehr Menschen in Rente als früher und entlasteten damit den Arbeitsmarkt. Nach neuesten Schätzungen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) nimmt das Arbeitskräfteangebot 2007 im Jahresdurchschnitt um 73.000 ab.

Ein Hinweis auf die unveränderte Aufwärtsentwickelung sei auch die Zunahme der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung. Nach einer Hochrechnung der Bundesagentur gab es zuletzt (September) 27,45 Millionen Stellen mit Sozialversicherungspflicht; im Vergleich zum Vorjahr war das ein Zuwachs von 577.000. Bei der Zahl der Erwerbstätigen ergibt sich im Jahresvergleich ein Zuwachs von 682.000 auf 40,36 Millionen.

Immer mehr Aufstocker

Der Beschäftigungszuwachs zeige sich in fast allen Branchen. Weniger Arbeitsplätze gebe es im Kredit- und Versicherungsgewerbe und im öffentlichen Dienst. Immer mehr Erwerbstätige sind allerdings auf ergänzende Hilfen aus dem Arbeitslosengeld II angewiesen. „Es gibt derzeit etwa 550.000 Menschen, die trotz sozialversicherungspflichtiger Arbeit noch Arbeitslosengeld II beziehen“, sagte BA-Vorstansmitglied Heinrich Alt. Das seinen 20 Prozent mehr als vor einem Jahr. Insgesamt bezogen nach letzten Daten der BA im Juli rund 1,25 Millionen Hartz-IV-Emfpänger Einkommen aus Erwerbstätigkeit. Im Januar waren es noch 1,1 Millionen gewesen.

Für BA-Chef Weise gibt es derzeit keine Hinweise für ein vorzeitiges Ende des kräftigen Arbeitsmarkt-Aufschwungs. Trotz mehrerer wirtschaftlicher Unwägbarkeiten, wie den hohen Ölpreis und die Dollarschwäche, wird die Zahl der Erwerbslosen nach seiner Einschätzung im nächsten Jahr weiter sinken, lautet seine Prognose. Entscheidend sei, dass die Auftragsbücher der Unternehmen gefüllt und die Firmen in der ersten Jahreshälfte voll ausgelastet seien.

Für das Gesamtjahr 2008 rechnet Weise mit einer durchschnittlichen Arbeitslosigkeit von 3,5 Millionen nach voraussichtlich 3,8 Millionen in diesem Jahr. Im kommenden Winter rechnet Weise nicht mit einem Überschreiten der Vier-Millionen-Marke. Im Dezember müsse man sich saisonbedingt wahrscheinlich auf einen Anstieg der Erwerbslosenzahl von 100.000 bis 150.000 einstellen. „Im Januar könnten dann noch einmal soviel dazu kommen“, schätzt der BA-Chef. Da immer weniger Menschen in sogenannten Außenberufen, wie auf dem Bau, der Landwirtschaft oder in Gärtnereien beschäftigt seien, steige die Winterarbeitslosigkeit nicht mehr in dem Maß wie in früheren Jahren.

Focus auf Langzeitarbeitslose

Die BA-Vorstandsmitglieder Heinrich Alt und Raimund Becker kündigten derweil an, die Bundesagentur werde sich 2008 stärker auf die Vermittlung von Langzeitarbeitslosen konzentrieren. „Das ist im kommenden Jahr die erste Herausforderung. Wenn es jetzt nicht geht, wann dann?“, unterstrich Alt. So ständen 2008 rund 6,4 Milliarden Euro Fördermittel für diese Gruppe zur Verfügung - 900 Millionen mehr als in diesem Jahr. Als zusätzliche Fördermaßnahmen seien ein Beschäftigungszuschuss und ein sogenannter Kommunalkombi geplant. Dabei sollen Betroffene bei der Erledigung von kommunaler Aufgaben, etwa dem Säubern von Spielplätzen, eingesetzt werden.

Zurückhaltend äußerte sich Weise zu dem von der Regierung beschlossenen verlängerten Bezug des Arbeitslosengeldes I auf bis zu zwei Jahre, der bei der BA jährlich mit Kosten von mindestens 800 Millionen Euro zu Buche schlagen werde. Der BA-Chef betonte, Priorität habe bei der Bundesagentur weiterhin die Vermittlung von Menschen in Arbeit. „Statt Arbeitslosen länger Geld zu zahlen, wollen wir, dass Menschen gar nicht erst ihre Arbeit verlieren, und wenn doch, dass sie möglichst schnell in Arbeit kommen“, unterstrich Weise.

Im Ost-Westvergleich profitiert zunehmend auch der Osten Deutschlands vom Aufwind auf dem Arbeitsmarkt. So ging die Zahl der Erwerbslosen in den neuen Bundesländern um 15 000 auf 1 154 000 zurück, während der entsprechende Wert im Westen um 40 000 auf 2 225 000 sank. Mit einer Quote von 13,4 Prozent ist die Arbeitslosigkeit bezogen auf alle zivilen Erwerbspersonen allerdings noch immer doppelt sich hoch wie im Westen. Dort lag die Arbeitslosenquote im November bei 6,7 Prozent.

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