31.08.2006 · Rund ein Drittel des Bruttolohns betragen die Lohnnebenkosten in Deutschland. Die Arbeitskosten sind aber langsamer gewachsen als in den meisten anderen europäischen Ländern, hat das Statistische Bundesamt heute in einer Studie bekannt gegeben.
Durchschnittlich 33 Euro Nebenkosten auf 100 Euro Bruttolohn - das kostet die Arbeit in Deutschland. Das Statistische Bundesamt hat an diesem Donnerstag seine Arbeitskostenerhebung bekannt gegeben, die alle vier Jahre erscheint. Für die Studie wertete das Amt die Lohnnebenkosten im Produzierenden Gewerbe und in den marktbestimmenden Dienstleistungsbereichen bis zum Jahr 2004 aus.
In den Jahren 2000 bis 2004 sind die Arbeitskosten im verarbeitenden Gewerbe in Deutschland durchschnittlich um zwei Prozent pro Jahr gewachsen. Im Vergleich mit vorläufigen Ergebnissen anderer EU-Länder sei dieses jährliche Wachstum „sehr gering“ gewesen, sagte der Präsident des Statistischen Bundesamtes, Johann Hahlen. Zum Vergleich: In Belgien stiegen die Arbeitskosten im gleichen Zeitraum um 3,9 Prozent, in Frankreich um 2,9 Prozent und in den Niederlanden um 4,7 Prozent.
Im produzierenden Gewerbe stiegen die Arbeitskosten in Deutschland durchschnittlich um 2,7 Prozent im Jahr.
Konjunkturexperte: Nicht beruhigt zurücklehnen
„Ohne Zweifel hatte Deutschland in den vergangenen Jahren relativ moderate Lohnkostensteigerungen“, sagte Roland Döhrn, Leiter der Konjunkturabteilung des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung (RWI) gegenüber FAZ.NET. „Es gibt jetzt Stabilisierungstendenzen.“ Allerdings sei dies eine Stabilisierung auf hohem Niveau, so der Experte. „Beruhigt zurücklehnen kann man sich angesichts dieser Daten sicherlich noch nicht.“
Das Niveau der Lohnnebenkosten ist in Deutschland vergleichsweise hoch: In den benachbarten Niederlanden betrugen sie laut Studie des Statistischen Bundesamtes 31,7 Prozent des Bruttolohns, in Polen waren sie mit 24,8 Prozent deutlich niedriger. Pro Stunde gerechnet lagen die Arbeitskosten in Deutschland bei gut 28 Euro. Damit schaffte es die Bundesrepublik auf Platz sechs in der Europäischen Union, so das Statistische Bundesamt. Nach Einschätzung der Statistiker war die Entwicklung der Lohnkosten damit „moderat“. Es habe sich „die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Deutschland verbessert“.
Hohe Kosten und hohe Produktivität
Wenn man die Lohnkosten auf die Produktivität bezieht, steht Deutschland gut da, so Konjunkturforscher Döhrn vom RWI. „Dann haben wir eine Spitzenposition in Europa, weil wir hier sehr produktiv sind.“
Der Löwenanteil der Lohnnebenkosten in Deutschland entfiel erwartungsgemäß auf den Arbeitgeberanteil zur Sozialversicherung. Diese „gesetzlichen“ Kosten lagen nach Angaben der Statistiker bei 20 Euro pro 100 Euro Bruttolohn und damit nicht sehr viel höher als in Polen: Dort waren es 18 Euro.
Glaube keiner Statistik ...
Andreas Seidl (ASeidl)
- 01.09.2006, 15:46 Uhr
Hänschenklein Ökonomie oder Eulenspiegelei?
Martin Soeder (falke5)
- 01.09.2006, 20:06 Uhr
@ Herrn Seidl
Hermann Trouvain (liwiz)
- 01.09.2006, 23:03 Uhr
Um was geht's wirklich?
Mark Erz (Sterling)
- 02.09.2006, 00:46 Uhr
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