http://www.faz.net/-gqe-87oqe

Arbeitsministerin Nahles : „Der syrische Arzt ist nicht der Normalfall“

  • Aktualisiert am

Andrea Nahles will nicht schuld sein, wenn es nächstes Jahr mehr registrierte Arbeitslose in Deutschland gibt. Bild: dpa

Die Arbeitslosenzahlen werden wegen der Flüchtlinge wohl steigen, sagt Arbeitsministerin Andrea Nahles. Denn die meisten könnten nicht sofort in einen Arbeitsplatz oder eine Ausbildung vermittelt werden.

          Auch Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles hat dafür geworben, Flüchtlinge rasch in den Arbeitsmarkt einzugliedern. Allerdings bringe nicht einmal jeder Zehnte die Voraussetzungen mit, um direkt in eine Arbeit oder Ausbildung vermittelt zu werden, sagte die SPD-Politikerin während der Haushaltsberatungen im Bundestag an diesem Donnerstag. „Nicht alle, die da kommen, sind hoch qualifiziert. Der syrische Arzt ist nicht der Normalfall.“

          Dies werde sich auch in der Arbeitslosenstatistik niederschlagen. Daran sollten sich in einem Jahr alle erinnern, die nun, wie sie, für die Aufnahme der Flüchtlinge einträten: „Das ist dann kein Zeichen einer gescheiterten Arbeitsmarktpolitik, sondern ein Zeichen, dass wir eine andauernde Aufgabe bewältigen müssen.“

          Flüchtlinge sollen schnell „Nachbarn und Kollegen“ werden

          In der Bundestagsdebatte über den Haushaltsentwurf für ihr Ministerium unterstrich Nahles, dass sie in ihrem Etat 2016 voraussichtlich zusätzlich drei Milliarden Euro benötigen werde. Allein für den Lebensunterhalt von Flüchtlingen, die in Deutschland bleiben dürften, rechne sie mit Mehrausgaben von ein bis zwei Milliarden Euro. Für Programme zur Integration in den Arbeitsmarkt veranschlage sie 600 Millionen bis 1,1 Milliarden Euro. Für berufsbezogene Sprachkurse seien zusätzlich 180 Millionen Euro erforderlich.

          „Aus den Flüchtlingen sollen möglichst schnell Nachbarn und Kollegen werden“, sagte Nahles: „Die Menschen wollen lernen, und sie wollen arbeiten.“ Für Westbalkan-Bürger plant Nahles ein jährliches Kontingent von bis zu 20.000 Arbeitsvisa, wenn sie einen Arbeits- oder Ausbildungsvertrag für Deutschland haben.

          Dass die vielen Flüchtlinge, die derzeit nach Deutschland kommen, auch eine große Chance darstellen, finden derweil auch die Ökonomen am Essener Wirtschaftsforschungsinstitut RWI, das von dem Wirtschaftsweisen Christoph Schmidt geleitet wird. Mittel- bis langfristig dürften insbesondere die vielen jungen Zuwanderer die Sozialsysteme entlasten, sagen die Forscher in ihrer Herbstprognose voraus.

          Dazu sei es allerdings nötig, sie in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Auch wegen des demografischen Wandels stehen die Chancen hierfür laut den Essener Ökonomen nicht schlecht.

          Quelle: ala./Reuters

          Weitere Themen

          Ich war am Ende nur noch ein Wrack Video-Seite öffnen

          Video-Serie „Frankfurt & ich“ : Ich war am Ende nur noch ein Wrack

          Seit über zehn Jahren ist Thomas Adam trocken und erzählt auf Stadtführungen durch sein ehemaliges „Sauf- und Bettelgebiet“ seine Geschichte von der Straße. FAZ.NET hat Adam für die Video-Serie „Frankfurt & ich“ begleitet.

          Topmeldungen

          Kommentar : Wofür steht Jamaika?

          Obergrenze oder offene Grenzen für alle? Recht und Ordnung oder legale Joints? Marktwirtschaft oder Planwirtschaft? Nach den Schwierigkeiten bei den Jamaika-Gesprächen muss die Frage erlaubt sein: Passt das alles wirklich zusammen?

          Bonn : Weltklimakonferenz bringt kleine Erfolge

          Die Verhandlungen dauerten viel länger als geplant, nach einem zähen Ringen gibt es nun aber eine wichtige Einigung auf der Bonner Klimakonferenz. Beobachter zeigen sich erleichtert.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.