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Veröffentlicht: 10.09.2015, 14:55 Uhr

Arbeitsministerin Nahles „Der syrische Arzt ist nicht der Normalfall“

Die Arbeitslosenzahlen werden wegen der Flüchtlinge wohl steigen, sagt Arbeitsministerin Andrea Nahles. Denn die meisten könnten nicht sofort in einen Arbeitsplatz oder eine Ausbildung vermittelt werden.

© dpa Andrea Nahles will nicht schuld sein, wenn es nächstes Jahr mehr registrierte Arbeitslose in Deutschland gibt.

Auch Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles hat dafür geworben, Flüchtlinge rasch in den Arbeitsmarkt einzugliedern. Allerdings bringe nicht einmal jeder Zehnte die Voraussetzungen mit, um direkt in eine Arbeit oder Ausbildung vermittelt zu werden, sagte die SPD-Politikerin während der Haushaltsberatungen im Bundestag an diesem Donnerstag. „Nicht alle, die da kommen, sind hoch qualifiziert. Der syrische Arzt ist nicht der Normalfall.“

Dies werde sich auch in der Arbeitslosenstatistik niederschlagen. Daran sollten sich in einem Jahr alle erinnern, die nun, wie sie, für die Aufnahme der Flüchtlinge einträten: „Das ist dann kein Zeichen einer gescheiterten Arbeitsmarktpolitik, sondern ein Zeichen, dass wir eine andauernde Aufgabe bewältigen müssen.“

Flüchtlinge sollen schnell „Nachbarn und Kollegen“ werden

In der Bundestagsdebatte über den Haushaltsentwurf für ihr Ministerium unterstrich Nahles, dass sie in ihrem Etat 2016 voraussichtlich zusätzlich drei Milliarden Euro benötigen werde. Allein für den Lebensunterhalt von Flüchtlingen, die in Deutschland bleiben dürften, rechne sie mit Mehrausgaben von ein bis zwei Milliarden Euro. Für Programme zur Integration in den Arbeitsmarkt veranschlage sie 600 Millionen bis 1,1 Milliarden Euro. Für berufsbezogene Sprachkurse seien zusätzlich 180 Millionen Euro erforderlich.

„Aus den Flüchtlingen sollen möglichst schnell Nachbarn und Kollegen werden“, sagte Nahles: „Die Menschen wollen lernen, und sie wollen arbeiten.“ Für Westbalkan-Bürger plant Nahles ein jährliches Kontingent von bis zu 20.000 Arbeitsvisa, wenn sie einen Arbeits- oder Ausbildungsvertrag für Deutschland haben.

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Dass die vielen Flüchtlinge, die derzeit nach Deutschland kommen, auch eine große Chance darstellen, finden derweil auch die Ökonomen am Essener Wirtschaftsforschungsinstitut RWI, das von dem Wirtschaftsweisen Christoph Schmidt geleitet wird. Mittel- bis langfristig dürften insbesondere die vielen jungen Zuwanderer die Sozialsysteme entlasten, sagen die Forscher in ihrer Herbstprognose voraus.

Dazu sei es allerdings nötig, sie in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Auch wegen des demografischen Wandels stehen die Chancen hierfür laut den Essener Ökonomen nicht schlecht.

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