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Arbeitslosenzahl steigt auf 3,21 Millionen Sorge vor einem Ende des Job-Booms wächst

31.07.2008 ·  Erstmals seit Januar ist die Arbeitslosenquote in Deutschland wieder gestiegen. Die Zahl der Arbeitslosen kletterte um 50.000 auf 3,21 Millionen. Dennoch sieht die Bundesagentur für Arbeit die Entwicklung weiterhin positiv - auch wenn die Dynamik inzwischen sinkt.

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Der Job-Boom hat im Juli leicht an Tempo verloren und die Sorge vor einem Ende des Arbeitsmarktaufschwungs weiter wachsen lassen. Nach Angaben des Chefs der Bundesagentur für Arbeit, Frank-Jürgen Weise, waren im Juli 3,21 Millionen Männer und Frauen ohne Arbeit. Dies waren 50.000 mehr als vor einem Monat. Der überwiegend jahreszeitlich bedingte Anstieg fiel damit doppelt so stark aus wie im Schnitt der vergangenen drei Jahre. Im Vergleich zum Juli 2007 ist die Erwerbslosenzahl dagegen um rund 505.000 zurückgegangen. Die Arbeitslosenquote nahm um 0,2 Punkte auf 7,7 Prozent zu. Vor einem Jahr hatte sie noch bei 8,9 Prozent gelegen.

Weise räumte zwar ein, dass die Entwicklung am Stellenmarkt inzwischen weniger dynamisch verlaufe als vor einem Jahr. „Die aktuelle Entwicklung ist aber grundsätzlich positiv“, unterstrich der BA-Chef. „Daher bleiben wir bei unserer günstigen Gesamteinschätzung.“ Der Anstieg im Juli dürfe nicht überbewertet werden. Diese Entwicklung sei in diesem Monat üblich. „Zum einen stellen Betriebe in den Ferien weniger Menschen ein. Zum anderen melden sich Jugendliche nach Beendigung von Schule oder Ausbildung vorübergehend arbeitslos“, sagte Weise. Diese Arbeitslosigkeit gehe im Herbst wieder zurück.

Scholz sieht Vollbeschäftigung weiter als erreichbares Ziel

Auf Basis der bisherigen Konjunkturvorhersagen erwartet Weise bis zum Jahresende nicht mit einer Eintrübung am Arbeitsmarkt. „2009 könnte der Arbeitsmarkt unter heute erkennbaren Umständen sogar noch etwas besser werden als 2008“, sagte Weise am Donnerstag in Nürnberg. An der Jahresprognose von 3,43 Millionen Arbeitslosen im Jahresdurchschnitt 2008 hält Weise vorerst fest.

Bundesarbeitsminister Olaf Scholz (SPD) bewertete die jüngste Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt als robust. „Wenn wir weiter das Richtige tun, ist Vollbeschäftigung ein erreichbares Ziel“, sagte der Minister am Donnerstag in Berlin. Er kündigte zugleich an, sich weiterhin für Mindestlöhne einzusetzen.

Saisonbereinigte Arbeitslosenzahl weiter rückläufig

BA-Chef Weise stützt seine positive Gesamteinschätzung unter anderem auf den anhaltenden Rückgang der saisonbereinigten Arbeitslosenzahl; dieser Wert ging im Juli um 20.000 zurück. Auch die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten liege aktuell mit einem Plus von 580.000 deutlich über dem Niveau von Juli 2007, betonte Weise. Insgesamt waren bei der Bundesagentur 27,42 Millionen Beschäftigte registriert, die in die Sozialkassen einzahlen. „Auch die Nachfrage nach Arbeitskräften bewegt sich auf hohem Niveau“, betonte Weise.

Dem halten Arbeitsmarkt-Experten allerdings entgegen, dass die Zahl der offenen Stellen in der freien Wirtschaft - also ohne Ein-Euro-Jobs - im Juli im Vergleich zum Vorjahr um 38.000 auf 424 000 gesunken sei. Das deute auf eine leicht sinkende Kräftenachfrage in vielen Unternehmen hin. Auch habe der Arbeitsmarkt von einer Reihe von konjunkturunabhängigen Sonderentwicklungen profitiert. So seien im Verlauf der vergangenen zwölf Monaten deutlich mehr Männer und Frauen in Rente gegangen als im Jahr davor und hätten so den Arbeitsmarkt um rund 100.000 im Vergleich zum Vorjahr entlastet.

Osten profitiert weniger vom Aufschwung als der Westen

Zurückhaltend kommentierte der BA-Chef die Entscheidung von Bund und Ländern, das jetzige, bei der BA umstrittene Jobcenter-Modell mittels einer Verfassungsänderung dauerhaft zu verankern. Weise hatte noch im Vorfeld der Entscheidung die Konstruktion einer von Bund und Kommunen gemeinsam getragenen Sozialbehörde als „katastrophal“ bezeichnet und sich für das Modell eines sogenannten Kooperativen Jobcenters ausgesprochen. „Wir haben eine Idee gehabt, wie man das organisieren könnte. Aber es ist fast normal, dass nicht immer alle guten Ideen umgesetzt werden. Jetzt ist die Politik am Drücker“, sagte Weise.

Vom Arbeitsaufschwung der vergangenen drei Jahre hat unterdessen der Osten weitaus weniger profitiert als der Westen Deutschlands. Gemessen an der Zahl aller Erwerbstätigen herrscht in den neuen Bundesländern weiterhin eine genau doppelt so hohe Arbeitslosigkeit wie in den alten Bundesländern. In Westdeutschland waren im Juli 2.120.000 Männer und Frauen ohne Beschäftigung. Das waren 47.000 mehr als im Vormonat und 330.000 weniger als vor einem Jahr. In Ostdeutschland lag die Arbeitslosenzahl im Juli bei 1.090.000. Das waren 3000 mehr als im Juni und 175.000 weniger als vor zwölf Monaten. Die Arbeitslosenquote lag im Westen bei 6,4 Prozent, im Osten bei 12,8 Prozent.

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