22.08.2008 · Sie sollen demenzkranken Patienten in Heimen vorlesen, mit ihnen spielen oder sie auf Spaziergängen begleiten: Pflegeassistenten. Schon in den nächsten Wochen sollen die ersten Kräfte eingestellt werden. Für Arbeitslose bezahlt die Bundesagentur das Qualifikationsverfahren.
Von Andreas MihmSchon in den nächsten Wochen sollen die ersten Pflegeassistenten für die zusätzliche Betreuung von Demenzkranken in Heimen eingestellt werden. Das kündigte der Staatssekretär im Bundesgesundheitsministerium, Klaus Theo Schröder, am Freitag an. Das Ministerium werde die vom Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) am Dienstag beschlossenen Qualitätsrichtlinien für die Ausbildung der Pflegeassistenten „umgehend genehmigen“. Sie erfüllten die Vorgaben der Pflegereform vollständig.
Seit Juli können Pflegeheime für je 25 altersverwirrte Patienten einen zusätzlichen Pflegeassistenten einstellen. Sie sollen Pflegekräfte ergänzen und Hilfen anbieten, die im normalen Heimalltag nicht gewährt werden können. Dazu gehören Vorlesen, Spielen, Musizieren, Kochen oder die Begleitung auf Spaziergängen, bei Einkäufen oder Gottesdienstbesuchen. Dafür zahlt die Pflegekasse dem Heim eine Pauschale. Demenzkranke, die zu Hause leben, bekommen seit Juli bis zu 200 Euro im Monat zusätzlich, um davon Helfer bezahlen zu können.
Pflegeassistenten sollen von ihrem Einkommen leben können
Insgesamt erwartet die Regierung einen Bedarf von zunächst 10.000 Vollzeitstellen für etwa 250.000 Heimpatienten. Alles in allem wird deren Zahl in Heimen auf bis zu 360.000 geschätzt, mit steigender Tendenz, weil die Menschen immer älter werden und die Zahl der Demenzkranken damit wächst. Zunächst kalkuliert die Regierung mit Ausgaben in Höhe von 200 Millionen Euro im Jahr. Rechnerisch entspräche das einem Monatseinkommen von 1660 Euro, wovon der Arbeitgeberanteil für Sozialausgaben noch abgezogen werden müsste. Gesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) lege Wert darauf, dass ein Pflegeassistent von seinem Einkommen auch leben könne, sagte Schröder. Der Stundenlohn – den freilich Assistent und Einrichtung aushandeln müssen – solle mehr als 7,50 Euro betragen.
Schröder rief die Betreiber der mehr als 10.000 Pflegeheime auf, ihren Bedarf möglichst schnell den Arbeitsagenturen zu melden. Laut Bundesagentur für Arbeit sind aktuell 35.000 Altenpfleger und Altenpflegehelfer arbeitslos gemeldet, 63.000 Menschen aus diesen Berufen sind als arbeitsuchend registriert.
„Das ist keine Sackgassentätigkeit“
Interessenten für eine „Pflegeassistenz“ müssen ein mehrstufiges Verfahren durchlaufen. Fällt ein erstes Bewerbungsgespräch positiv aus, müssen die Bewerber, die noch keine Erfahrung im Umgang mit Demenzpatienten haben, ein fünftägiges Orientierungspraktikum absolvieren. Besteht danach weiteres Interesse, durchlaufen sie ein dreistufiges Qualifikationsverfahren (100 Stunden Basiskurs, zwei Wochen Praktikum, 60 Stunden Aufbaukurs Betreuungsarbeit). Für Arbeitslose bezahlt dies die Bundesagentur, in anderen Fällen müsste der Heimbetreiber dafür aufkommen.
Vorkenntnisse, etwa durch frühere Pflegetätigkeit oder als Zivildienstleistender, sollen angerechnet werden. Umgekehrt sollen Pflegeassistenten ihre Qualifikation auch bei einer Zusatzausbildung für Altenpflege anrechnen können. „Das ist keine Sackgassentätigkeit“, sagte Schröder. Er wies einmal mehr darauf hin, dass niemand gezwungen werden solle, diese Tätigkeit zu übernehmen.
Pflegeassistenten sollen von ihrem Einkommen leben können?
Andreas Neubert (Citizen_Kane)
- 22.08.2008, 17:58 Uhr
Vom Altenpfleger zum "Pflegeassistenten"
Marco Torelli (Cyberevil)
- 22.08.2008, 20:46 Uhr
Fremdes Geld verteilt sich leicht.
Hans-Werner Bender (DRHWB)
- 22.08.2008, 23:02 Uhr
Der Patient bezahlt die Zeche.
Hans-Werner Bender (DRHWB)
- 23.08.2008, 00:41 Uhr
Der Pflegetourismus wird kommen und kostet hier Arbeitsplätze.
Hans-Werner Bender (DRHWB)
- 23.08.2008, 13:08 Uhr
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